Fritz Senn & Sabrina Alonso: Vom Joyce-Kult

Abstract: Im zweiten Teil des Hefts, der sich dem Thema des Kults widmet, interessiert als Fortsetzung der Kult als Geschehen, als Aneignung und als Gemeinschaft bildende, kommunikative Praxis, und die Joyce-Kultifizierung wird anhand einiger Beispiele illustriert. Der Kult, so der Vorschlag, spielt eine grenzüberwindende Rolle zwischen den aus dem Untergrund agierenden Kräften, aus denen sich der Kitsch speist, und den eher hochfliegenden Sphären der Kunst.

Thomas Ballhausen: Der lange Weg zum „Klassiker“ Zur Rezeption und archivgestützten Wiederentdeckung von PEEPING TOM (1959)

Abstract: Der Weg zum filmischen Klassiker, zum anerkannten, kanonisierten Titel ist oft wortreich umkämpft, disziplinübergreifend umfehdet – und somit steinig in mehr als nur einer Hinsicht. Innerdisziplinäre Theoriegefechte erschweren dabei konstruktive Diskussionen um Wiederentdeckungen, Kanonisierungsbestrebungen und fragwürdige Exklusionshaltungen. Ein erweiterter Archivbegriff, der sich vom ohnehin zu verabschiedenden Projekt einer Progressionsgeschichte zu lösen und sich in seiner Anwendbarkeit als intellektuelllogistisches, politisch wie ethisch abgefedertes Instrument versteht, hat sich dahingehend vielfach als hilfreich erwiesen. In der Reflexion der archivalischen Rahmenbedingungen, die gleichermaßen die physische Überlieferung des jeweiligen Objekts als auch die diskursiven Verknüpfungen und historischen Kontexte berücksichtigt, liegt ein Vorteil, der einer lebendigen, möglichst detailreichen Erschließungs- und Vermittlungsarbeit zuträglich ist. Michael Powells PEEPING TOM (1959), mit seiner verstörend-schockierenden Geschichte über einen serienmordenden Kameramann, ist ein als klassisch zu bezeichnendes Beispiel für den Wandel in der Rezeption eines filmischen Werks und die Notwendigkeit bzw. positive Effektivität archivgestützer (Wieder-)Entdeckungsarbeit. Unter Rückgriff auf archivtheoretische und psychoanalytisch motivierte Theoriemodelle, sowie unter Einbindung historischer Quellen, soll hier, aufbauend auf einschlägigen Vorarbeiten (vgl. Ballhausen, 2005a; Ballhausen, 2008; Ballhausen, 2012), der titelspendende Weg zum „Klassiker“ anhand eines ursprünglich heftig abgelehnten Beispielfilms skizziert und vorgestellt werden.

Philipp Budka: Digitale Medientechnologien aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive Überlegungen zu Technologie als materielle Kultur und Fetisch

Abstract: Dieser Aufsatz blickt auf digitale Medientechnologien aus Perspektive der Kultur- und Sozialanthropologie. In einem wissenschaftstheoretischen und historischen Abriss werden einerseits Eckpunkte in der Entwicklung relevanter Forschungsfelder, wie die Anthropologie und Ethnographie der Medientechnologien, die Digitale Anthropologie sowie die Anthropologie der Cyberkultur behandelt. Andererseits werden zwei Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis vorgestellt, die digitale Technologien als materielle Kultur verstehen. Technologie als materielle Kultur erlaubt es die Materialität und die Normativität von Technologien ebenso zu fassen wie deren alltägliche Aneignung in wandelnden soziokulturellen, politischen und ökonomischen Kontexten. Der Aufsatz schließt mit einer Diskussion der Fetischisierung von Technologien, deren Bedeutung und Zusammenhänge.

Gaby Falböck & Roland Steiner: Der Kult als Dispositiv Zur Genealogie des genialen Wissenschaftlers

Abstract: Der folgende Beitrag widmet sich dem Kult um Wissenschaftler ausgehend von selbst geschaffenen und medialen Bildern dieser Diskursebene. Empirische Befunde zu diesem an sich rationalen Beruf in Nachrichtenmagazinen, Spielfilmen und Comics konstatieren verschiedene Typen des Wissenschaftlers – vom professionellen Experten bis zum genialen Helden – und evozieren so die Frage, wie Images inner- und außerhalb des Populärkulturellen entstehen. Mit den Cultural Studies gedacht formieren sich im Kult um Wissenschaftler kleine, exklusive bis exkludierende Gemeinschaften, wie anhand von Stuart Hall, Niklas Luhmann und Herbert Marcuse gezeigt wird. Das Kult-Dispositiv entwickelt durch diese Communitys sowie durch die Macht des Wissens per se eine auch von Foucault attestierte positive Machtdynamik.

Rezensionen 1/2013

Melanie Magin: Wahlkampf in Deutschland und Österreich. Ein Langzeitvergleich der Presseberichterstattung. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2012 (= Medien in Geschichte und Gegenwart, Bd. 28), 360 Seiten.
– rezensiert von Heinz P. Wassermann

Hartmut Wessler & Michael Brüggemann: Transnationale Kommunikation. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Springer 2012, 215 Seiten.
– rezensiert von Christian Schwarzenegger

Emilie Altenloh: Zur Soziologie des Kino. Die Kino-Unternehmung und die sozialen Schichten ihrer Besucher. Neu herausgegeben von Andrea Haller, Martin Loiperdinger, Heide Schlüpmann. (= KINtop Schriften. Materialien zur Erforschung des frühen Films, Bd. 9) Frankfurt am Main, Basel: Stroemfeld Verlag, Roter Stern 2012, 102 Seiten.
– rezensiert von Erik Koenen

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