Assimina Gouma & Johanna Dorer: Intersektionalität als (neues) Paradigma in der Kommunikationswissenschaft

Entwicklung und empirische Befunde

In der feministischen Theoriebildung ist die intersektionale Betrachtung sozialer Prozesse
durch kritische Beiträge von Frauenbewegungen – vor allem Schwarzen Feminist_innen – eingefordert worden. Der Beitrag zeichnet die Genealogie dieser Entwicklung und die Ausdifferenzierung intersektionaler Überlegungen nach. In der feministischen Kommunikationswissenschaft werden intersektionale Zugänge zunehmend wichtig und auf sämtliche Ebenen des gesellschaftlichen Kommunikationsprozesses angewandt. Methodisch stellen intersektionale empirische Projekte allerdings auch eine erhebliche Herausforderung dar.

Ljubomir Bratić: Kurze Geschichte der Printmedien von und für MigrantInnen aus Jugoslawien in Österreich

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Geschichte der Printmedien von und für MigrantInnen
aus Jugoslawien in Österreich. Die Wirkungs- und Entstehungslinien dieser Medien werden
in einem historisch genealogischen Verfahren dargestellt. Zudem werden exemplarische und punktuelle Einblicke in deren Inhalte gegeben und damit die Veränderungen in der Ausrichtung der Zeitschriften illustriert. Die Medien werden als Teil eines komplexen Prozesses der Migration verstanden, eines der sich permanent in mehrere Felder und Zusammenhänge (Herkunftsstaat, Aufnahmestaat und persönliche Biographien von HerausgeberInnen aus dem Kreis der MigrantInnen in Österreich) entfaltet. Diese Zeitschriften sind Plattformen auf denen die laufenden Fragestellungen innerhalb der Community diskursiv bearbeitet werden und, in der Retrospektive die Versuche Wirksamkeiten zu entfalten, nachvollziehbar machen.

Anna Wagner, Susanne Kinnebrock & Manuel Menke: Vulnerabilität am Lebensende

Mediale Debatten und lebensweltliche Vorstellungen

Der Umgang mit Vulnerabilität am Lebensende und in finalen Phasen der Pflegebedürftigkeit
ist alltägliche Herausforderung im Leben vieler Menschen – und steht zunehmend auch im
Mittelpunkt öffentlicher Debatten und gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Vorstellungen
und Bilder eines würdevollen Sterbens und Gepflegtwerdens, einer von Fürsorge geprägten
Angewiesenheit oder eines einsamen Dahinsiechens werden (massen-)medial verhandelt und konstruiert. Mediendarstellungen von Tod, Sterben und Pflegebedürftigkeit schlagen sich auch auf individueller Ebene in den Lebenswelten von Menschen und in ihrem Bestreben nieder, antizipative Regelungen für finale Lebensphasen zu treffen (Advance Care Planning). In diesem Beitrag werden die Ergebnisse von vier Studien eines mehrjährigen Forschungsprojekts vorgestellt, in dem die medialen Debatten und individuellen Vorstellungen zu (der Vulnerabilität in) finalen Lebensphasen beforscht wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Vulnerabilität sowohl in den Massenmedien als auch in den Vorstellungs- und Entscheidungswelten der Bürger*innen ambivalent wahrgenommen wird und die medialen Argumentationsmuster offenbar auch die lebensweltlichen Vorstellungen prägen.

Call for Papers: Offenes Heft | Open Issue 2021

CfP: Offenes Heft | Open Issue 2021

Herausgeber*innen | Editors: Erik Koenen (Bremen), Christina Krakovsky (Wien), Mike Meißner (Fribourg), Hendrik Michael (Bamberg), Bernd Semrad (Wien)
Gastherausgeberin: Maria Löblich (Freie Universität Berlin)

Deadline for Extended Abstracts (10.000 characters): 31. Mai 2021

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Heft 2/2020 – Technik und Mensch. Vorstellungen vom Mensch-Sein in und durch Technologien

herausgegeben von Diotima Bertel & Julia Himmelsbach

  • Editorial: Diotima Bertel & Julia Himmelsbach
  • Mona Singer: Was vom Transhumanismus übrigbleibt. Virus, Naturbeherrschung und Technikphilosophie
  • Kevin Liggieri: Non-Linearity and the Problem of Formulizing “the Human”
  • Wolfgang Pensold: Die Jagd auf Hawley Harvey Crippen, oder: Die Entdeckung des Live-Moments
  • Julia Himmelsbach, Diotima Bertel & Manfred Tscheligi: Questioning the User-Researcher Dichotomy. Situatedness of Knowledge and Power Structures in Research on Technology
  • Katrin Kühnert: AutorInnen-Autorität und literarische Tabubrüche im Holocaust-Diskurs Fiktive Zeugnisliteratur aus TäterInnenperspektive als Herausforderung für die deutschsprachige Rezeption
  • Rezensionen

Heft 1/2020

Von der Nachrichtenpräsentation zum Datenjournalismus. Zeitungsdesign, Informationsdesign, Nachrichtenvisualisierung

herausgegeben von Astrid Blome

  • Editorial: Astrid Blome
  • Lisa Bolz: Nachrichtenpräsentation im 19. Jahrhundert
  • Christian Schäfer-Hock: So sehen gedruckte Zeitungen aus
  • Norbert Küpper: Aktuelle Trends im Zeitungsdesign Print und Online – die Perspektive der Praxis
  • Sarah Müller: Nachrichtenmedien auf Instagram
  • Jakob Henke, Elena Link & Wiebke Möhring: Die Wirkung interaktiver Grafiken auf die Erinnerung und das Leseerleben von NutzerInnen
  • Rezensionen

Heft 3/2019

Journalismus in Österreich
Herausforderungen, Dynamiken, Widerstände
Festschrift für Fritz Hausjell

herausgegeben von Gaby Falböck, Wolfgang Duchkowitsch & Erik Bauer

  • Jörg Matthes: Umtriebig, sichtbar und relevant – ein Grußwort für Fritz Hausjell
  • Roland Steiner: Kommunikation als Konfrontation und Kontroverse. Für Fritz Hausjell
  • Editorial: Zum Inhalt der Ausgabe – Gaby Falböck, Wolfgang Duchkowitsch & Erik Bauer

Qualität im Journalismus im Spannungsfeld medienpolitischer Interessen

  • Roman Hummel: Der Österreichische Rundfunk im Kontext von Regulierungstraditionen
  • Josef Barth: Zensur an der Quelle. Ein journalismus ohne Recht auf Information
  • Hans Heinz Fabris: Qualitätsjournalismus – revisited

Kommunikationsgeschichte und ihre Relevanz für die Gegenwart

  • Wolfgang Duchkowitsch: Propaganda für die Volksabstimmung am 10. April 1938
  • Gaby Falböck & Christian Schwarzenegger: Am Rande, daneben und dazwischen – die Stimmen der Anderen. Ethnische Minderheiten und die Medien in Österreich
  • Marion Krammer & Margarethe Szeless: Heimatlos, staatenlos, bildlos. Fotografien von Displaced Persons in österreichschen Illustrierten
  • Maximilian Brockhaus & Klaus Kainz: Die Nutzen einer Frauen- und Geschlechtergeschichte für die Gesamtgesellschaft? Der Versuch einer Annäherung anhand zweier Beispiele österreichischer Geschichtsvermittlung

Rezensionen

Editorial 2/2019

Maria Löblich, Christian Schwarzenegger & Thomas Birkner

Dieses Heft geht zurück auf die Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe Kommunikationsgeschichte, die im Januar 2018 in Berlin stattfand. Der Call for Papers war vor allem von der Erkenntnisperspektive von Michel Foucault inspiriert, verfolgte diese aber nicht streng, um andere Diskursbegriffe ebenso nicht auszuschließen wie Ansätze, die sich auf alternative Weise mit medialer Realitätskonstruktion beschäftigen. Diese Einleitung beschreibt zunächst, 1) was die Idee der Tagung war, 2) aus welchen Gründen diese Idee relevant ist und schließlich 3) warum sich dieses Heft aus den fünf vorliegenden Beiträgen zusammensetzt.

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Hendrik Michael: Die Darstellung der Unterschicht im wilhelminischen Berlin durch Sozialreportagen der Massenpresse

Dieser Beitrag geht der Frage nach wie ein gegenwärtig wieder im Fokus stehender Diskurs über Armut und soziale Ungleichheit in der Vergangenheit im Journalismus dargestellt wurde. Die Untersuchung konzentriert sich auf das späte 19. Jahrhundert als die soziale Frage erstmals allgegenwärtig im öffentlichen Diskurs war. Es wurde eine qualitative Inhaltsanalyse von Berliner Presseerzeugnissen durchgeführt, um die Darstellungsmuster der Armutsberichterstattung in der wilhelminischen Massenpresse zu beschreiben. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich die Berichterstattung über Armut an gegensätzlichen Polen des gesellschaftlichen Diskurses verorten lässt. Während einerseits sensationalistische Deutungsmuster dominieren, die Armut als moralische Devianz begreifen, existieren auch Ansätze des investigativen Journalismus, der Armut als Symptom ungünstiger sozialer Bedingungen identifiziert und systematische Lösungsansätze präsentiert, um das Problem zu bekämpfen.

Jürgen Wilke: „Die Stunde der Prüfung“

Die Spiegel-Affäre und der Diskurs über Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik Deutschland

Gegenstand des Beitrags ist der Diskurs über Meinungs- und Pressefreiheit, der in der frühen Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geführt wurde. Dabei werden sowohl der juristische Fachdiskurs als auch der journalistische Diskurs mit einbezogen. Am Anfang standen 1948/49 die Debatten in der Verfassungsgebenden Versammlung, dem Parlamentarischen Rat, in dem der Art. 5 GG mit der Garantie der Meinungs- und Pressefreiheit formuliert und beschlossen wurde. Anfang der 1950er-Jahre wurde der Versuch der Bundesregierung abgewehrt, die Pressefreiheit in verschiedener Hinsicht einzuschränken. Im Mittelpunkt steht aber die Polizeiaktion gegen das Nachrichtenmagazin Der Spiegel 1962, die als Spiegel-Affäre berühmt wurde. Sie wurde als bis dahin größte Bedrohung der Pressefreiheit in Deutschland wahrgenommen und löste in der Presse eine breite Diskussion aus, deren Ausmaß und Diskurselemente analysiert werden. Im letzten Teil werden die juristischen Folgen der Spiegel-Affäre dargestellt, die 1968 zu einer Änderung der strafrechtlichen Bestimmungen zum Landesverrat und Geheimnisschutz führten.