Florian Kalbeck: Zur Dramaturgie des Fernsehspiels Vortrag aus dem Jahr 1963

Einleitung: Das Femsehspiel als dramatische Gattung hat zwei nahe Verwandte, das Theaterstück und den Kinofilm. Wodurch unterscheidet es sich von ihnen? Und zwar wesentlich.

Nun muß man wissen: gerade das künstlerisch Wesentliche geht in der täglichen Praxis fast immer unter. Theaterstücke werden in Fernseh-Bearbeitungen produziert, als wären sie Fernsehspiele, Theateraufführungen im Fernsehen übertragen. Immerhin fällt hier die Unterscheidung zwischen dem authentischen Fernsehspiel und dem, was ursprünglich für ein anderes Medium, nämlich das Theater, geschrieben wurde, noch verhältnismäßig leicht. Aber es werden auch Kinofilme übertragen: sie nehmen sogar einen sehr beträchtlichen Teil der Sendezeit in Anspruch. Die wenigsten Zuschauer können hier einen wesentlichen Unterschied erkennen. Davon abgesehen ist die Entwicklung in der künstlerischen Produktion des Fernsehens selbst darauf aus, diesen Unterschied zu verwischen. Die Femsehspiele werden immer filmischer. …

Peter A. Schauer: “Österreich ist nicht Amerika” Einige persönliche Fernseherinnerungen

Einleitung: Das Wunder des Fernsehens hat mich schon als Kind außerordentlich fasziniert. Es war im Frühjahr 1936 als ich mit meinen Eltern einen Bekannten besuchte, welcher sich in einem Kellerlokal ein Versuchslaboratorium eingerichtet hatte. Dort traf er sich mit anderen Radiobastlern, welche er beim alten Arbeiter-Radiobund kennengelemt hatte, zum gemeinsamen Hobby. Der Arbeiter-Radiobund war in der Zwischenkriegszeit eine Vorfeldorganisation der Sozialdemokratischen Partei. Der Organisator Franz Rossak vertrat die Meinung, daß man durch Pflege gemeinsamer Hobbies leichter an die Menschen herankommen könne als über Politik. So gab es Arbeiter-Fischer, Arbeiter-Photographen, Arbeiter-Filmer, Arbeiter-Sänger, usw. Der Arbeiter-Radiobund war eine der wichtigsten Gruppen. Bis 1934 war der Treffpunkt in einem Kellerlokal am Margaretengürtel beim Eisenbahnerheim. Die Mitglieder, die bisher viel Geld für ihr Hobby ausgeben mußten, konnten hier durch Sammelbestellungen von Bestandteilen viel Geld sparen. Der Arbeiter-Radiobund war eine der Teilorganisationen, welche der Partei kein Geld kosteten, sondern über die Mitgliedsbeiträge noch Geld brachte. …

Peer Heinelt: PR als Dienst an der “Volksgemeinschaft” Biographische Untersuchungen zur Geschichte einer Kommunikationsdisziplin

Einleitung:

Public Relations in Deutschland

“Genaugenommen ist Castor nur ein anderes Wort für Vertrauen” (Stern, 15/98), läßt uns die Atomindustrie in großformatigen Anzeigen wissen. Wie das zu verstehen ist, erklärt der “Informationskreis Kernenergie” mit Sitz in Bonn anschließend kurz und prägnant: “Streit gehört zur Demokratie. Auch und gerade, wenn es um die Kernenergie geht. Doch zum Glück gibt es einige Dinge, auf die wir auch in Zukunft vertrauen können. Zum Beispiel das Recht, friedlich zu demonstrieren. Oder deutlich seine Meinung zu sagen. Und nicht zuletzt die Sicherheit der Castor-Behälter.” (ebd.)

Hier liegt keine klassische Werbung vor; niemand wird aufgefordert, ein bestimmtes Produkt zu kaufen oder eine bestimmte Dienstleistung in Anspruch zu nehmen – im Gegenteil: Es wird für ein immaterielles Gut bzw. einen psychischen Zustand geworben; das Vertrauen in etwas oder zu jemandem, wobei es sich in diesem Fall um das Vertrauen der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit in die Leistungen der Atomindustrie (Castor) und ihr Vertrauen auf die Sicherung der Grundrechte durch den bürgerlich-demokratischen Staat handelt. …

Markus Frey: Die neue Rechte und ihre Publizistik Die "Junge Freiheit" und andere Zeitschriften in der BRD und Österreich als Transporteur "neurechter" Ideologie

Einleitung:

Ausgangsüberlegungen und Begriffsbestimmungen

Die Neue Rechte kann in einer ersten – groben – Begriffsbestimmung als soziale Bewegung, die sich strategisch zwischen Rechtsextremismus und Konservativismus plaziert, die um harmloses Auftreten bemüht ist und an die unterschiedlichen diskursiven (politischen) Spektren anknüpfen will, Umrissen werden. Wichtigster Vermittlungsträger für die Kommunikation dieser politischen Strömung sind verschiedene Zeitschriften, die trotz scheinbar unterschiedlicher Aufmachung und Ausrichtung ein publizistisches Netzwerk mit hohem strategischen Zusammenhang bilden. Will man dieses Netzwerk sowie den medialen „Ideologietransport“ dieser Publikationen untersuchen – letzteres geschieht im Rahmen dieses Aufsatzes vor allem anhand des Fallbeispiels „Junge Freiheit“ –, so ist zunächst die theoretische Beschreibung von Ideologie und Strategie der Neuen Rechten unumgänglich.

Ebenso ist eine Definition vor allem des Begriffs „Neue Rechte“ notwendig; da diese politische Bewegung in der politikwissenschaftlichen Analyse häufig als eine geistige Strömung zwischen Rechtsextremismus und Konservativismus – mit jeweils fließenden Übergängen – beschrieben wird, müssen auch diese beiden Termini in einem für diese Arbeit sinnvollen Kontext definiert werden: Rechtsextremismus kann als Sammelbezeichnung für antidemokratische Auffassungen und Bestrebungen mit traditionell politisch rechts einzuordnenden Ideologieelementen verstanden werden, wozu im Kern Nationalismus, Autoritarismus, Antipluralismus und die Ideologie der Ungleichheit gehören. …

Christian Bremen: Oscar von Forckenbeck Leben und Werk des Zeitungssammlers und Museumsgründers

Einleitung: Das Internationale Zeitungsmuseum der Stadt Aachen liegt unweit von Rathaus und Dom in der Pontstraße 13. Das nahezu einzige im Zweiten Weltkrieg unzerstörte mittelalterliche Bürgerhaus im Aachener Stadtkern bewahrt seit 1931 die größte exemplarische Zeitungssammlung der Welt auf. Als offizielles Gründungsdatum gilt aber das Jahr 1886, als Oscar von Forckenbeck seine Sammlung zum ersten Mal der Öffentlichkeit im Suermondt Museum zu Aachen vorstellte. Sein Todestag, der 29. Juli, jährte sich 1998 zum hundertsten Mal und gab Anlaß, Leben, Werk und Nachwirken des größten deutschen Zeitungssammlers im 19. Jahrhundert zu erforschen und die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit durch eine Wanderausstellung zu präsentieren. …

Christoph Steiner: Global image – global village Outlines of Imagology as communication

Einleitung: Ern(e)st Dichter wurde am 14. August 1907 als Sohn polnischer Einwanderer in Wien geboren. Nach seinem Studium bei Charlotte und Karl Bühler arbeitete er als privatwirtschaftlicher Berufsberater sowie als Interviewer für das „Institut für Wirtschaftspsychologie“, das von Paul F. Lazarsfeld und Marie Jahoda geleitet wurde.

1936 emigrierte Dichter aus Österreich, zunächst nach Paris, dann nach den USA. Am Anfang seiner Karriere stand eine Arbeit für den Chrysler-Konzern. Dichter widerlegte eine Studie, wonach nur Männer die Entscheidung für einen Autokauf tragen. Chrysler folgte seiner Empfehlung und landete nach Inseraten in Frauenzeitschriften einen großen Verkaufserfolg. Arbeiten für die Rundfunkstation CBS förderten seinen weiteren Lebensweg. Er beschäftigte sich mit Anti-Nazi-Propaganda, er experimentierte mit Fernsehprogrammen und analysierte Reaktionen auf die Atombombe. Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machte er sich selbständig. Er gründete in New York das „Institute for Motivational Researche“ mit späteren Zweigstellen in Frankfurt am Main und Zürich. Dieses Forschungsinstitut leitete er bis zu seinem Tod am 21. November 1991. …

Eszter Bokor: Wilmont Haacke und das (jüdische) Feuilleton

Einleitung: In seiner ersten, während des NS Regimes entstandenen Arbeit mit dem Titel „Das Jüdische Feuilleton“ entwickelt Haacke die These, daß das Feuilleton einer „deutschblütigen Tradition“ (Haacke: Das Jüdische Feuilleton. In: Handbuch der Zeitungswissenschaft, S. 2072) entstammt und von jüdischen Autoren zur Erweiterung ihres Einflusses mißbraucht und schließlich von eben diesen zugrunde gerichtet wurde.

Um diese These zu untermauern, zeigt er den hohen Anteil von jüdischen oder jüdisch-stämmigen Feuilletonisten und versucht, seine Leser von dem schädlichen Einfluß dieser zu überzeugen. Er spricht wörtlich von der „jüdischen Schuld an dem immer schlechteren Beigeschmack, den Wort und Begriff Feuilleton bekommen haben“ (ebd. S. 2055). Seiner Meinung nach brachten Juden einen „bösartigen, giftigen Nihilismus“, „parodierende Frechheit“, „jüdischen Erotismus und Sensationalismus“, „Salonbolschewismus“, und „Internationalismus“ ins Feuilleton und nützten diese Sparte, um diese schädlichen „jüdischen Werte“ weiter zu verbreiten.

Für ihn ist das jüdisch geprägte Feuilleton ein Mittel zur Untergrabung der traditionellen „deutschen“ Werte, er spricht von der systematischen Herabwürdigung sämtlicher Erscheinungen der österreichischen Öffentlichkeit und von einem „intellektualistischen Zerpflücken aller Werte“. Seine Haßtirade gipfelt in der Aussage über den „Kreis jüdischer Wiener Literaten und Journalisten, die längst vor dem Weltkrieg die innere Zersetzungsarbeit begonnen hatten“ (ebd. S. 2063 ff.). …