Maria Löblich & Niklas Venema: Die SPD und ihre Frauenpresse

Die Gleichheit im Parteidiskurs nach Ausbreitung der Massenpresse

Mit der Expansion der Massenpresse entstand im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein breites Medienangebot, das sich verstärkt auch an Frauen richtete. Die SPD versuchte, dem ab 1892 die eigene Frauenzeitschrift Die Gleichheit unter Chefredakteurin Clara Zetkin entgegenzusetzen. Trotz andauernder Kritik der Mitglieder über Defizite gegenüber den konkurrierenden Blättern hielt die Partei an der Zeitschrift fest. Gestützt auf die Medialisierungsperspektive und den diskursiven Institutionalismus untersucht der Beitrag, wie die SPD im parteiöffentlichen Diskurs über Die Gleichheit die Ausbreitung der Massenpresse und die Ausdifferenzierung der Frauenpresse für sich verarbeitete. Die Quellenanalyse von Parteitags- und Parteiausschussprotokollen sowie Theorie- und Strategiezeitschriften der SPD zeigt, wie die Gewissheit aufrechterhalten wurde, in Abgrenzung zur kommerziellen Presse auch ein eigenes Frauenblatt zu benötigen. Das Beispiel der Gleichheit verdeutlicht das grundsätzliche Dilemma der SPD: Sie sah sich in der Massenpresse nicht repräsentiert und hielt an der eigenen Parteipresse fest, die aber unter den Bedingungen eines kommerziellen Medienangebots nicht bestehen konnte.

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