Rudolf Jerábek: Quellen zur Medien- und Kommunikationsgeschichte im Österreichischen Staatsarchiv/Archiv der Republik

Einleitung: Nach der Schaffung des AdR als „neue“ und einzige „lebende“ (also mit regelmässigen Zugängen bedachte) Abteilung wurden darin aus den „alten“, schon vorher bestandenen Abteilungen die seit dem Ende der Monarchie 1918 erzeugten Archivalien konzentriert. Bei der Durchführung dieses Prinzipes konnten Überschneidungen nicht vermieden werden. Die materienbezogene „Signaturenlegung“ der alten Ministerialregistraturen brachte es mit sich, daß in zwei Ministerien Akten eng verwandten Inhalts zu organisch geschlossenen „Signaturen“ (= Aktenzeichen), den Zeitraum 1848 bis 1938/39 umspannend, zusammengefaßt worden waren. In jedem Ministerium gibt es hunderte derartiger Signaturen. Die durch diese Signaturen erzeugten Konvolute können für den Zeitraum 1848-1938/39 wenige Millimeter stark sein, aber auch Dutzende Kartons umfassen. Für das gegenständliche Thema nicht ohne Bedeutung ist es daher, daß sich die Akten des Bundesministeriums für Justiz und jenes für Unterricht geschlossen von 1848 bis zur Liquidierung um 1939 im Allgemeinen Verwaltungsarchiv (AVA) und nicht im AdR befinden. Derartige Überschneidungen gibt es auch in die andere Richtung, wie bei den Akten der k.k.Ministerien für soziale Fürsorge und für Volksgesundheit, die zwar 1917 von Kaiser Karl gegründet wurden, deren Akten aber mit jenen des „republikanischen“ Sozialministeriums geschlossen im AdR aufbewahrt werden…

Dieser Beitrag wurde vornehmlich aus der Sichtweise des Archivs der Republik (AdR)1 geschrieben, doch werden die in den anderen Abteilungen des Österreichischen Staatsarchivs (ÖStA) vorhandenen themenrelevanten Quellen berücksichtigt.

Christa Mehany-Mitterrutzner: Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) Entwicklung – Projekte – Bestände im Überblick

Einleitung:

“Besonders wichtig war aber, daß wir hier im Haus auf das, andere Österreich’ treffen konnten, auf jene Menschen, die alle ihre Erfahrungen mit dem Faschismus gemacht hatten und dabei auf der Seite der Opfer gestanden waren. Mit ihnen wurde für uns eine Perspektive auf die österreichische Geschichte unseres Jahrhunderts möglich, die weder Elternhaus noch Schule uns geboten hatten.”
Helmut Konrad, Rektor der Karl-Franzens-Universität Graz,
anläßlich der DÖW-Jahresversammlung 1997

Dokumentation des „anderen Österreich“ – oder,,Dokumentationsarchiv eines in Wirklichkeit doch niemals existent gewesenen österreichischen Widerstandes“?’ Am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) scheiden sich seit dessen Anfängen die (politischen) Geister. Schon die Gründung im Jahr 1963 durch ehemalige Widerstandskämpferinnen und Verfolgte des NS-Regimes gemeinsam mit einigen Wissenschaftlern war ein Akt der Selbstbehauptung: Die offensive Propagierung der „Opfertheorie“ durch das offizielle Österreich (vor allem nach außen) und die – mit Hinweis auf die politische Stabilität – vehemente Einforderung (nach innen), Vergangenes vergangen sein zu lassen, hatten den antifaschistischen Grundkonsens der unmittelbaren Nachkriegszeit bald abgelöst. NS-Opfer, die sich nicht in die Parteien integrieren konnten/ wollten, blieben politisch einflußlos und galten bestenfalls als unliebsame Zeuginnen jener Vergangenheit, die verdrängt werden sollte; Angriffe und Diffamierungen („Verräter“, „Feiglinge“ etc.) waren in einem innenpolitischen Klima, das von der Mehrheit – also den ehemaligen NS-Anhängern und -Mitläufern – bestimmt wurde, eher Regel als Ausnahme. Diese Grundhaltung machte sich auch gegenüber einer Einrichtung wie dem DÖW bemerkbar, das Widerstand und Verfolgung und damit auch deren Kehrseite, die massive Beteiligung von Österreichern an den NS-Verbre- chen, dokumentierte. Es sollte bis zum Jahr 1991 dauern, daß ein österreichischer Bundeskanzler offiziell daran erinnerte, daß nicht nur hunderttausende Menschen unseres Landes Opfer der NS-Diktatur wurden, sondern auch „viele Österreicher […] an den Unterdrückungsmaßnahmen und Verfolgungen des Dritten Reiches beteiligt“ waren…

Elisabeth Lebensaft: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation Ein Werkstattbericht

Einleitung: Als die Österreichische Akademie der Wissenschaften am 25. Oktober 1946 die „Kommission für die Ausarbeitung eines österreichischen biographischen Lexikons” gründete,1 war diese lediglich dazu bestimmt, ein vierbän- diges „Kurzlexikon”,2 das „Österreichische Biographische Lexikon 1815-1950” (ÖBL), vorzubereiten und herauszugeben. Inzwischen ist das ÖBL auf zehn umfangreiche Bände angewachsen (der elfte ist in Vorbereitung), und es kann, bei aller Bescheidenheit, in Nachfolge des „Wurzbach“ (der es allerdings zu 60 Bänden gebracht hat),3 nicht nur als eines der wichtigsten biographisch-historischen Nachschlagewerke für Zentral- und Südosteuropa bezeichnet werden, sondern hat sicherlich auch für die sogenannten Nachfolgestaaten der Österreichisch-ungarischen Monarchie, die zum Großteil erst in den letzten Jahren mit vergleichbaren nationalen Großunternehmen begonnen haben, eine Art Vorreiterrolle übernommen.

Begleitet wurde und wird die Arbeit am Lexikon von einer intensiven und sehr ertragreichen Materialsuche. Deren Ergebnis ist ein umfangreicher, über das bei Beginn der Arbeiten vorhanden gewesene (Zettel)material4 weit hinausgehender und ständig anwachsender biographischer Datenbestand, dessen Verwaltung die Kommission vor neue Aufgaben stellte. Dem geänderten und erweiterten Arbeitsauftrag wurde 1994 durch die Umwandlung in ein Akademieinstitut auch nach außen hin Rechnung getragen – dem Institut “Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation” (ein zugegeben etwas sperriger Name)…

Eckart Früh: Kürzel und Pseudonyme in diversen deutschsprachigen Tageszeitungen und Zeitschriften vor (und nach) 1945

Einleitung: Da es aus der Zeit vor 1945 in Österreich anscheinend keine internen Redaktionsarchive mehr gibt, die eine zweifelsfreie Zuordnung ermöglichten, läßt sich die Frage, wer einen bestimmten Zeitungsbeitrag verfaßt hat, heute häufig nicht mehr beantworten. Hier Abhilfe zu schaffen, vermag die vorliegende Arbeit nicht; dennoch erfüllt es, so ist zu hoffen, einen begrenzten Zweck, stellt jedenfalls einen Anfang dar, der zur Fortsetzung anhält.

Was hier gesammelt ist, ergab sich wie von selbst bei zahlreichen Gängen durch den alten Blätterwald: Eine Liste von Initialen – in geringerer Zahl auch von Pseudonymen -, wie sie bei Journalisten, Schriftstellern oder Politikern seinerzeit in Gebrauch waren. Pseudonyme, die allgemein verwendet werden, etwa Egon Friedell (für Egon Friedmann), Emst Lothar (für Emst Lothar Schmidt), Alexander Roda Roda (für Alexander Rosenfeld) oder Felix Salten (für Siegmund Salzmann), wurden nicht aufgenommen, während entsprechende Kürzel (z.B. f.s. für Felix Salten) ebenso zu berücksichtigen waren wie Personen (z.B. Alfred Weintraub und Robert Pollak), die ihre Namen amtlich ändern ließen, um fortan (in den genannten Fällen nach 1933) unter den neuen (Alfred Werner und Robert Plank) zu veröffentlichen…