Peter Malina: Auf der Suche nach Eduard Pernkopf Bericht über eine bibliographische Recherche

Einleitung: Es ist eine Trivialität, daraufhinzuweisen, daß Information – besser: der Zugang zur und die Nutzung von Information – ein wesentlicher Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit ist. Von der Intensität des Recherchierens hängt wesentlich auch die Güte des Ergebnisses ab. Nach dem herkömmlichen Verständnis ist damit im wissenschaftlichen Bereich zumindest das „Bibliographieren“ gemeint. Dies ist immer noch berechtigt, da in einer extrem auf Schriftliches ausgerichteten Gesellschaft die Suche nach schriftlichen „Dokumenten“ immer noch einen wesentlichen Bestandteil jeder wissenschaftlichen Arbeit bietet. Daran ändert auch nichts, daß mit der Einführung elektronischer Medien ein anderer Informationsträger und eine andere Darbietung der Information immer mehr an Bedeutung gewinnen. Trotzdem: auch wer im InterNet recherchiert, wird mit schriftlichen Texten konfrontiert sein, und das InterNet bietet ihm/ihr heute eine komfortable Möglichkeit, nach schriftlichen Texten zu suchen, also zu „bibliographieren“. Im folgenden soll anhand eines konkreten Beispiels die Fülle der Möglichkeiten gezeigt werden, die sich bei einer inhaltlichen Recherche ergeben. …

Robert Rosner: Der “Vorwärts”-Verlag in der Zeit des Austrofaschismus

Einleitung: Nach dem 12. Februar 1934 beschloß die österreichische Bundesregierung – nach Auflösung der Sozialdemokratischen Partei und aller ihrer angeschlossenen Organisationen den enteigneten „Vorwärts“-Verlag unter einer neuen Verwaltung „als zentralen Presseapparat für die österreichische Arbeiterschaft“ zu führen. Die meisten Publikationen des Verlages – mit Ausnahme der Arbeiterzeitung – erschienen nach einer ganz kurzen Unterbrechung wieder, wobei in Aufmachung und Gestaltung versucht wurde, die Publikationen als Fortsetzung der vor dem 12. Februar erschienenen Zeitungen und Wochenblätter zu präsentieren.

Bundeskanzler Engelbert Dollfuß beabsichtigte offensichtlich, auf diese Weise mit der Arbeiterschaft, die die Sozialdemokratische Partei als ihre Vertreterin betrachtet hatte, in Kontakt zu treten. Da sich Dollfuß darüber im Klaren war, daß es schwer möglich sein würde, die Arbeiterschaft auf seine Seite zu ziehen, sollten die Arbeiter „neutralisiert“ werden. Diese Politik wurde allerdings nicht von allen Gruppierungen, die an der Macht beteiligt waren, mitgetragen; obwohl Vizekanzler Fey die Weiterführung des „Vörwärts“-Verlages ausdrücklich unterstützte (Kleines Volksblatt, 22.2.1934.), wurden auf Seiten der Heimwehr Stimmen laut, die sich gegen die Neupositionierung des „Vorwärts“ aussprachen, und auch die Christliche Arbeiterbewegung gab einer Schließung des Verlages den Vorzug. …

Ingrid Böhler & Michael Kröll & Eva Pfanzelter: Surfen in der Zeitgeschichte ZIS: Das österreichische Zeitgeschichte-Informations-System im Internet

Einleitung:

Vorgeschichte bzw. Zielsetzungen von ZIS

Seit Frühjahr 1995 ist das vom Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr finanziell unterstützte „Zeitgeschichte-Informations- System“ (ZIS) unter der Adresse http://zeitl.uibk. ac.at/ [nicht mehr aktiv, Anm. d. Red. 2015] im Internet zu finden. Die Vorgeschichte dieses Unternehmens reicht allerdings bis in das Jahr 1992 zurück, als der damalige Wissenschaftsminister Erhard Busek angesichts des zunehmenden Rechtsextremismus seine „Unzufriedenheit“ mit der „heimischen Zeitgeschichtsforschung und -lehre“ verlautete. Er kritisierte zudem, daß es in der zeitgeschichtlichen Wissenschaft eine „gewisse Inzucht“ gäbe, und daß sie mit ihren Forschungsergebnissen zu wenig nach außen dränge. Diese Äußerung setzte einen Dialog in Gang, an dessen Ende der 1. Zeitgeschichtetag 1993 in Innsbruck stand. Im Zusammenhang mit den Planungen für diese seit damals im Zweijahresintervall stattfindende Konferenz entstand auch die Idee für ein „Zeitgeschichte-Informations-System“, eines Informationsmediums, das mithelfen sollte, die Disziplin in organisatorischer und kommunikativer Hinsicht besser zu vernetzen und auch deren Wahrnehmung über die nationalen Grenzen hinweg zu steigern (vgl. Botz, 1995, S. 19.). …

Eckart Früh: Klara Blum Biographische Notiz

Einleitung: Geboren am 27. November 1904 als Tochter des Großgrundbesitzers Josef Blum und seiner Frau Cipre geb. Kaner in Czemowitz. Besuch der Schulen ebenda und – nach der Scheidung der Eltern (1913) – in Wien, wo sie 1922 maturierte. Zunächst Hauslehrerin; studierte drauf Psychologie an der Wiener Universität. Erste Veröffentlichungen, Gedichte und Berichte, in der Czernowitzer Ostjüdischen Zeitung. Ging 1929 als überzeugte Zionistin nach Palästina und kehlte enttäuscht nach Österreich zurück. Schloß sich im selben Jahr der SDAPÖ an. Nach dem Bruch mit den Sozialdemokraten Kommunistin, ohne je Parteimitglied zu werden. Beteiligte sich 1933 an einem Preisausschreiben der Internationalen Vereinigung revolutionärer Schriftsteller zum Thema Antifaschismus. Ihre Ballade vom Gehorsam wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Folgte im März 1934 einer Einladung in die Sowjetunion und blieb elf Jahre, lebte und arbeitete dort als Lehrerin, Übersetzerin, Journalistin und Propagandistin.

In Moskau wird eine wechselvolle Lebensgeschichte zum Roman: Sie lernte den chinesischen Theaterregisseur und Journalisten Zhu Xiangcheng kennen; ein „Splitter Glück“ traf sie ganz und gar, es dauerte nur wenige Wochen. Zhu verschwand spurlos, wurde, wie sie später erfuhr, Opfer stalinistischer Säubemngen. Glaubte ihn in China. Versuchte, ihm zu folgen, was von den Behörden verhindert wurde. …

Wolfgang Pensold: Vom Staatskanzler zum Medienkanzler… Drei Dogmen im medienpolitischen Diskurs der SPÖ nach 1945.

Einleitung: 

Konzentration, oder: die Zwänge des Staates

“Am Anfang war das Nichts“, schreibt der sozialistische Journalist Jacques Hannak über die Geburtsstunde der Zweiten Republik: “Als das Dritte Reich im April 1945 in Rauch und Trümmern versank, war der Buchstabe tot, kein Papier, keine Druckerei, kein Hauch von Information, keine Stimme, die sagen hätte können, was uns geschehen war und wie es nun werden sollte. Indem und indes es keine Zeitungen mehr gab, war die menschliche Gesellschaft in Atome zerfallen, lösten sich alle Kontakte, reichten Bindungen und Gemeinschaften kaum noch über die Haustüre hinaus. Höhlenmenschen waren alle wieder geworden, angewiesen auf Gerüchte, Vermutungen, Hoffnungen und Ängste, Phantasieprodukte der Selbstbelügung. In diesen Wochen des Nichtvorhandenseins der Presse spürte man erst ihre ungeheure soziale Bedeutung und Mission” (Hannak, 1963, S. 327).

Kriegsende, Zusammenbruch des Hitlerstaates, Stunde Null, wie man künftig sagen wird. Das Land liegt darnieder, es herrscht quälende Ungewißheit darüber, was nun kommen wird. Die wiedererscheinenden Zeitungen – die erste ist das sowjetische Besatzerblatt Österreichische Zeitung – finden reißenden Absatz, nicht zuletzt, weil es sonst kaum etwas zu kaufen gibt. Als erste österreichische Zeitung erscheint am 23. April 1945 das Neue Österreich unter Mitarbeit von Redakteuren aus den „drei demokratischen Parteien“ SPÖ, ÖVP und KPÖ. Zum Chefredakteur wird der aus Moskau zurückgekehrte Kommunist Ernst Fischer bestellt, der bereits vor dem Krieg Redakteur der Arbeiter-Zeitung gewesen ist; eine Bestellung, die wohl als Demutsgeste vor der sowjetischen Besatzungsmacht gelesen werden kann. …

Christian Dickinger: “Zampano tritt auf” Bruno Kreisky und die Medien: eine Spurensuche

Einleitung:

“Kommunikationsprobleme…” – Große Koalition und Alleinregierung Klaus

Die Niederlage der Sozialisten bei den Nationalratswahlen vom 6. März 1966, welche der ÖVP unter Josef Klaus (geb. 1910) mit 48,35% der Stimmen eine absolute Mehrheit an Mandaten brachte, führte nach einem längeren innerparteilichen Diskussionsprozeß dazu, daß Bruno Kreisky am 1. Februar 1967 entgegen den Intentionen des Parteiestablishments in einer „verdeckten Kampfabstimmung“ zum SPÖ- Vorsitzenden gewählt wurde. Der überaus einflußreiche Zweite Nationalratspräsident Karl Waldbrunner (1906–1980), der selbst als Kandidat im Gespräch war, aufgrund seines Gesundheitszustandes jedoch nicht mehr zur Verfügung stand, war damals gegen Kreisky, weil dieser sich zu sehr „von Stimmungen tragen lassen würde“ und sich in einzelnen Fragen „dem Einfluß der Medien allzu stark aussetzen könnte“ (Fischer, 1993, S. 38). Wesentlich heftiger fiel die Kritik am Kandidaten Kreisky seitens Anton Benyas (geb. 1912) aus, der sich in starken Worten über die um sich greifende Tendenz erregte, Politik über die Medien zu machen bzw. interne Auseinandersetzungen über unabhängige Zeitungen austragen zu wollen. …

Hugo Portisch: Über das “Rundfunk-Volksbegehren” protokolliert von Sylvia Patzer

Einleitung: …1963 waren die beiden Koalitionsparteien schon fast im 20. Jahr ihrer Regentschaft und haben ein neues Koalitionsabkommen geschlossen. Bei diesem Koalitionsabkommen haben sie auch einen Geheimpakt vereinbart. In diesem Geheimpakt stand: „Und jetzt hören wir auf zu streiten um Rundfunk und um Fernsehen“, – denn 1963 war das Fernsehen natürlich schon ein erkanntes meinungsbildendes Medium – „Wir werden uns einfach die Kontrollen über diesen Rundfunk teilen“. Denn damals war es so: Der Hörfunk war schwarz, das Fernsehen war rot. Das Fernsehen bekam mit der Zeit Übergewicht und die beiden Parteien haben sich da gegenseitig blockiert. Die haben das Geld nicht hergegeben, weder für das eine noch für das andere Instrument. Jetzt wollten sie das also bereinigen: „Wir machen ein Kontrollabkommen über den Rundfunk und zwar als Sideletter sozusagen zu dem Koalitionspakt und das wird nicht veröffentlicht“. Also ein geheimes Abkommen, das besagte, alle Positionen im Hörfunk und im Fernsehen werden in jeder Abteilung parteipolitisch besetzt, das heißt, wenn ,rot‘ der Chef ist, dann ist ,schwarz‘ der Stellvertreter, wo ,schwarz‘ der Chef ist, ist ,rot‘ der Stellvertreter und so können wir uns gegenseitig kontrollieren. …

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Thomas Steinmaurer: Visionen der Television Vorstufen der Fernsehentwicklung

Einleitung: Geschichten zum Medium Fernsehen existieren unzählige. Die Geschichte seiner Entstehung, die ersten Spuren und weiteren Verzweigungen seiner Entwicklung als mediale Form, denen hier nachgegangen werden soll, ist von vielfältigen Einflüssen geprägt, die sich aus dem medialen und gesellschaftlichen Entstehungszusammenhang erklären. Es soll im folgenden versucht werden, Spuren und Entwicklungslinien nachzuzeichnen, die Vorstufen zu jenem televisuellen Dispositiv (Der Begriff des medialen Dispositivs wurde vorwiegend aus der medienwissenschaftlichen Literaturwissenschaft eingebracht, und verweist insbesondere auf die in einem Medium eingeschriebenen Sedimente gesellschaftlicher Machtverhältnisse, die sowohl Aspekte der Ästhetik wie der Technik, der Rezeption und der Produktion in einem umfassenden Sinn reflektieren. Vgl. dazu etwa Knut Hickethier: Dispositiv Fernsehen. Skizze eines Modells. In: montage/AV, 4/1/1995, S. 63-83.) darstellten, wie wir es heute kennen: Eine mediale Form, die zu einem gesellschaftlichen Leitmedium wurde und in nahezu jedem Haushalt seinen festen Ort gefunden hat und uns auch im öffentlichen Raum oder in den Reisevehikeln in einem immer dichter werdenden Netz begleitet.

Besonders interessant scheinen mir in diesem Zusammenhang zwei Aspekte zu sein. Zum einen gilt es jene Charakteristika festzumachen, die für die Rezeptionsform Fernsehen, für die Architektur der Situation des Zuschauens – etwa im Unterschied zur Rezeptionssituation des Kinos – bis zum Abschluß der ersten Innovationsphase (Ende des Zweiten Weltkriegs) als typisch gelten können. Welche apparativen Varianten entwickelten sich im Spannungfeld der Nachbarmedien Kino, Büdtelegrafie und Radio, welche Empfangs- und Empfängerkonzepte entstanden im Prozeß seiner soziotechnischen Genese? Welche unterschiedlichen Phasen durchschritt das damals neue Medium Fernsehen bis es zu einem medial eigenständigen Dispositiv wurde, und welche Chrarakteristika kennzeichnen diese technische und kulturelle Form. Zum anderen gilt es jenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Aufmerksamkeit zu schenken, die als Einflußgrößen in einem soziotechnischen Entwicklungssystem wirksam wurden. In diesem Zusammenhang ist insbesondere das Konzept der „mobilen Privatisierung“, das der britische Kultur- und Medienwissenschafter Raymond Williams entwickelte, besonders hervorzuheben (vgl. Raymond Williams: Television. Technology and Cultural Form. New York 1975). Doch begonnen werden soll vorerst mit einen Blick zurück in die Frühgeschichte des Fernsehens, in eine Zeit, die reich war an Visionen und Tele-Visionen zu einem Medium, wie sie in den Erfinder-Köpfen der Science Fiction-Autoren oder auf den Reißbrettern der Ingenieure und Technik-Entwickler entstanden. …

Edith Dörfler & Wolfgang Pensold: Der Zauberspiegel der Nation Zur Etablierung des Fernsehens in Österreich

Einleitung: Nach jahrelanger Vorbereitung in der Abgeschiedenheit diverser Versuchslabors gibt der österreichische Rundfunk Anfang 1955 bekannt, daß mit dem Beginn eines regulären Femsehbetriebs zu Weihnachten 1956 gerechnet werden könne. Man verspricht ab dann ein mit 20 Wochenstunden relativ hoch veranschlagtes Programm zu bieten, bis dahin sende man ein „Versuchsprogramm“, heißt es. Darüber hinaus hält man sich eher bedeckt. Seitens der österreichischen Filmwirtschaft wird kritisiert, daß es keinerlei klare Stellungnahmen zur Zukunft des österreichischen Fernsehens gibt, geschweige denn zu Folgeproblemen, wie sie das Fernsehen aufwerfen werde (Österreichische Film- und Kino-Zeitung, 1955, Nr. 449, S. 1.). Eine wichtige Ursache dafür vermutet man in der zersplitterten Kompetenzverteilung: für die technischen Fragen ist das Verkehrsministerium (beziehungsweise die Post und Telegrafenverwaltung) zuständig, für das Programm das Unterrichtsministerium und für die Beschaffung von Filmen und Femsehkonserven das Handelsministerium. Die Frage der Finanzierung der modernen Studioeinrichtung, der Programmproduktion, aber auch der vielen noch zu bauenden Senderrelaisstationen, die im gebirgigen Österreich unverzichtbar sind, harrt noch ihrer Beantwortung. Bekannt ist lediglich, daß 50 Millionen Schilling aus dem Budget bereitgestellt werden sollen, man fragt sich aber, wer die in weiterer Folge anfallenden Programmkosten von geschätzten 1.800 Schilling pro Minute bezahlen wird. Der Teilnehmer falle als Finanzier bis auf weiteres aus, wird argumentiert; nicht nur hohe Gerätepreise von 6.000 bis 8.000 Schilling, auch die zu erwartenden Femsehgebühren, die laut Fachleuten weit höher sein würden als angenommen, sprechen gegen eine rasche Verbreitung des Fernsehens in Österreich. Andererseits habe man in anderen Ländern mit reinem Reklamefernsehen, das eines entwickelten, auf Konsum basierenden Wirtschaftssektors bedarf, schlechte Erfahrungen gemacht, sodaß auch diese Option im nach wie vor ärmlichen Österreich nicht allzu vielversprechend sei. Man verwehrt sich jedenfalls strikt dagegen, daß die der Lichtspielbranche herausgepreßten Steuermittel dafür verwendet würden, das Fernsehen zu finanzieren und mit ihm eine Konkurrenz heranzuziehen (Österreichische Film- und Kino-Zeitung, 1955, Nr. 442, S. 1.). …