Wolfgang Pensold, Edith Dörfler & Patrizia Tonin: Lauf der Bilder oder: Der Büffel im Cyberspace

Einleitung: Metaphorisch vermittelt Platons Höhlengleichnis den Fiktionscharakter von menschlichen Realitätsentwürfen. Im Schattenspiel an der Höhlenwand erscheinen Reflexionen der äußeren Welt, – Bilder, die der Betrachter Wirklichkeit erzeugen. Die Bildhaftigkeit der Schatten verweist auf die Unmöglichkeit, die Dinge an sich wahrzunehmen. Platon sieht darin auch der Bilder fundamentale Eigenschaft: Etwas zu zeigen, was sie selbst nicht sind, wie er sagt.

Darüber hinaus ist es die im Höhlengleichnis skizzierte Metapher selbst, die für ein zentrales, auch für eine Geschichte der Bilder elementares Moment steht: für das Dispositiv. Feuer, Balustrade und Sitzanordnung umschreiben ein starres System, die frontal ausgerichteten – festgebundenen – Zuschauer des Szenarios sind unabänderlich auf das projizierte Lichtspiel auf der Höhlenwand gerichtet. Die Disposition des Schauraums bestimmt die Wahrnehmung der zu erschauenden Dinge: „Was wir sehen“, meint Joachim Paech, “ist bestimmt durch die Art und Weise, wie wir es sehen; das Subjekt des Sehens ist immer zugleich Objekt des Systems, in dem es gesehen wird.” (Joachim Paech: Das Sehen von Filmen und filmisches Sehen. In: Knut Hickethier (Hrsg): Filmgeschichte schreiben. Ansätze, Entwürfe und Methoden. Berlin 1989, S. 69).

Dispositive prägen das Weltbild der Menschen, indem sie die Sichtweise, unter der der Welt Dinge wahrgenommen, bebildert und somit auch bedeutet werden, bestimmen. Dispositive, wie sie ursprünglich von Michel Foucault postuliert wurden, sind freilich nicht als historische Konstanten zu begreifen, vielmehr unterliegen auch sie dem gesellschaftlichen Wandel. Die Ordnung des Sehens verändert sich mit der Ordnung der Dinge…

Herwig Walitsch: Zur Technikgeschichte der optischen Medien

Einleitung: Die Vermittlung analoger optischer Information bildet wohl die essentielle Leistung der modernen Medienwelt – wir leben in dieser Medienwelt primär in einer Welt von Bildern, die durch Photographie und Film und besonders Fernsehen und Videoband sowie in digitalisierter Form durch CD-ROM, CD-I, das Internet, ISDN-Bildtelephonie und seit dem Sommer 1996 auch durch digitales Fernsehen vermittelt werden. Die Visualisierung der Informationsaufnahme wird von zahlreichen Wissenschaftlern als eine der bestimmendsten Tendenzen der Medienwelt betrachtet; kaum abzuschätzen sind die Folgen der TV-Sozialisierung, die die seit den siebziger und achtziger Jahren geborenen Kinder durchmachen. Die Multimedia-Kultur trifft dieselben Sinnesprioritäten wie der Mensch, der in ihr lebt: Von allen Wahrnehmungskanälen ist der Gesichtssinn der wichtigste, das gilt für den Einzelmenschen gleichermaßen wie für die gesamte Medienkultur. Die Genese dieser Dominanz des Visuellen soll im vorliegenden Beitrag von ihrer technischen Entwicklung her aufgerollt werden…

Rezensionen 4/1996

Burkhard Asmuss: Republik ohne Chance? Akzeptanz und Legitimation der Weimarer Republik in der deutschen Tagespresse zwischen 1918 und 1923. (= Beiträge zur Kommunikationsgeschichte, Bd. 3). Berlin u.a.: De Gruyter 1994
– rezensiert von Hans Bohrmann

Heinz Gittig: Bibliographie der Tarnschriften. 1933-1945. München u.a.: Saur 1996
– rezensiert von Hans Bohrmann

Reinhold Gärtner: Die ordentlichen Rechten. Die „AULA“, die Freiheitlichen und der Rechtsextremismus. Wien: Picus-Verlag 1996
– rezensiert von Wolfgang Pensold

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