Horst Jörg Haupt: Über Latenzanalyse

Einleitung: Wenn ein neues Forschungsverfahren vorgestellt wird, tut der/die AutorIn gut daran, “Klassiker” zu zitieren, sich auf solche zu “gerufen”, Traditionslinien zu “zeichnen”(u. dgl. m.). Subjektive Begründungen, sich solchen diskursiven Regeln zu unterwerfen, könnten sein: der/die AutorIn ist unsicher, ob das vorgeschlagene Verfahren bei den fachlichen Diskussionspartnerinnen Akzeptanz findet; der/die AutorIn kennt selbstverständlich die Stärken, vor allem aber die Schwächen des eigenen Verfahrens, die andere (womöglich Mitbewerber) “geißeln” könnten. “Scientific Communities” sind “erzkonservativ” und beäugen höchst mißtrauisch sog. “innovative” Entwicklungen und – jedes neue Verfahren wird angesichts bestimmter diskursiver Widersprüche entwickelt, ist Manifestation eines – wie sublim auch immer vorgetragenen – Protests gegen das Überlieferte. …

Martina Adelsberger: Ret Maruts Pressekritik und seine Vorschläge zur Neuorganisation des Pressewesens

Einleitung: Ein Rückblick auf historische Kritik an der Presse kann sich lohnen. Nicht nur, um das gegenwärtige Presse- und Medienwesen und beklagte Mißstände in ihren Anfängen besser zu verstehen, sondern auch, um neue alte Impulse für Kritikansätze zu bekommen.

In diesem Artikel werden die Vorschläge zur Neuorganisation des Pressewesens von Ret Marut, einem ehemaligen Schauspieler und Journalisten, der ab 1925 als Romanautor unter dem Namen B. Traven bekannt und berühmt wurde, vorgestellt. Wenn hier von „neuen alten Impulsen“ gesprochen wird, so sind damit jene Impulse gemeint, die von Maruts tiefgreifender Kritik an einer kapitalistisch organisierten Presse ausgehen. Marut hat sich nicht davor gescheut, Konsequenzen aus seiner Pressekritik zu ziehen, obwohl er als Sozialromantiker bezeichnet wird und wurde. …

Patrick Rössler: Multiplikatoren der Moderne Diffusionstheoretische Überlegungen zu deutschen Illustrierten des 20. Jahrhunderts

Einleitung: Illustrierte Zeitschriften spielten in der Vergangenheit eine wichtige Rolle bei der Verbreitung moderner Ideen in der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der Diffusionstheorie bestinunt der Beitrag eine spezielle Gruppe von “Multiplikator-Illustrierten”, die zwar keine unmittelbaren Organe der Avantgarde sind, aber deren inhaltliche und gestalterische Konzepte auf greifen. Diese Multiplikator-Illustrierten fungieren anschließend als “Meinungsführer” für die Masse der Übernehmer-Zeitschriften, die nach deren Vorbild die neuen Konzepte adaptieren und so in der Gesellschaft bekanntmachen. Anhand von vier Fallbeispielen – die Periodika Der Querschnitt, Das neue Frankfurt, magnum und twen – wird diese besondere Funktion im Diffusionsprozeß exemplarisch aufgezeigt und ein Kriterienraster entwickelt, anhand dessen sich Multiplikator-Illustrierte identifizieren lassen. …

Joan Hemels: Vergangenheit mit neuen Bildungsmedien “vergegenwärtigen” Die zeitgeschichtliche Erwachsenenbildung zwischen "Infotainment" und "Edutainment"

Einleitung: In einer als „postmodern “ bezeichneten Zeit scheint die Diskussion über die Bedeutung von historischem Bewußtsein eine Blüte zu erleben. Der niederländische Historiker Herman W. von der Dunk meint sogar, daß über die Einsicht in die Bedeutung von Geschichte in den letzten Jahren genug gesagt und geschrieben wurde. Es wäre eine „Banalität“ zu wiederholen, daß bei all unseren Vorstellungen über das Jetzt und die Zukunft die Vergangenheit als konstitutive Kraft präsent ist, auch bei denjenigen, die Geschichte für „nutzlosen Ballast“ halten. „Kultur ist identisch mit dem Bewußtsein über die Vergangenheit, so wie das menschliche Bewußtsein nicht ohne Gehirn funktioniert. “ Soweit von der Dunk in einer Debatte über den Lehrplan für das Schulfach Geschichte. …

Rezensionen 4/1998

Paulus Ebner & Karl Vocelka: Die zahme Revolution. ‘68 und das was davon blieb. Wien: Ueberreuter 1998
– rezensiert von Bernd Beutl

Hannes Heer & Klaus Naumann (Hg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Frankfurt am Main: Zweitausendeins 1997
rezensiert von Wolfgang Pensold

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Edith Dörfler & Wolfgang Pensold: Ein Fenster zum Westen Zur Implementierung des Fernsehens in Österreich

Einleitung: Erste Wurzeln des österreichischen Fernsehens finden sich bereits Ende der 20er Jahre, in der Pionierära der Femsehtechnik. Auf den Spuren von Mihaly, Baird und Jenkins arbeitet Josip Sliskovic mit recht primitiven Mitteln an einer Femsehversuchsanlage. Im Dezember 1929 führt er seine Apparatur anläßlich eines Vortrages im Internationalen Radio Club (IRC) erstmalig vor, wobei “nur Schattenbilder und Buchstaben ohne Halbtöne” übertragen werden können. Im April 1930 erzielt er im Zuge einer Vorführung im Physikalischen Institut der Wiener Universität mit einer erweiterten Anlage bereits gute Erfolge bei der Übertragung von Fotografien und Kinofilmen. Damit ist das Interesse der Industrie geweckt. Im Auftrag der Firma Kapsch & Söhne baut Sliskovic für die Herbstmesse 1930 eine Femsehapparatur, die in einem eigenen Pavillon präsentiert wird und “einwandfrei” arbeitet. …

Fritz Luger & Martina Bausenwein (Bearbeitung): Ich wollte trotzdem zum Fernsehen

Einleitung: Am 20. April 1923 in Wien geboren, besuchte ich von 1930 bis 1934 die Volksschule und von 1934 bis 1938 das Realgymnasium, aus dem ich aber im März 1938 ausgewiesen wurde, da mein Vater ein Sozialistenführer war und ich somit als politisch unzuverlässig galt. Zwischen 1938 und 1942 arbeitete ich als Technischer Zeichner; von 1942 bis 1945 wurde ich in die Deutsche Wehrmacht eingezogen, wo ich schwer verwundet wurde. Als Mitglied der 05-Widerstandsbewegung hatte ich im Jänner 1945 erste Kontakte mit dem Soldatensender Donau. Im August 1945 kontaktierte mich die US-amerikanische Besatzungsmacht, die mich veranlassen wollte, über eine Scheinfirma einen Sender am Kahlenberg unter Leitung von Obering. Ballaban zu installieren. …

Alfred Petrovsky: Fernsehen – Wer wird das schon wollen?

Einleitung: Alfred Petrovsky heiße ich, bin 71 und seit elf Jahren in Pension. Vom 1. Jänner 1947 bis 30. Juni 1987 habe ich die Arbeitswelt mit meiner ununterbrochenen Anwesenheit erfreut. Meine Schulzeit habe ich 1946 (nach einjährigem Unterbruch durch Arbeitsdienst und Militär) mit Matura an der HTL Schellinggasse, Fachrichtung Elektrotechnik, abgeschlossen. Bis 31. März 1955 war ich als Entwicklungsingenieur bei der Firma Czeija und Nissl im Senderlabor tätig. Als solcher habe ich am ersten Mittelwellensender für den Österreichischen Rundfunk nach dem Krieg mitgearbeitet und als Montageleiter am Bisamberg für die ordnungsgemäße Inbetriebnahme gesorgt. Ebenso habe ich unter anderem an einem Langwellensender für „Radio Austria“ und am Bau des ersten UKW-Senders des Österreichischen Rundfunks mitgewirkt. Im Laufe dieser Jahre ergab sich eine enge berufliche Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Josef Lothaller, dem Leiter des Niederfrequenzlabors bei Czeija und Nissl. Diese Kontakte sollten in absehbarer Zeit eine wichtige Rolle in meiner weiteren Berufslaufbahn spielen. …

Walther Fitz: Meine ersten Fernsehjahre

Einleitung: Geboren 1935 in Wien, führte mich mein Weg nach Realgymnasium und Matura (1944 bis 1952) ans „Radiotechnische Institut“ am TGM, wo ich eine HTL-Ausbildung absolvierte (1952 bis 1954). Im Rahmen des zweijährigen Lehrgangs „Radiotechnik“ kam ich zum erstenmal mit dem neuen Medium Fernsehen in Kontakt, als ich zwei Semester „Femsehtechnik“ studierte. Prof. Ferdinand Dohnal, der Leiter des Instituts, hatte diesen Gegenstand im Jahr 1953 in den Lehrplan aufgenommen, im Zuge dessen wir auch eine Exkursion zur österreichischen Post in die Gatterburggasse im 19. Bezirk machten. Dort sah ich die ersten Fernsehbilder – eigentlich Filmbilder, die durch einen Filmabtaster auf ein Fernsehgerät gebracht wurden. Ich glaube, es war ein Film über Postautobusse am Großglockner; ob mit oder ohne Ton, weiß ich nicht mehr, aber wir Studenten waren sehr beeindruckt. Noch dazu, da wir wußten, daß das Fernsehen in Österreich verboten war. Österreich war ja noch besetzt, aber die Gatterburggasse lag in einem von den Amerikanern besetzten Bezirk …

Wolfgang Langer & Wolfgang Pensold: Heimat, fremde Heimat Die österreichische Rundfunkentwicklung und die Kärntner Slowenen

Einleitung: Einen „gravierenden Einschnitt in der Geschichte der Kärntner Slowenen“ stellten die Jahre zwischen 1918 und 1920 dar. Am 17. Oktober 1918 forderte der slowenische Nationalrat für Kärnten die Einverleibung des gemischtsprachigen Gebietes Kärntens in den zu gründenden Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (SHS-Staat), womit die Positionen bezogen waren. „Der in der Folge als „Kärntner Abwehrkampf” in die Geschichte und nationale Mythenbildung eingegangene Kampf, dessen Trauma bis in die Gegenwart reicht, endete vorerst mit einer Besetzung Südkämtens und Klagenfurts durch die südslawischen Verbände”. Erst die von der Pariser Friedenskonferenz angeordnete Volksabstimmung, die am 10. Oktober 1920 durchgeführt wurde, brachte die Entscheidung zugunsten Österreichs. …