Mila Francisca Bongco: On the Language of Comics and the Reading Process

IntroductionText-Image Conflict in Comics
The simultaneous presence of two mediums — words and images — neither started with comics nor is unique to them. But the existence of both codes can be a contentious issue in studying comics. On the one hand, an „iconic archaeology“, rather than a textual one, seems to be instinctively assigned to comics. In studies about the origin and development of the medium, for example, a graphic history is always provided. On the other hand, some studies focus on the medium solely as narrative art. Comics are compared to fiction and, using methods of literary analysis, factors such as character, theme, and plot are evaluated.

In analyzing comics, however, it is necessary to develop a new kind of understanding that goes beyond comparing and assessing verbal and visual structures separately. Both pictures and texts are the fundamental basis of almost all comics, and to seek to understand one without the other is to misinterpret the substance of this hybrid genre. The key to understanding comics does not lie in the words or pictures themselves but in the interaction and relationships between the two. The crucial point is how effectively the linguistic and pictorial signs’ interact – how absorbingly and dynamically a story is related in both pictures and texts. The interaction is all-important. It is a defining characteristic of comics, and the efficacy of the genre rests on the interdependence of the two mediums. Comics cannot help but demand of their readers the ability to decipher and „read“ a new language – a récit dessinée or an iconographie narrative — comprised of both written and illustrated codes. …

Thomas Fillitz: Populärkultur und Kongo Zwischen der Bande Dessinée von Hergé und den Bildern von Chéri Samba

Einleitung: Als kleine Kinder liebten wir die Comics-Hefte Walt Disneys, vor allem die Donald Duck-Geschichten, auch die Kämpfe von Micky Maus gegen Kater Karlo – wobei die Sympathien beim Schurken Kater Karlo lagen. Wessen Eltern hielten damals, Ende der 1950er Jahre, diese Comics-Hefte nicht für einen kulturellen Verfall, für ein Aufgeben gegenüber einem nivellierenden Produkt der amerikanischen Industrie der Populärkultur? Doch wir haben durchgehalten, haben Comics-Hefte unter der Schulbank gelesen, oder sic dem Spielen während der Untcr- richtspausen vorgezogen. Wir tauschten sie intensiv untereinander, und bald erweiterte sich der Horizont von den Walt Disney-Figuren zu anderen Heroen wie Tintin und seinem Hund Milou (Dt.: Tim und Struppi) von Hergé, Lucky Luke von Morris und Vidal, vor allem Obélix und Astérix von Goscinny und Uderzo. Ende der 1970er Jahre bat ich jeden Freund, der nach Paris reiste, mir die neueste Ausgabe der belgisch-französischen Zeitschrift “A suivre” (Dt.: Fortsetzung folgt) mitzubringen. Sie war 1978 vom belgischen Verlag Casterman gegründet worden, wobei ihre Autoren verschiedene Themen, Zeichen- und Erzählstile haben. Und ich fand meinen hero, Corto Maltese von Hugo Pratt. Ich hatte einmal die Sammlung seiner Geschichten …

Bettina Brixa & Peter H. Karall: “… façonner la façon même …” – Die Gestalt selbst gestalten Der Comicautor, Journalist und Wissenschaftler Pierre Christin im Interview mit Bettina Brixa und Peter H. Karall

Einleitung:

medien & zeit: Monsieur Christin, wie hat Ihr erster Kontakt mit Comics ausgesehen? Ist es Ihre Absicht gewesen, mit Ihren ersten Arbeiten etwas vollkommen Neues zu schaffen, oder hatten Sie Bilder im Kopf, die Sie beeinflußten? Was ist die besondere Herausforderung, der besondere Reiz daran, einen Comic zu machen?

Pierre Christin: Meine Bekanntschaft mit Comics habe ich, wie es in Frankreich logisch ist, in meiner Kindheit gemacht. Mein Vater war ein kleiner Friseur in einem Vorort östlich von Paris, und in der Herrenabteilung lagen Zeitungen und Illustrierte auf. Darunter Tintin, Spirou und andere, die ich weniger mochte: Francs jeux, zu sehr auf boy-scout, Coeurs vaillants, zu katholisch, Mickey, die ich schlecht gezeichnet fand. Dafür fehlte in der Reihe Vaillant, die kommunistische Wochenzeitung (das hätte den Kunden stören können), die ich bei einem Freund las.

Herbert Hrachovec: Comics zum Bosnienkrieg

Einleitung: Karikaturen haben einen festen Platz in der politischen Auseinandersetzung. Comics interessanterweise nicht. Man denkt an Doonesbury, aber damit ist die Liste prominenter Beispiele beinahe schon erschöpft. In der Masse der gezeichneten Helte nehmen Stellungnahmen zu tagespolitischen Themen und aktuellen Konflikten nur einen kleinen Raum ein. Phantasiewelten, Erotik, Lausbubenstreiche und allenfalls (pseudo-)historische Rekonstruktionen beherrschen das Terrain. Dagegen soll die Aufmerksamkeit in diesem Beitrag auf eine gegenwärtige Krisenregion gelenkt werden, das Gebiet der ehemaligen jugoslawischen Föderation. Die Katastrophen anläßlich ihres Zerfalls bilden den Anstoß zu einer Anzahl bemerkenswerter Comic-Publikationen. Man ist gewohnt, die angesprochenen Themen in anderen Kanälen wahrzunehmen bzw. abzuhandeln. Die Nachrichtensendungen im Fernsehen, die Kontroversen in den Feuilletons großer Zeitungen und die rasch verfaßten journalistischen Retrospektiven tragen den Hauptanteil der Auseinandersetzungen. Gezeichnete Bildgeschichten gehören nicht zum Standard repertoire dieser Verarbeitung.

Dafür ist dieses Ausdrucksmittel weniger prädeterminiert und flexibler einsetzbar. Comics sind eine Nebenfront in der Konfrontation mit dem Geschehen in Ex-Jugoslawien; sie gestatten daher vergleichsweise divergente Lösungen. Im ersten Teil wird das Schreib- und Zeichenrepertoire vorgestellt, mit dem Zeichner und Autoren auf die auslösenden Ereignisse reagierten. Der Überblick macht deutlich, wie reichhaltig die Mittel sind, die in dieser Ausdrucksform zur Verfügung stehen. Sie lassen sich hier nicht detailliert abhandeln, stattdessen wird ein einziger Aspekt herausgegriffen und im zweiten Feil ausführlicher diskutiert. Während die allgemeine Orientierung das weitere Spektrum sichtbar macht, das Comics besetzen, zeigt der gewählte Gesichtspunkt, gleichsam vertikal dazu, wie sie sich in konkreten Verhältnissen verankern lassen. Es geht um die Funktion, die Zeichnungen, in Abhebung von Fotos, bei der Repräsentation kriegerischer Ereignisse erfüllen. Und um die Modifikation ihrer unterschiedlichen Funktionalität im Rahmen des „World Wide Web“. Damit ist bloß ein kleiner Teil des umfangreichen Themengebiets berührt, zumindest aber eine Schnittstelle, an der sich die aktuellsten Medientechnologien mit dem vergleichsweise peripheren Vergnügen an gezeichneten Geschichten treffen. …

Walter Lindner: “Im Eise der Grundrechte” Die Karikaturensammlung des Instituts für Zeitungsforschung der Stadt Dortmund zur Revolution 1848/49 in Deutschland als Fundgrube für die Auseinandersetzung mit der Zensur

EinleitungRevolution 1848/49 – Geburtsstunde der modernen Karikatur
Dem aufmerksamen Betrachter von Karikatur wird es nicht entgangen sein, daß die in der aktuellen Tagespresse präsente Bildsatire erheblich an Profil, Biß, aber auch an souveränen Zeichnern eingebüßt hat. Und obwohl die politische Karikatur durch keine offene Zensur beeinträchtigt ist, befindet sic sich mit ihren stumpf gewordenen Federn in einer offensichtlichen Krise. Die Beantwortung der Frage nach den Ursachen setzt das Herausschälen wesentlicher Bewegungsgesetze der Bildsatire voraus. Dies lenkt zugleich den Blick auf die Anfänge der modernen politischen Karikatur, die in der deutschen Revolution 1848/49 ihre Geburtsstunde findet.

Als im März 1848 unter dem politischen Druck der oppositionellen Arbeiter, Handwerker, Intellektuellen und Bürger die Aufhebung der Zensur offiziell verfügt werden mußte, löste dies eine bislang ungeahnte Flut an Karikaturen aus. Mit 279 Einblatt-Karikaturen zur 1848/49er Revolution beherbergt das Institut für Zeitungsforschung der Stadt Dortmund eine regelrechte Fundgrube für die Auseinandersetzung mit der Zensur Mitte des 19. Jahrhunderts und ihren Auswirkungen auf die Bildsatire in Deutschland. Bewertung und Interpretation dieser Karikaturen setzen heute voraus, Ereignisse, Hintergründe und Ikonografie in ihrer Wechselwirkung zu den historisch-politischen Determinanten zu erforso offen zutage wie in dem vorliegenden Blatt Sonst — Jetzt (vgl. Abb. 1) vom März 1848. Ausgehend von den Ereignissen im Februar 1848 in Frankreich und Anfang März desselben Jahres in Wien, hatte sich das Blatt auch in Deutschland politisch grundlegend gewandelt. …

Eckart Früh: Spuren und Überbleibsel: Anton Winkelhöfer

Einleitung: Anton Winkelhöfer wurde 1905 in Wien geboren; der Vater verdiente seinen Lebensunterhalt, indem er Stickereiornamente entwarf. Nach Absolvierung der Schulen und abgebrochenem Studium an der Kunstakademie hielt sich A. W. für längere Zeit in Holland auf, wo er als Karikaturist tätig wurde. Daneben entstanden Malereien im Stile der neuen Sachlichkeit; andere standen unter dem Einfluß Egon Schieies und Albert Paris Güterslohs. Winkelhöfer kehrte 1930 nach Wien zurück, trat der SDAPÖ bei und zeichnete außer für die Monatszeitschrift Der Sozialdemokrat und das Kleine Blatt von 1932 bis zu ihrem Verbot als freier Mitarbeiter für die Arbeiter-Zeitung. Seine Kontaktpersonen in der Redaktion waren außer Ernst Fischer Oskar Pollak, Julius Braunthal, Alexander Gottlieb und Karl Ausch.

Bei den Zeichnungen für den Sozialdemokrat war Winkelhöfer in starkem, nicht weiter überraschendem Maße dem sozialistischen Pathos und der Heroisierung des Proletariats verpflichtet. Die thematischen Anlässe für seine Karikaturen ergaben sich aus aktuellen politischen Ereignissen. Es ging um die bürgerliche Regierung, die bewaffneten Heimwehren und den Heimatschutz, Bankenskandale und Korruption, die Wahlen, das Rote Wien und seine Feinde, namentlich um Engelbert Dollfuß, den Bundeskanzler, und Emil Fey, Victor Kienböck, Anton Rintelen, Carl Vau- goin, Karl Buresch, Guido Jakoncig, den gescheiterten Putschisten Walter Pfrimer, den ungarischen Reichsverweser Horthy und Adolf Hitler, den sogenannten „Osaf‘ (Obersten SA-Füll rer). Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht usurpiert hatten und ungehemmt ausübten, ab August 1933, überwogen bei Anton Winkelhöfer deutsche Themen, die auch heute noch überzeugen. …

Rezensionen 3/2001

Stefan Wolfinger: Von Karl Marx bis Carl Barks. Comics und Geschichte. (= Neue Aspekte in Kultur- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 15). Wien: Österreichischer Kunst- und Kulturverlag 1999
– rezensiert von Peter H. Karall

Scott McCloud: Understanding Comics. The Invisible Art. New York: Harper Perennial 1994; Scott McCloud: Reinventing Comics. How Imagination and Technology are Revolutioning an Art Form. New York: Harper Perennial 2000
– rezensiert von Gerhard Hajiscek

Jörg Jochen Berns: Film vor dem Film: Bewegende und bewegliche Bilder als Mittel der Imaginationssteuerung in Mittelalter und Früher Neuzeit. Marburg: Jonas-Verlag 2000
– rezensiert von Margit Wolfsberger

Mike Sandbothe & Winfried Marotzki (Hg.): Subjektivität und Öffentlichkeit. Kulturwissenschaftliche Grundlagenprobleme virtueller Welten. Köln: Herbert von Harlem Verlag 2000
– rezensiert von Bettina Brixa

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Wolfgang Pensold: Krieg und Kamera Skizzen zum NS-Kriegsfilm

Einleitung: Die vierte Dimension der Kriegsführung
Deutschland während des Ersten Weltkrieges: der Siegestaumel von 1914 ist in der Profanität eines unentrinnbaren Kriegsalltags verebbt. Die geschürte Euphorie der Anfänge – der Blumen am Gewehr — ist vorüber, wenn auch nicht vergessen. Für den fanatischen Kriegsfreiwilligen Adolf Hitler wird dieses Erlebnis der allgemeinen Kriegsbegeisterung ebenso zum Schlüsselerlebnis werden wie am Ende der kapitale Zusammenbruch 1918. Hitler erlebt mit, wie die zu Beginn medial aufgetragene Propagandatünche der gesellschaftlichen Einheit Risse bekommt und die Begeisterung einer allmählichen Ernüchterung weicht – eine Entwicklung, die letztlich in offenen Revolten im Hinterland gipfelt. Die repressiven Gegenmaßnahmen durch die Armeeführung, die den Kriegsverlauf begleiten und das Land de facto in eine Militärdiktatur verwandeln, können die beschworene Einheit nicht aufrechterhalten. Die Fiktion des nationalen Zusammenhalts verblaßt. Die ursprüngliche Vorstellung eines kurzen Feldzuges hat sich in einer Realität langwieriger, unaufhörlich Menschen und Munition verschlingender Materialschlachten buchstäblich zerrieben. Der industriell geführte Krieg eskaliert, nimmt nach und nach sämtliche Ressourcen, über die die Gesellschaft verfügt, in Beschlag und beginnt, sein eigenes Konzept von Normalität zu diktieren. Mir dem totalen Krieg bricht ein neues Zeitalter an. …

Paolo Caneppele: Beschnittene Schaulust Entstehung und Entwicklung der Filmzensur in Österreich. Ein Abriß (1900-1938)

Einleitung: Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Kinovorführungen in der Österreichisch- Ungarischen Monarchie zu verbreiten begannen, entstand dadurch auch die Forderung nach einer Zensur ihrer Werbemittel (Photographien, Filmbesprechungen (Der Filmbote, 17. August 1918, Nr. 2, S. 49; Das Kino-Journal, 21. Februar 1920, Nr. 7, S. 1f; Der Filmbote, 22. Mai 1920, Nr. 21, S. 14f), Plakate (Kinematographische Rundschau, 1. Juli 1907, Nr. 17, S. 2), Erklärungstexte und die Tätigkeit des Filmerzählers), ln der Monarchie wurde das Kinoangelegenheiten regelnde Grundgesetz im Jahr 1912 publiziert. Vor diesem Datum wurde das Kino nach Gesetzen gehandhabt, die ursprünglich für Theater und präkinematographische Schaustellungen (Varietes, Vergnügungsparks etc.) erlassen wurden, oder nach Polizei bestimm ungen, die man örtlich festlegte (Hellwig, 1913, 1913, S. 135). …

Katharina Würtinger: Vom Kinematographen bis zu den “Anfängen” Hollywoods

Einleitung: Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, jene Zeit zu beleuchten, in denen die Anfänge des Films liegen, lange vor dem „goldenen Zeitalter“ Hollywoods und vor dem „Exilfilm“.

Bewußt wurde ein Schritt „zurück“ getan, um all jene Faktoren (oder vielmehr einen kleinen feil von ihnen) aufzuzeigen, die wesentlich dazu beigetragen haben, daß der Kinofilm zu dem werden konnte, was er im Lauf seiner nun knapp über hundertjährigen Geschichte war und bis heute ist.

Vielfach mag der Eindruck entstehen, der Einfluß Europas auf den amerikanischen Film bzw. die amerikanische Filmwirtschaft insgesamt habe erstmals in der Zeit des „Filmexils“ begonnen, als tausende Filmschaffende, Schauspieler und auch Literaten in die USA emigrierten, um hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der Hoffnungen, die diese Menschen mitbrachten in ihre „neue Heimat“, im Land schließlich der Traumfabrik Hollywood, die Arbeit wieder aufnehmen zu können, die sie dort, wo sie hergekommen waren, nicht mehr fortsetzen konnten oder durften.

Doch der Einfluß auf die Entstehung bzw. Entwicklung des Kinofilms aus Europa (wie umgekehrt natürlich auch) hatte bereits viel früher begonnen und reicht bereits in die Anfänge der Filmgeschichte zurück. Dabei waren nicht nur technische Faktoren (etwa bei der Konstruktion von Geräten) ausschlaggebend. Auch politische, ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen – und zwar sowohl in den USA als auch in Europa — hatten nachhaltigen Einfluß auf die weitere Geschichte des Kinofilms. …