Wolfgang Monschein & Fritz Randl: 50 Jahre Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien (1942-1992) Teil 1: Ein Abriß der Institutsgeschichte

Einleitung: Die Geschichte der Kommunikationswissenschaft ist noch nicht geschrieben. Die Erforschung der historischen Genese einzelner Universitätsinstitute könnte Bausteine für dieses Gesamtvorhaben liefern. Aber auch auf dieser Ebene belegt die geringe Zahl der vorliegenden Studien ein lange anhaltendes Desinteresse. Dabei könnte eine intensive Auseinandersetzung mit der Fachgeschichte wertvolle Hinweise auf die aktuelle Situation einer Disziplin und deren Evaluation liefern, wie Arnulf Kutsch darlegt:
“Wissenschaften sind aus ihrer Geschichte zu verstehen: ihre Identität wird zu einem nicht geringen Teil von ihrer Geschichte bestimmt. Was ihre Vorgänger gedacht, erforscht und behauptet haben, was nicht erkannt oder unbeobachtet blieb, damit setzen sich die heutigen Fachvertreter in irgendeiner Form auseinander, sie monieren es, verwerfen es, zuweilen greifen sie darauf aber wieder zurück. Fachgeschichte sollte nicht billiges Historisieren aus Anlaß eines sich mehr oder weniger willkürlich anbietenden Jubiläums, kein vordergründiges Bemühen um einen fragwürdigen Ancietäts- und damit nicht selten Legitimationsnachweis sein, sondern Reflektion der eigenen Vergangenheit, kritische Überprüfung der Entwicklung der eigenen Disziplin unter sich wandelnden internen und externen Bedingungen des wissenschaftlichen Lernens, Lehrens und Forschern, ein Mittel zur Befragung des status quo.” (Arnulf Kutsch: Vorwort. In: Ders. (Hg.): Zeitungswissenschaftler im Dritten Reich. Sieben biographische Studien. Köln 1984, VII – XI, hier: VII.)…

Bernd Beutl: Die nationalsozialistische Presse der Ersten Republik (1918-1933) Ergebnisse zweier Forschungsprojekte des Arbeitskreises für historische Kommunikationsforschung

Einleitung: Den Aufstieg der NSDAP von einer kleinen Gruppe von Sektierern hin zu einer alle Bereiche des Lebens durchdringenden Massenbewegung einzig und allein auf die suggestive Kraft des gesprochenen Wortes zurückzuführen, würde nicht nur den bekannten Mythenbildungen um die Person Hitlers Stoff liefern und das Charisma und den Nimbus des „Führers“ verstärken, sondern zudem die breite und vielfältige Palette der bereits in der „Kampfzeit“ verwendeten Beeinflussungsinstrumentarien vergessen machen und negieren.
Die Bedeutung der Rede als wichtigstes Mittel der Suggestion wird in nationalsozialistischen Selbstdarstellungen sehr oft hervorgehoben. Die nationalsozialistische Bewegung, die schon sehr früh Schulungskurse für Redner abhielt, griff aufgrund ihrer prekären instabilen finanziellen Situation in der Weimarer Republik verstärkt auf dieses billig handzuhabende und mit geringen Kosten verbundene Instrument politischer Agitation zurück. Die Propagandaforschung hat sich dementsprechend bisher vielfach mit der NSDAP als Rednerpartei auseinandergesetzt…

Walter Hömberg: „Majestät in Unterhosen“: Arthur Schütz, Züchter der „Grubenhunde“ Leben und Werk eines Wiener Journalismuskritikers

Einleitung: Zum 80. Geburtstag von Arthur Schütz schrieb der Wiener Bürgermeister (und spätere österreichische Bundespräsident) Franz Jonas:
“Sie haben als geistiger Vater des „Grubenhundes“ eine neue Art von Satire begründet, die zwar in bescheidenem Gewand auftritt, dafür aber umso wirksamer ist. Ihr Kampf galt, wie Sie selbst es formulierten, jener angemaßten, völlig unberechtigten Autorität der Druckerschwärze, die durch Sie der verdienten Lächerlichkeit preisgegeben wurde. Dieses Ziel haben Sie durch Zeitungsaufsitzer aller Art erreicht, die sich zumeist, was wohl mit Ihrer Berufsarbeit zusammenhängt, in technischer Verkleidung präsentieren. Die Ihnen auf solche Weise gelungene Entlarvung von Oberflächlichkeiten und Unwissen darf nicht bloß als harmloser, amüsanter Spaß auf gefaßt werden, sondern hat auch besondere erzieherische Bedeutung und ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen?” (Brief vom 23. Jänner 1960 an Arthur Schütz).
Der so Gewürdigte antwortete fünf Tage später:
“Ich freue mich aufrichtig, daß mein Kampf gegen die Autorität der Druckerschwärze und mein Bestreben, dem Volke die Majestät in Unterhosen zu zeigen, ein weites Echo gefunden hat. Es ist irgendwie grotesk, daß ein – ich muß es schon selber bekennen – lausbübischer Einfall vor rund 50 Jahren der Ausgangspunkt eines neuen Begriffes der deutschen Sprache wurde. Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, daß dieser Einfall auch von Ihnen in so lieber Weise gewürdigt wurde. Darf ich mir gestatten, Ihnen mein Buch Der Grubenhund beiliegend zu überreichen.” (Brief vom 28. Jänner 1960 an Franz Jonas)
Arthur Schütz, der als Züchter der „Grubenhunde“ mehr als nur eine Fußnote zur Geschichte der Presse in diesem Jahrhundert geschrieben hat, taucht in den neueren Pressegeschichten nicht einmal mehr in den Fußnoten auf. Dabei kann er als einer der fundamentalsten Medienkritiker gelten. Sein Leben und sein Werk lassen sich jedoch nicht auf diese Rolle reduzieren. Wer den – heute kaum noch sichtbaren – bio- und bibliographischen Spuren dieses Mannes folgt, gelangt zum Bild einer facettenreichen und in vielen Feldern produktiven Persönlichkeit…

Rezensionen 1/1996

Harry Mulisch: Strafsache 40/61: Eine Reportage über den Eichmann-Prozeß. München, Wien: Hanser 1994; Berlin: Aufbau 1995
– rezensiert von Andreas Hutter

Monika Gibas & Dirk Schindelbeck (Hg.): „Die Heimat hat sich schön gemacht…“ 1959: Fallstudien zur deutsch-deutschen Propagandageschichte. (= Comparativ. Leipziger Beiträge zur Universalgeschichte und vergleichenden Gesellschaftsforschung, Bd. 3). Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 1994
– rezensiert von Alexandra Spannbruckner

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