Aktuelle Ausgabe

Offenes Heft zu historischer Kommunikations- und Medienforschung

herausgegeben von Christoph Classen, Erik Koenen, Christina Krakovsky, Mike Meißner & Bernd Semrad

  • Editorial: Christoph Classen, Erik Koenen, Christina Krakovsky, Mike Meißner & Bernd Semrad
  • Lisa Bolz: Die Übersetzungspraktiken der Nachrichtenagenturen im 19. Jahrhundert
  • Carmen Schaeffer: Gegen „Schmutz und Schund“ in populärer Jugendliteratur Reaktionen der LehrerInnenschaft auf den Medienwandel um 1900
  • Maria Löblich & Niklas Venema: Die SPD und ihre Frauenpresse. Die Gleichheit im Parteidiskurs nach Ausbreitung der Massenpresse
  • Kathrin Meißner: Die ‚Mietskaserne‘ als planungskulturelles Narrativ der 1980er-Jahre Zwei Fallbeispiele der Altstadt-Erneuerung in Ost- und West-Berlin
  • Research Corner
    Ernst Theis: Radio Hekaphon, Österreichs erster Rundfunksender
  • Rezensionen

Jörg Matthes: Umtriebig, sichtbar und relevant – ein Grußwort für Fritz Hausjell

Das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien hat Fritz Hausjell viel zu verdanken. Fritz Hausjell ist ein überzeugter, überzeugender sowie umtriebiger Kommunikationswissenschaftler und akademischer Lehrer, der sich seit seinem Start an unserem Institut mit großem Engagement eingebracht hat. Nahezu unzählbar sind die zahlreichen Absolventinnen und Absolventen, die durch Fritz Hausjell hervorgebracht und auch maßgeblich geprägt wurden. Das kommt aber nicht nur von dem ungebrochenen Interesse der Studierenden an der Person Hausjell und seinen zahlreichen Forschungsthemen. Sondern es hat auch damit zu tun, dass Fritz Hausjell niemand ist, der Studierende abweist oder die Arbeit mit Studierenden oder Doktorierenden als Last empfindet. Vielmehr nimmt er Anteil an den Arbeiten, verfolgt die daraus entstehenden Karrieren und hat ein Ohr für den Menschen hinter einer wissenschaftlichen Arbeit. Es sind daher nicht nur wissenschaftliche, sondern insbesondere auch die menschlichen Qualitäten, die Fritz Hausjell auszeichnen, ihn für Kolleginnen und Kollegen sowie für Studierende so einzigartig machen und seinen hohen Stellenwert an unserem Institut untermauern. In der heutigen an quantifizierbarer Selbstoptimierung ausgelegten wissenschaftlichen Welt ist das keine Selbstverständlichkeit.

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Roland Steiner: Kommunikation als Konfrontation und Kontroverse. Für Fritz Hausjell

Mitte der 1980er herrschte Aufbruch am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien (IPKW). 1984, als das Studium von einem reinen Doktorats- in ein Diplomstudium gewandelt wurde, postulierte Vorstand Wolfgang R. Langenbucher:

„Nichts deutet darauf hin, daß man in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre weniger Kommunikationsberufler als in der Vergangenheit braucht.“ (Langenbucher 2015, 41)

Diese Prognose bewahrheitete sich auch für die Zahl der Inskribierten: von rund 2.000 anno 1983 bis 6.000 anno 1988 (derzeit sind es im Bachelor rund 3.000). Ab 1986 wurden die Studienbücher zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ediert, etwa der Band Medien- und Kommunikationsgeschichte. Ebenfalls 1986 – just in der Kulmination der „Waldheim-Affäre“ – formierte sich der „Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung“ (AHK), die Herausgeberschaft von medien & zeit mit ihrer ersten Ausgabe Wege zur Kommunikationsgeschichte. Gründer waren Wolfgang Duchkowitsch, Theodor Venus, Peter Malina, Oliver Rathkolb – und Fritz Hausjell, der 1985 in Salzburg mit einer kollektivbiografischen Analyse von Journalisten gegen Demokratie oder Faschismus promoviert hatte.

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Editorial: Zum Inhalt der Ausgabe

Gaby Falböck, Wolfgang Duchkowitsch & Erik Bauer

Nach den dieser Ausgabe von medien & zeit vorangestellten Skizzen des Wissenschafters, Kommentators in öffentlichen Diskursen zu Medienfragen und letztendlich Menschen Fritz Hausjell, intendieren die weiteren Beiträge dieser Festschrift den „Spuren“ des lehrenden und forschenden Wirkens des anlässlich
seines 60. Jubiläums zu Feiernden nachzuspüren. Infolgedessen widmen sich die in dieser Ausgabe von medien & zeit publizierten Beiträge Themenfeldern, die den Wissenschafter Fritz Hausjell in seiner bisherigen beruflichen Karriere beschäftigten.

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Roman Hummel: Der Österreichische Rundfunk im Kontext von Regulierungstraditionen

Qualität im Journalismus im Spannungsfeld medienpolitischer Interessen

Medienregulierung erfolgt nach politischen Bedürfnissen entlang von Problemlagen, Machtverhältnissen, kulturellen Grundlagen und technologischen Entwicklungen. Deshalb sind die Voraussetzungen und die jeweiligen Ausgestaltungen dieser Regulierungen einem stetigen Wandel unterworfen. Der folgende Beitrag versucht, diese Determinanten für die österreichische Rundfunkpolitik zu charakterisieren.

Josef Barth: Zensur an der Quelle. Ein journalismus ohne Recht auf Information

Qualität im Journalismus im Spannungsfeld medienpolitischer Interessen

100 Jahre nach Ausrufung einer demokratischen Republik gesteht der Staat den Bürgerinnen und Bürgern noch immer kein verfassungsmäßiges Recht auf Information zu. Journalistinnen und Journalisten müssen dieses darum umso mehr einfordern, um ihrer Kontrollfunktion gegenüber der Politik gerecht zu werden.

Hans Heinz Fabris: Qualitätsjournalismus – revisited

Qualität im Journalismus im Spannungsfeld medienpolitischer Interessen

Nach 20 Jahren ist die Beschäftigung mit der Qualität im Journalismus zu einem eigenen Forschungsbereich innerhalb der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft geworden. Forschungsansätze, Theorien und Methoden haben sich in dieser Zeit verändert und können inzwischen bilanziert werden.
Der folgende Aufsatz greift auf die Untersuchung der Infrastruktur für Journalismus zurück und versucht exemplarisch anhand der beiden letzten Jahre die Situation in Österreich während der türkis-blauen Bundesregierung zu diskutieren.

Wolfgang Duchkowitsch: Propaganda für die Volksabstimmung am 10. April 1938

Kommunikationsgeschichte und ihre Relevanz für die Gegenwart

Der Beitrag gewährt erstmals einen summarischen Einblick in Strategien und raffinierte Taktiken der NS-Propaganda nach dem „Anschluss“, um einen grandios zu feiernden bzw. sicher zu stellenden Erfolg der Volksabstimmung erzielen zu können. Die Basis für diesen Einblick stellen zum Einem die dokumentierten Bürckel-Akten und zum Anderem Berichte und Kommentare in der österreichischen Presse dar, die gemäß ANNO direkt konsultiert werden kann. Herausgearbeitet wird hierbei u.a. der sorgsam zu treffende Unterschied zwischen der JA-Erklärung seitens der katholischen Kirche, angeführt vom Kardinal Innitzer, und dem JA-Aufruf des ehemaligen Staatskanzlers Renner.

Gaby Falböck & Christian Schwarzenegger: Am Rande, daneben und dazwischen – die Stimmen der Anderen. Ethnische Minderheiten und die Medien in Österreich

Kommunikationsgeschichte und ihre Relevanz für die Gegenwart

Medien von und für Minderheiten sind im kommunikationswissenschaftlichen Diskurs der letzten Jahre von einem Nischenthema zu einem, breitere Wahrnehmung und Akzeptanz erlangenden Feld der Forschung generiert. Dieser Wandel rührt auch von der steigenden Zahl der Ethnomedien her, die in Folge der Veränderung der europäischen Gesellschaft hin zu einer Einwanderungsgesellschaft entstanden. Der Beitrag intendiert die Wirkkräfte und prägenden Dynamiken des mittlerweile vielfältigen Marktes der Ethnomedien zu fassen. Ausgehend vom Zerfall der Monarchie bzw. des Vielvölkerstaates Österreich und der damit einhergehenden Entstehung von nationalstaatlichem Denken werden die Entwicklungsschritte der Ethnomedien in der Langzeitperspektive dargelegt. Dies erfolgt vor dem Hintergrund der Migrationsbewegung in bzw. aus Österreich und anhand exemplarischer Darstellungen.

Marion Krammer & Margarethe Szeless: Heimatlos, staatenlos, bildlos. Fotografien von Displaced Persons in österreichschen Illustrierten

Kommunikationsgeschichte und ihre Relevanz für die Gegenwart

Der Beitrag befasst sich mit der Präsenz des Themas „Displaced Persons“ (DPs) in den österreichischen Nachkriegsillustrierten. Es wird gezeigt, dass die Existenz und das Leben der DPs (mit Ausnahme der „Volksdeutschen“) von der Mehrheit der österreichischen Illustrierten ignoriert und die Flüchtlinge dadurch öffentlichkeitswirksam negiert wurden. Demgegenüber ist das Bildmotiv von aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Soldaten ein fester Bestandteil der österreichischen Bildkultur der Nachkriegszeit