Peter H. Karall & Bettina Brixa: Helden im Zwielicht der Ordnung James T. Kirk, Benjamin Sisko und Batman im Spannungsfeld der Moderne

Einleitung: Den Hintergrund dieses Artikels bildet die Annahme, daß Menschen von Massenmedien ebenso geprägt werden, wie diese Medien und die damit transportierten Inhalte wiederum selbst den jeweils vorherrschenden Weltbildern einer Gesellschaft entsprechend ausgerichtet sind. Dieses Wechselverhältnis eröffnet die Möglichkeit, spezifische in einem räumlich und zeitlich lokalisierbaren Feld festgeschriebene Problembereiche diskursanalytisch zu betrachten und einer kritischen Hinterfragung zu unterziehen.

Pierre Bourdieu meinte beispielsweise in zwei am College de France gehaltenen, nicht unumstrittenen Vorlesungen, die 1996 vom französischen Privatsender Paris Premiere ausgestrahlt wurden, daß besonders das Fernsehen für verschiedene Sphären der kulturellen Produktion eine große Gefahr bedeutet (vgl. Bourdieu, 1998, S. 9). Er bezieht sich bei seiner Kritik dabei primär auf den Nachrichtenbereich, der im Gefolge der ganzen Fernsehindustrie aus ökonomischen Zwängen heraus zu hohen Einschaltquoten verpflichtet ist. Das Problem, das seines Erachtens dabei zum Tragen kommt, ist, daß weite Teile der Bevölkerung Frankreichs das Fernsehen als einzige Informationsquelle benützen (vgl. ebd., S. 23). Andererseits ist das Auswahlprinzip bei den Journalisten zumeist die Suche nach dem Sensationellen und Spektakulären, nicht aber dem für die Rezipienten Wichtigen. „Das Fernsehen verlangt die Dramatisierung, und zwar im doppelten Sinn: Es setzt ein Ereignis in Bilder um, und es übertreibt seine Bedeutung, seinen Stellenwert, seinen dramatischen, tragischen Charakter“ (ebd., S. 25). Besondere Bedeutung bei der Benennung dieser Bilder bekommt dabei das Wort. „Und Benennungen können unheilvolle Verwirrung stiften: Islam, islamisch, islamistisch – ist der Schleier nun islamisch oder islamistisch? Und wenn es sich einfach um ein Tuch handelt, mehr nicht?“ (ebd.,S. 25f). Gerade solche Begriffe aber bringen etwas hervor, schaffen Phantasmen, Ängste, Phobien oder schlicht falsche Vorstellungen (vgl. ebd., S. 26). …

Brigitte Janata & Ruth Stifter: Das Bestreben, die Welt einzufangen Ein Gespräch von Brigitte Janata und Ruth Stifter mit Karl Kontrus

Einleitung: Meine Begeisterung für das Radio reicht weit zurück. Bereits als Vier- bis Fünfjähriger habe ich mit großer Begeisterung Musik im Radio gehört, aber mit noch größerem Enthusiasmus habe ich immer abgeschaltet oder bin weggelaufen, nämlich dann, wenn Frauenstimmen im Sopran sangen. Ich konnte die Verzerrungen der damals noch mangelhaften Technik nicht ertragen. Ich bekam Gänsehaut und rannte aus dem Zimmer bzw. schaltete das Gerät ab. Dieses Erlebnis war quasi die Initialzündung, es besser zu machen — obwohl ich das als Knirps zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußte. Im Grunde hat es in mir das Bestreben hervorgerufen, mit den vorhandenen Mitteln immer höchste Qualität und höchste Verzerrungsfreiheit zu erwirken.

Radio als Erziehungsmittel

Ein weiteres einschneidendes Radio-Erlebnis hatte ich mit dem vielgeliebten Bastelonkel Grissemann, dem Onkel des Sprechers Ernst Grissemann. Ich kann mich noch gut erinnern, daß ich als kleiner Bub eine kleine handbetriebene Pumpe nachgebaut habe und als Achtjähriger immerhin ein wirklich tauchendes Unterseebootmodell — alles nach den kundigen Anleitungen des Bastelonkels Grissemann. Der Bastelonkel war ein akustischer Fixpunkt für mich. Die Sendung lief zur damaligen Zeit einmal pro Woche, meist dann, wenn meine Mutter ihre Großmutter besuchte. Die alte Dame konnte kaum mehr gehen – aber sie hatte einen Detektorempfänger! Ich bekam die Kopfhörer von meiner Mutter aufgesetzt, den Detektorempfänger angeschlossen – und schon gab ich Ruh’. Im übrigen gab es Mitte der 30er Jahre die Zeitschrift „Radio Wien“, in der die Baupläne der Bastelsendung abgedruckt waren. Man konnte die Sachen somit in aller Ruhe dann nachbauen. …

Bettina Brixa & Peter H. Karall: Internet, Ironie und Identität Donna Haraway – eine Notiz

Einleitung: Als 1985 Donna Haraways Aufsatz „A Manifeste for Cyborgs“ in der Socialist Review erschien, mit dem sie schließlich bekannt wurde, hatte die Wissenschaftlerin bereits einen langen Weg hinter sich. Nicht so die Erforschung des Cyberspace. Der Begriff selbst war erst im Jahr davor von dem amerikanischen Autor William Gibson in seinem Roman „Neuromancer“ (1984) geprägt worden und hielt von dort aus auch Einzug in die Wissenschaft.

Der Cyborg in Haraways Artikel hatte jedoch nicht viel mit dieser Form der virtuellen Realität zu tun, die damals noch Science Fiction war. Was allerdings sehr wohl in einer visionären Weise angesprochen wurde, war die weltweite Vernetzung, die damals erst begann, das Auflösen von Grenzen, das die Entwicklungen des „Informationszeitalters“ und der modernen Technologie bewirkten und die mögliche Orientierung des Menschen, der nicht mehr nur Mensch war, sondern Teil eines Systems wurde, in das sehr stark nichtmenschliche Akteure Einzug hielten.

Haraway, die 1944 in Denver, Colorado, geboren wurde, begann ihre Karriere eigentlich als Biologin. Ihr Interesse für die Metaphorik, die in wissenschaftlichen Theorien steckt, für die Geschichte wissenschaftlicher Modelle und deren Zusammenhänge sowie für politische und soziale Implikationen der Forschung (vgl. Haraway, 1998) führten sie bald auf den Weg, der sich heute in vielen Disziplinen verzweigt, die sich auf ihre Arbeiten berufen (vgl. z.B. die Vorlesungen: „Körper, Geschlecht, Ethnologie“, gehalten von Univ. Prof. A. Gingrich und Lektor B. Hadolt im Sommersemester 1999 am Institut für Ethnologie der Universität Wien und „Geschlechterkonzeptionen in den Naturwissenschaften“, gehalten von Dr. W. Ernst im Sommersemester 2000 am Institut für Wirklichkeitsforschung der Technischen Universitär Wien). Als Inhaberin des ersten ausdrücklich für feministische Theorie ausgeschriebenen Lehrstuhls am „History of Consciousness Board“ der University of California, Santa Cruz, seit 1980 war es unmöglich, sich intensiver mit den interdisziplinären Verflechtungen zu beschäftigen, denen ihr Interesse von Anfang an gegolten hatte. …

Eckart Früh: Spuren und Überbleibsel: Bil Spira

Einleitung:

Biographische Notiz

Bil (Wilhelm, Willy) Spira, geboren am 25. Juni 1913 als Sohn des Beamten Hugo S. und seiner Frau Else in Wien. Nach dem Besuch von Volksschule (VI., Sonnenuhrgasse) und Realgymnasium (XV., Diefenbachgasse) Studium (1932—1935) bei Prof. Wilhelm Müller-Hofmann an der Kunstgewerbeschule. Daneben bis zum Februar 1934 zeichnerisch für das Kleine Blatt, karikaturistisch für Arbeiter-Zeitung und Der Jugendliche Arbeiter tätig. Ab 1935 Zeichner und Texter für den Sonntag, die Wochenendbeilage des Wiener Tag, ab 1936 auch Umbruchredakteur und „zeichnender Reporter, mit Jura Soyfer als Texter“ (Spira). Illustrator für die Stunde, Zeichner für die Mittagausgabe. Neben der journalistischen Arbeit Bühnenbildner für die Kleinkunstbühnen ABC im Regenbogen und Literatur am Naschmarkt.

Nach der Okkupation Österreichs vier Wochen in der Volksschule Karajangasse inhaftiert. Ende August 1938 Emigration nach Frankreich, wo er den Namen Freier annimmt. Zeichnet für Le Rive, Die Österreichische Post und den Basler Nebelspalter. Über den weiteren Lebensweg informiert Spiras kurze Selbstdarstellung. „Bekanntschaft mit Schriftstellern: Joseph Roth, Hans Natonek, Walter Mehring, Leonhard Frank, Egon Erwin Kisch. Das Exil bringt die Leut’ zsamm'”. …

Rezensionen 1/2000

Paolo Caneppele & Günter Krenn: Film ist Comics. Wahlverwandtschaften zweier Medien. Die Projektionen des Filmstars Louise Brooks in den Comics von John Striebel bis Guido Crepax. Wien: Filmarchiv Austria 1999
– rezensiert von Silvia Nadjivan

Jörg Helbig: Geschichte des britischen Films. Stuttgart u.a.: Metzler 1999
rezensiert von Matthias Wittmann

Gero Fischer: United We Stand – Divided We Fall. Der britische Bergarbeiterstreik 1984/85. Frankfurt am Main: Campus Verlag 1999
– rezensiert von Carina Sulzer

John Bengtson: Silent Echoes. Discovering Early Hollywood Through the Films of Buster Keaton. Santa Monica, California: Santa Monica Press LLC 2000
– rezensiert von Gerhard Hajicsek

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