Herbert Arlt: Kunst und internationale Verständigung

Einleitung: Nach den Umbrüchen der 80er Jahre schien es, als ob Kameralistik (vgl. zum Begriff Arlt, 1993) und Gewaltstrukturen in regionalen lind internationalen Beziehungen als nicht zukunftsfähig in den Hintergrund der gegenwärtigen Prozesse gedrängt würden und an die Stelle von Konfrontationsstrukturen Versuche eines freien Austausches nach außen und nach innen treten würden. Kunst, von der es bis in den 80er Jahren schien, daß sie eine Art von gesellschaftlicher Dekoration sei (zum Beispiel in der Kirche oder in der Französischen Revolution im Jahre 1789) oder ein Spielfeld einer kleinen Gruppe in der Gesellschaft oder ein nicht macht fähiger Widerpart der Staatsgewalt oder bloße Unterhaltung oder eine andere Art von Propaganda, schien ebenso neue Möglichkeiten zu erhalten wie alle Formen, die (mit unterschiedlichen Funktionen und Möglichkeiten) sich anboten, reale Konflikte über Phantasie und Vorstellungsbildungen – und nicht mit Gewalt – auszutragen.

In den letzten fünf Jahren machte ich eine Reihe von Studien (eine Studie “Massenkommunikation – Bregenz – Literatur” wurde auch im Rahmen der Zeitschrift medien & zeit vorgestellt (4/1992). Ich versuchte einige Aspekte der Prozesse zu analysieren, die in der früheren DDR4, in der früheren Sowjetunion, in den USA, in Österreich, in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich und im früheren Jugoslawien gesellschaftlich relevant wurden. Einige Ergebnisse dieser Studien, die ich auch in Form von Lehrveranstaltungen an verschiedenen Universitäten vorstellte, versuche ich nun in Vorbereitung der internationalen Konferenz „Art and International Understanding“, die ich in Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum für Konfliktforschung und der UNESCO vom 18. bis 20.9.1994 organisiere und die in Schlaining (Burgcnland/Österrcich) stattfinden wird, in Thesenform vorzustellen.

Evelyn Adunka: “Wenn man ein genuiner Autor ist, dann ist es unmöglich, auf seine Autorenschaft zu verzichten” Ein Gespräch mit Gertrud Fussenegger

Einleitung:

Adunka: Wie ist Ihre Erinnerung an Ihre jüdischen Jugendfreunde, wie intensiv war der Kontakt mit ihnen, wieviel wußten Sie von ihrem Hintergrund?
Fussenegger: In Pilsen freundete ich mich mit einer jüdischen Klassenkameradin, Trude Löffler, an. Wir besuchten einander sehr häufig, gingen zusammen spazieren, manchmal hat sie sogar bei mir übernachtet. Auch in den Ferien war sie etliche Wochen bei mir und unsere Freundschaft hat sich immer mehr verdichtet. Sie war sehr klug, war mir anhänglich und verschwiegen. Ohne Scheu konnte ich ihr alles erzählen, jeden jugendlichen Blödsinn. Trude war schon damals Zionistin, war beim „Blau-Weiß“ und glühend erfüllt von dessen Ideen. Ich habe sie beinahe beneidet um diese Zielsetzung, um ihre Begeisterung dafür, wäre gern mit ihr zu den Versammlungen des „Blau-Weiß“ gegangen und sie hätte mich auch mitgenommen. Aber meine Großmutter verbot es mir und sagte: „Da gehörst du nicht hin.“ Ich weiß nicht, was Trude so früh für den Zionismus eingenommen hat, denn ihr Elternhaus war es nicht. Eine Zeitlang bildete ich mir ein, cs sei mein Einfluß gewesen. Um mich war doch eine Aura von einer gewissen Freiheit und Offenheit für Ideen.

Adunka: In Ihrer Autobiographie schrieben Sie auch, daß Sie ideologiesüchtig waren.
Fussenegger: Richtig, das lag wohl in meiner Natur. Als Kind war ich sehr fromm und ganz erfüllt von dem, was mir da von striktem, strengem Katholizismus vermittelt wurde. Mit 16, 17 kam ich mit dem Marxismus in Berührung und war tief beeindruckt. Wir jungen Leute haben darüber diskutiert, wie die Gleichheit unter den Menschen herzustellen sei. Bis wir begriffen, daß ein solcher Grad von Gleichheit, wie wir ihn erträumten, nur durch strengste Überwachung durchgeführt werden kann. Da mußten wir uns sagen: Die vollkommene Gleichheit führt zu vollkommener Sklaverei. Damit erledigte sich diese Ideologie und dann kam ich zu Nietzsche.

Adunka: Und dann zum Nationalsozialismus.
Fussenegger: Das war später, 1933/34. Der Nationalsozialismus präsentierte sich zuerst als eine Bewegung, die versprach, Nationales und Soziales miteinander zu verbinden, zu versöhnen.

Adunka: Aber Sie sagten soeben, der Sozialismus sei für Sie erledigt gewesen. …

Kevin G. Barnhurst: Photography as Culture Reconsidering the History of Photojournalism

Einleitung: Uncertainly about the future has inf luenced the writing – or lack of writing – about photojournalism history. When Life and other picture magazines closed, the future of photojournalism seemed in doubt in the early 1970s (Schuneman, 1972). These fears largely dissipated by the 1980s. Life had reappeared, USA Today placed visual concerns at the center of journalism, and the image of tlie photojournalism such as the character Animal in the television series Lou Grant, seemed firmly established in the popular imagination. By the end of the decade, photojournalism courses were being taught at 83 percent of the schools of journalism and mass communication in one survey (Heller 1991), but the field faced other challenges. Editors predicted that charts and graphs would soon overtake pictures in newspapers (Terrell 1989). Digital picture editing and video still cameras seem to threaten the ethics and even the survival of the profession once defined in the character Jimmy Olsen in Superman.

Despite (or perhaps because of) these uncertainties, photojournalism history has received increased attention in the past several years. After curating an exhibition at the International Museum of Photography in Rochester, N.Y., Marianne Fulton edited a survey history of photojournalism for the George Eastman House in 1988. Time magazine issued a special edition, “One- Hundred Fifty Years of Photojournalism,” in 1989. Another history, written by Richard Lacayo and George Russell, both editors at Time, appeared in 1990. These publications arrived almost forty years after Wilson Hicks (1952) wrote his seminal essay and more than two decades after John Szarkowski (1973) organized From the Picture Press for the Museum of Modern Art in New York.

The time is ripe for a reassessment of the history of photojournalism. The continuing uncertainty about the field and the increased attention it receives present an opportunity to rethink the ways photography contributes to the promotion of journalism in popular culture (Schwartz 1992). The nexus of photography and journalism illustrates the tension between aesthetic art and imagery as politics. Photojournalism history, regardless of the future of practice, can provide insight into the larger issues of pictures in culture. This essay will begin with an evaluation of the role of pictures in culture before proceeding to an examination of the origins of photography and f inally to a reassessment of the particular set of ideas and practices commonly referred to as photojournalism. …

Klaus Siebenhaar: Lob des Eklektizismus oder: Von der Unmöglichkeit "einer" Theorie des Kulturmanagements. Notizen

Einleitung: Es war in Hamburg, im Monal Januar des Jahres 1993. Vor einem gut gefüllten Auditorium sollte sich die Geburtsstunde der Theorie des Kulturmanagements aus dem Geist der reinen Wissenschaft vollziehen. Gnadenlos exekutierte ein deutscher Didaktik-Professor anhand der Luhmannschen Systemtheorie seine Monadologie des Kulturmanagements. Kulturmanagement denaturierte zu einer Profession, „die mit der Organisation in- frastruktureller Bedingungen der Möglichkeit kultureller Prozesse befaßt ist, insofern diese Prozesse gesellschaftliche Prozesse sind“. Zugute kam dem Referenten bei seinem Kreuzzug gegen „Volkshochschulniveau“ und Kulturfeuilletonismus eine doppelte Inkompetenz: Weder trübte künstlerisch-kultureller noch Management- Sachverstand seine in geliehener Terminologie vorgetragenen Ausführungen. Denn es ging doch einzig um Einschüchterung qua Unverständlichkeit unter konsequenter Austreibung sinnlich-ästhetischen Denkens, und die zunehmend ratlose Hörerschaft schien ihn in seiner selbstgenügsam-bizarren Predigt zu bestätigen. Am Ende hatte sich ein vermeintlicher Fachvertreter auf Kosten aller befriedigt – die Disziplin aber, die er vorgab zu vertreten, war längst im Orkus hohler Phraseologie verschwunden. …

Wolfgang Duchkowitsch: “Das Getrennte sichten, um das Gemeinsame zu entwerfen” Notizen zum Buch "Kultur und Politik im 'Sonntag'" von Verena Blaum. Notizen

Einleitung: Es gibt wissenschaftliche Bücher, die haben Esprit, die strömen Kraft aus. Andere langweilen trotz sorgfältiger Forschungsplanung und -durchführung. Die 1992 vorgelegte Untersuchung des SONNTAGS, der Wochenzeitung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, gehört zur ersten Kategorie: Problemstellung, Erkenntnisinteresse und methodologische Überlegungen überzeugen ebenso wie das Untersuchungsdesign und die Qualität der erzielten Ergebnisse selbst. …

Rezensionen 1/1994

Will Schaber: Profile der Zeit. Begegnungen in sechs Jahrzehnten. Hg. von Manfred Bosch, mit eine Vorwort von Agathe Kunze und Zeichnungen von B. F. Dolbin. Eggingen: Edition Isele 1992
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Karl Frucht: Verlustanzeige. Ein Überlebensbericht. Wien: Kremayr & Scheriau 1992
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Elke Niebauer: Rundfunkpublikationen. Eigenpublikationen des Rundfunks und Fachperiodika 1923-1992. Ein Bestandsverzeichnis. (= Materialien zur Rundfunkgeschichte, hg. vom Deutschen Rundfunkarchiv: Historisches Archiv der ARD, Bd. 4). Frankfurt am Main 1992
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Angela Schütz & Felix Mitterer: Fremdsein. Literarische Wanderungen. 1. Auflage. Wien: Jugend und Volk 1992
rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Thomas Bauer: Deutsche Programmpresse 1923 bis 1941. Entstehung, Entwicklung und Kontinuität der Rundfunkzeitschriften. (= Rundfunkstudien, Bd. 6). München u.a.: Saur 1993
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Ludwig Muth (Hg.): Der befragte Leser. Buch und Demoskopie. München u.a.: Saur 1993
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Hans Schaumberger (Hg.): Das Zeitalter des Biedermeier. (= Kunst und Genie in Österreich). Wien: Brandstätter 1992
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Bernhard Denscher: Die österreichische Plakatkunst 1898–1938. Wien: Brandstätter 1992
– rezensiert von Wolfgang Duchkowitsch

Norbert Siegl: Kommunikation am Klo. Graffiti von Frauen und Männern. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1993
– rezensiert von Fritz Randl

Franz Grafl: Praterbude und Filmpalast. Wiener Kino-Lesebuch. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1993
– rezensiert von Fritz Randl

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