Horst Pöttker: Verstehender Journalismus Warum Geschichte zur digitalen Medienwelt passt - und wie sie aktuell gemacht werden kann

Abstract:
Der vorliegende Text beschäftigt sich mit dem Thema Geschichte als Themenfeld des Journalismus in einer Zeit des radikalen medialen Wandels. Das Publikum erwartet von Journalisten das Aufgreifen historischer Themen, Geschichte lässt sich dabei als Reservoir potenziellen Wissens identifizieren, das Orientierung in der Gegenwart ermöglicht. Es werden die verschiedenen Arten aufgezeigt, wie Journalisten historische Themen mit Gegenwart in Verbindung bringen und es wird die Frage aufgeworfen, ob Journalisten sich Interpretationen geschichtlicher Vorgänge zutrauen dürfen? Als Referenzgröße der folgenden Gedanken  steht die veränderte Funktionsprämisse. Journalismus in der digitalen Welt bedeutet: Von der Nachrichten- zur Orientierungsfunktion, das Wettrennen um Aktualität hat ein Ende, statt dessen ergeben sich neue Möglichkeiten für Darstellungsformen wie die Reportage und generell Berichterstattung, die von Tiefenrecherche geprägt ist. Daraus entsteht für den Journalismus die Chance, dem Publikum per Durchleuchten vergangener Vorgänge zu einem eigenen Verstehen der Gegenwart zu verhelfen.

Wolfgang Duchkowitsch & Erich Vogl: Reden über den “Anschluss” ZeitzeugInnen berichten von ihren Erinnerungen, sowie von der Bedeutung medialer Vermittlung während Austrofaschismus und Nationalsozialismus

Abstract:
„Geschichte von unten“ – diesem Motto folgt der vorliegende Beitrag über ZeitzeugInnen-Berichte aus der Zeit des Austrofaschismus und dem Nationalsozialismus. Der Beitrag fasst die Erkenntnisse einer umfangreichen Studie zusammen, die von der Stadt Wien gefördert und am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien durchgeführt wurde. Das Projekt beinhaltete in einem ersten Schritt mehr als 100 lebensgeschichtliche Interviews, die Geburtsjahrgänge der Befragten bewegten sich durchschnittlich zwischen 1920 und 1926, zu Wort kamen TäterInnen, Opfer, MitläuferInnen aus allen Bundesländern. In den qualitativen Interviews auf Basis eines Leitfadens sprachen die ZeitzeugInnen über die Bedeutung von Medien, über Austrofaschismus, „Anschluss“, Antisemitismus, Hitler, NS- Diktatur, über österreichische Identität und den Opfermythos. Eine Untersuchung mit bemerkenswerten Ergebnissen, wobei freilich methodische Problemzonen in die Überlegungen miteinbezogen wurden.

Eva Maria Gajek: Abseits der klassischen Bilder? Dokumentationen über den Holocaust 2000-2010

Abstract:
Das Fernsehen übernimmt zunehmend die Rolle eines Geschichtsvermittlers. Diese Entwicklung wurde von der Fachwissenschaft insbesondere seit den 1990er Jahren intensiv beobachtet und vielfach kritisiert. Eva Maria Gajek untersucht Geschichtsdokumentationen über den Holocaust von 2000 bis 2010 und fragt, welchen Veränderungen die Dokumentationen seit der Jahrtausendwende unterlagen. Sie weist erstens nach, wie die inhaltliche Kritik die Erzählungen der Dokumentationen bestimmte. Die Fernsehmacher kooperierten mit Historikern, glichen ihre Erzählungen mit den Forschungsergebnissen ab und zeigten diese Zusammenarbeit auch visuell: Archive, Aktenbestände und Stellungnahmen von Fachwissenschaftlern sind gängige Praktiken. Zweitens kommen neue inhaltliche Impulse hinzu. Ausnahmefälle (Deutsche als Opfer, der Widerstand der KZ-Insassen, Arbeit des Sonderkommandos) geraten hierbei genauso in den Blick wie die Erinnerungskultur der folgenden Generation nach 1945. Drittens zeigt Gajek, wie auch die technische und formalästhetische Darstellung wie Schnitt, szenische Verweise und Computeranimation die Erzählweise bestimmen.

Rezensionen 1/2012

Marcus Maurer: Agenda-Setting. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 1). Baden-Baden: Nomos 2010, 101 Seiten.
Michaela Maier, Karin Stengel & Joachim Marschall: Nachrichtenwerttheorie. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 2). Baden-Baden: Nomos 2010, 163 Seiten.
Tilo Hartmann: Parasoziale Interaktion und Beziehungen. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 3). Baden-Baden: Nomos 2010, 131 Seiten.
Constanze Rossmann: Theory of Reasoned Action – Theory of Planned Behavior. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 4). Baden Baden: Nomos 2011, 135 Seiten.
Christoph Klimmt: Das Elaboration-Likelihood-Modell. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 5). Baden-Baden: Nomos 2011, 117 Seiten.
Veronika Karnowski: Diffusionstheorien. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 6). Baden-Baden: Nomos 2010, 107 Seiten.
Thomas Roessing: Schweigespirale. (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 7). Baden-Baden: Nomos 2011, 113 Seiten.
– vergleichend rezensiert von Christoph Jacke

Hans J. Kleinsteuber: Radio. Eine Einführung. Unter Mitarbeit von: Ralph Eichmann, Uwe Hasebrink, Corinna Lüthje, Norman Müller und Frank Schätzlein. Wiesbaden: VS Verlag 2012, 369 Seiten.
– rezensiert von Petra Herczeg

Alla G. Bespalova, Evgenij A. Kornilov & Horst Pöttker (Hg.): Journalistische Genres in Deutschland und Russland. Handbuch. Rh. 4, Journalismus International. Köln: Herbert von Halem Verlag 2010, 421 Seiten.
– rezensiert von Christina Krakovsky

Marina Brandtner: Diskursverweigerung und Gewalt. Dimensionen der Radikalisierung des politischen Klimas in der obersteirischen Industrieregion 1927-1934. Innsbruck: Studienverlag 2011, 332 Seiten.
– rezensiert von Roland Steiner

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