Thomas Ballhausen: Wissensorte im Wandel Paralipomena zu Corporate Social Responsibility aus der Sicht des Archivs

Abstract: Im vorliegenden Text werden strategische Vorüberlegungen zum Feld der Corporate Social Responsibility (CSR) für kulturbewahrende und -vermittelnde Institutionen, die ja nicht zuletzt auch als Unternehmen definiert werden können, beschrieben. Ausgehend von Verantwortung und Vertrauen als Faktoren für abgesichertes gesamtbetriebliches Agieren in Theorie und Praxis wird hier das eigentliche unternehmerische bzw. institutionelle Verhalten als wesentliche Ergänzung eingebracht. Das synästhetische Bündelangebot CSR mit seinen Modellen und Instrumenten wird als Option gefasst, das den notwendigen Wandel von Kulturinstitutionen aktiv vorantreiben kann. Die damit einhergehenden strategischen und verantwortungsethischen Perspektiven und Zugänge werden dabei vorsätzlich aus der Sicht des Archivs als kulturfeldrelevante Institutionsform diskutiert. In der positiven Überblendung aus bewahrenden und vermittelnden Agenden erlaubt diese Wahl, die einen Akzent auf Film- und Medienarchive setzt, eine sinnvolle, reale Reflexion von arbeitszyklischen Prozessen, gesamtunternehmerischen Strategien und potentiellen Kommunikationsmodellen. Im Text werden deshalb nach einer versuchten Situationsbestimmung, archivspezifische Kontexte, Herausforderungsprofile und aktuelle Diskurse angesprochen, sowie erste morphostatische bzw. morphogenetische Vektoren dynamischer Systeme, als die sich Archive beschreiben lassen, benannt. Darauf aufbauend werden potentiell relevante Teile der CSR identifiziert und mögliche Maßnahmen und praxisorientierte Ansätze zur dauerhaften Etablierung von CSR-Elementen in der institutionellen Gesamtstrategie, der betrieblichen Struktur und der Wissensvermittlung abgeleitet.

Andreas Enzminger: Mediationen des Schreckens Wirkung einer Holocaust-Dokumentation in der Jüdischen Gemeinde Wiens

Abstract: Nahezu keine TV-Dokumentation zum Thema Holocaust kommt seit Beginn der 1980er Jahre ohne den Einsatz von ZeitzeugInnen aus. Sie sollen den RezipientInnen als Authentizitätsbeweis dienen und historische Fakten mit subjektiven Erzählungen untermauern. Die Frage stellt sich, was dieses beliebte Inszenierungsformat für den Prozess der Geschichtsvermittlung in einer Gruppe leistet, deren Verwandte und Vorfahren dem Nazi-Terror in großer Zahl zum Opfer fielen. Mit Hilfe einer experimentellen Wirkungsstudie wird im vorliegenden Beitrag der Einfluss des Einsatzes von TäterInnen- und Opfer-ZeitzeugInnen auf geschichtsvermittelnde Prozesse bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Wiens untersucht. Im Mittelpunkt stehen die rezeptive Partizipation junger österreichischer Juden und Jüdinnen an der Holocaust-Dokumentation Nacht & Nebel bzw. mögliche Rezeptionswiderstände, die aus Belastungsreaktionen resultieren. Des Weiteren wird geprüft, welche Chancen und Grenzen der Vermittlung humanitärer Werte sich aus der Präsentation von Schreckenszeugnissen der Nazi-Zeit ergeben.
Bei den 111 befragten jüdischen RezipientInnen wurden nach der Filmvorführung von Nacht & Nebel sehr hohe emotionale Belastungswerte ermittelt. Der emotionale Stress ermöglichte zwar eine intensive rezeptive Partizipation und förderte einzelne humanitäre Einstellungen, hemmte aber teilweise auch den Humanitätstransfer. Die ZeitzeugInnen fungierten i.A. als Stressmoderatoren und Türöffner für rezeptive Beteiligungsformen. Allerdings war die Zusammenstellung der ZeitzeugInnen-Typen dafür ausschlaggebend, wie hoch oder niedrig Stress, Beteiligung und Humanitätsgewinn im Einzelnen ausfielen.

Dieser Beitrag steht als Download zur Verfügung:
Andreas Enzminger (2014). Mediationen des Schreckens. Wirkung einer Holocaust-Dokumentation in der Jüdischen Gemeinde Wiens. In: medien&zeit, 29 (1), S. 50-62.

Rezensionen 1/2014

Ingrid Stapf, Achim Lauber, Burkhard Fuhs & Roland Rosenstock (Hg.): Kinder im Social Web. Qualität in der KinderMedienKultur. BadenBaden: Nomos 2012, 277 Seiten.
– rezensiert von Diotima Bertel

Gundolf S. Freymuth, Lisa Gotto & Fabian Wallenfels (Hg.): Serious Games, Exergames, Exerlearning. Zur Transmedialisierung und Gamification des Wissenstransfers. Bielefeld: Transcript 2013, 473 Seiten.
– rezensiert von Gerit Götzenbrucker & Fares Kayali

 

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Hannes Haas 1957-2014 Nachruf auf ein Gründungsmitglied des Arbeitskreises für Historische Kommunikationsforschung (AHK)

von Fritz Hausjell & Bernd Semrad

Der Nachruf steht als Download zur Verfügung:
Fritz Hausjell & Bernd Semrad (2014). Hannes Haas 1957-2014. Nachruf auf ein Gründungsmitglied des  Arbeitskreises für Historische Kommunikationsforschung (AHK), 29 (1), S.67-68 und 75-76.

 

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