Wolfgang Pensold: Krieg und Kamera Skizzen zum NS-Kriegsfilm

Einleitung: Die vierte Dimension der Kriegsführung
Deutschland während des Ersten Weltkrieges: der Siegestaumel von 1914 ist in der Profanität eines unentrinnbaren Kriegsalltags verebbt. Die geschürte Euphorie der Anfänge – der Blumen am Gewehr — ist vorüber, wenn auch nicht vergessen. Für den fanatischen Kriegsfreiwilligen Adolf Hitler wird dieses Erlebnis der allgemeinen Kriegsbegeisterung ebenso zum Schlüsselerlebnis werden wie am Ende der kapitale Zusammenbruch 1918. Hitler erlebt mit, wie die zu Beginn medial aufgetragene Propagandatünche der gesellschaftlichen Einheit Risse bekommt und die Begeisterung einer allmählichen Ernüchterung weicht – eine Entwicklung, die letztlich in offenen Revolten im Hinterland gipfelt. Die repressiven Gegenmaßnahmen durch die Armeeführung, die den Kriegsverlauf begleiten und das Land de facto in eine Militärdiktatur verwandeln, können die beschworene Einheit nicht aufrechterhalten. Die Fiktion des nationalen Zusammenhalts verblaßt. Die ursprüngliche Vorstellung eines kurzen Feldzuges hat sich in einer Realität langwieriger, unaufhörlich Menschen und Munition verschlingender Materialschlachten buchstäblich zerrieben. Der industriell geführte Krieg eskaliert, nimmt nach und nach sämtliche Ressourcen, über die die Gesellschaft verfügt, in Beschlag und beginnt, sein eigenes Konzept von Normalität zu diktieren. Mir dem totalen Krieg bricht ein neues Zeitalter an. …

Paolo Caneppele: Beschnittene Schaulust Entstehung und Entwicklung der Filmzensur in Österreich. Ein Abriß (1900-1938)

Einleitung: Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Kinovorführungen in der Österreichisch- Ungarischen Monarchie zu verbreiten begannen, entstand dadurch auch die Forderung nach einer Zensur ihrer Werbemittel (Photographien, Filmbesprechungen (Der Filmbote, 17. August 1918, Nr. 2, S. 49; Das Kino-Journal, 21. Februar 1920, Nr. 7, S. 1f; Der Filmbote, 22. Mai 1920, Nr. 21, S. 14f), Plakate (Kinematographische Rundschau, 1. Juli 1907, Nr. 17, S. 2), Erklärungstexte und die Tätigkeit des Filmerzählers), ln der Monarchie wurde das Kinoangelegenheiten regelnde Grundgesetz im Jahr 1912 publiziert. Vor diesem Datum wurde das Kino nach Gesetzen gehandhabt, die ursprünglich für Theater und präkinematographische Schaustellungen (Varietes, Vergnügungsparks etc.) erlassen wurden, oder nach Polizei bestimm ungen, die man örtlich festlegte (Hellwig, 1913, 1913, S. 135). …

Katharina Würtinger: Vom Kinematographen bis zu den “Anfängen” Hollywoods

Einleitung: Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, jene Zeit zu beleuchten, in denen die Anfänge des Films liegen, lange vor dem „goldenen Zeitalter“ Hollywoods und vor dem „Exilfilm“.

Bewußt wurde ein Schritt „zurück“ getan, um all jene Faktoren (oder vielmehr einen kleinen feil von ihnen) aufzuzeigen, die wesentlich dazu beigetragen haben, daß der Kinofilm zu dem werden konnte, was er im Lauf seiner nun knapp über hundertjährigen Geschichte war und bis heute ist.

Vielfach mag der Eindruck entstehen, der Einfluß Europas auf den amerikanischen Film bzw. die amerikanische Filmwirtschaft insgesamt habe erstmals in der Zeit des „Filmexils“ begonnen, als tausende Filmschaffende, Schauspieler und auch Literaten in die USA emigrierten, um hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der Hoffnungen, die diese Menschen mitbrachten in ihre „neue Heimat“, im Land schließlich der Traumfabrik Hollywood, die Arbeit wieder aufnehmen zu können, die sie dort, wo sie hergekommen waren, nicht mehr fortsetzen konnten oder durften.

Doch der Einfluß auf die Entstehung bzw. Entwicklung des Kinofilms aus Europa (wie umgekehrt natürlich auch) hatte bereits viel früher begonnen und reicht bereits in die Anfänge der Filmgeschichte zurück. Dabei waren nicht nur technische Faktoren (etwa bei der Konstruktion von Geräten) ausschlaggebend. Auch politische, ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen – und zwar sowohl in den USA als auch in Europa — hatten nachhaltigen Einfluß auf die weitere Geschichte des Kinofilms. …

Herwig Walitsch: Mulitplicatio imaginorum Bildmedien nach 1800

Einleitung: Der vorliegende Beitrag beleuchtet die seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entwickelten Techniken der Bildverarbeitung bis hin zur Photographie. Herausgearbeitet werden soll dabei das Faktum, daß bereits in den vier Jahrzehnten vor dem Bekanntwerden der Daguerreo- typie in Europa eine hochentwickelte und ausdifferenzierte Landschaft von Bildmedien entstanden ist, die das Bedürfnis der Menschen nach Bildern, nach Ansichten von der Welt gleichermaßen befriedigt wie stimuliert. Die Präsentation der Photographie durch Daguerre im Jahre 1839 gerät zur Weltsensation — aber sie ist kein para- digmatischer Umbruch. Der Prozeß der multiplicatio imaginorum, der mit Senefelders Lithographie einsetzt, hat den Boden für sie wohl aufbereitet. Dieser Prozeß wurzelt seinerseits in einem geisteshistorischen Umbruch, den man sehr wohl als Paradigmen Wechsel aufzufassen hat: im Aufkommen des Positivismus im Gefolge von Aufklärung und Enzyklopädismus. Auch hierauf wird der Blick zu richten sein. …