Wolfgang R. Langenbucher: Die Geburt des Projektes war mehr als überraschend. Zum 30-jährigen Bestehen des Arbeitskreises für historische Kommunikationsforschung Antworten zur Rundfrage

Mich ehrt, dass die Initiatorinnen dieser Umfrage (aus beeindruckendem Anlass), annehmen, dass ich „an der Geschichte dieses Fachjournals mitgewirkt haben“. Das erscheint in der Tat selbstverständlich, hatte ich doch gleich nach meinem Dienstbeginn (2. April 1984) begonnen, einen Kongress „Internationales Symposium: Wege zur Kommunikationsgeschichte“ vorzubereiten, weil ich damit diese aus meiner Außensicht signifikanteste wissenschaftliche Tradition des Wiener Institutes deutlich markieren und ihre Fundamente tiefer legen wollte. Weiterlesen

Norbert P. Feldinger: Ungezählte Stunden an ehren-amtlicher Tätigkeit haben medien & zeit letztlich zu dem gemacht, was es heute ist Antworten zur Rundfrage

Ich bin seit 1988 dabei – das sind 28 Jahre engagierte Tätigkeit für ein Projekt und seine Erfolgsgeschichte, dem ich mich seit langem eng verbunden fühle. Weiterlesen

Wolfgang Duchkowitsch: Es begab sich. Stationen zum Start der ersten Ausgabe Antworten zur Rundfrage

Am Nachmittag eines Mittwochs im Juli 1985 gingen Theo Venus, Universitätslektor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien (IPKW), und ich, ebenso Lehrbeauftragter, gemeinsam die Ringstraße entlang. Wir hatten einander vorher rein zufällig am Institut getroffen, das sich damals im „Neuen Institutsgebäude“ in der Universitätstrasse 7 befand. Sein Ziel war das Archiv des Österreichischen Parlaments, wo er Akten für ein zeithistorisches Projekt studieren wollte, meines die Österreichische Nationalbibliothek, wo ich die erst vor kurzem eingerichtete Forschungsabteilung leitete. Unser Gespräch galt zukünftigen Aufgaben der österreichischen Mediengeschichte. Auf der Höhe des Burgtheaters fragte ich ihn, was er von der Gründung einer medienhistorischen Zeitschrift hielte. Er darauf: Meinst Du ein Blatt, das z.B. das Programm eines Symposiums ankündigt oder z.B. einen Bericht über die Österreichischen Filmtage enthält? Nein, war meine Antwort. Ich denke da an eine richtige Zeitschrift mit wissenschaftlichen Aufsätzen und mit Buchrezensionen. Programmhinweise oder Berichte können da zusätzlich schon hineinkommen. Dem stünde sicher nichts entgegen. Hundert Meter weiter, beim Abschied vor der Rampe des Parlaments waren wir uns einig. Wir gründen eine solche Zeitschrift. Weiterlesen

Hans Bohrmann: Offen für Studierende und bereit für neue Wege Antworten zur Rundfrage

Mit den Wiener KommunikationswissenschaftlerInnen habe ich mich immer gern ausgetauscht, weil an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einerseits und am Fachinstitut an der Universität andererseits viele kreative Ideen in Bezug auf die Mediengeschichtsschreibung erdacht und auch umgesetzt worden sind. Das zeichnet die österreichische Kommunikationswissenschaft, zu der ich natürlich auch das Salzburger Institut rechne, aus. Zu diesen kreativen Ideen gehört auch der Arbeitskreis, der die Fachzeitschrift medien & zeit nun drei Jahrzehnte lang gestemmt hat. Zwei Momente zeichnen die Zeitschrift besonders aus: sie hat gemessen an anderen eine recht hohe Auflage und sie erreicht auch viele Studierende, für die sie ihre Spalten auch ganz bewusst öffnet um Qualifaktionsarbeiten in wichtigen Ergebnisse öffentlich zu machen. Und medien & zeit geht thematisch ganz neue Wege, wenn ich etwa an das Themenheft zum Medienwesen der europäischen Kolonien und Afrikas denke (siehe medien & zeit 2/2016). Weiterlesen

Stefanie Averbeck-Lietz: Wenn wir uns nicht erinnern, verlieren wir den Gesamtzusammenhang Antworten zur Rundfrage

medien & zeit habe ich schon im Studium der Publizistikwissenschaft an der Universität Münster bei Arnulf Kutsch als relevante Fachzeitschrift für die historische Kommunikationsforschung kennen und schätzen gelernt. Darüber hinaus verbinde ich mit m&z eine persönliche Geschichte: Meinen allerersten wissenschaftlichen Aufsatz habe ich vor beinahe 20 Jahren in medien & zeit publiziert. Weiterlesen

Lisa Hoppel: „Feuer und Schwert im Sudan“ Die Erfolgsgeschichte eines Buches im Spiegel eines gesellschaftlichen Wandels

Abstract
Als junger Österreicher trat Rudolph Slatin Pascha 1878 in ägyptische Dienste und erlebte als Gouverneur im besetzten Sudan den Mahdi-Aufstand gegen die ägyptische Fremdherrschaft am eigenen Leibe mit. Sein Werk Feuer und Schwert im Sudan zählt daher nicht nur zu einer der wichtigsten Quellen europäischer Prägung dieses geopolitischen Ereignisses, sondern kann außerhalb der Bedeutung als ereignisgeschichtliches Dokument auch als Beispiel für den inhaltlichen Wandel eines ursprünglich dokumentarischen Berichts vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Veränderungen begriffen werden.
Aufgrund von hohen Auflagenzahlen, aber auch durch einen Wandel gesellschaftlicher Rahmenbedingungen veränderten sich das Werk, sowie sein Erfolg stetig. Drei Ausgaben des Textes wurden in vorliegendem Beitrag daher anhand eines kulturhistorischen Zuganges verglichen. Intention war Veränderungen in Sprache und Format sowie in der zeitgenössischen Reaktion in einem Zeitraum von 100 Jahren, sowohl als Prozess, als auch in ihrer historischen Eigenständigkeit zu begreifen.
Ergebnisse zeigen, dass sich der ursprünglich primär militärische Bericht, im Laufe der Zeit zuerst zu einem abenteuerlichen Jugendbuch und schlussendlich zu einer sehr persönlichen Erzählung wandelte.

Karl-Leontin Beger: Wir bergen moralische Größe aus der Geschichte Das Zentrum für politische Schönheit und seine Strategien zur Generierung von öffentlicher Aufmerksamkeit und politischer Partizipation

Abstract
Das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) war ein wesentlicher Protagonist der deutschen Aktionskunst im Jahr 2015. Medialen Aufruhr haben insbesondere die Aktionen Erster europäischer Mauerfall und Die Toten kommen provoziert. Thematisch kreisen die Werke des ZPS um Flucht, Vertreibung und Genozid. Das ZPS arbeitet transmedial, nutzt das Theater, den Film, das Internet und den öffentlichen Raum als Medien, um die RezipientInnen zu politisieren. Die Gesellschaft fungiert als das Material der Aktionskunst. Die Suche nach einer neuen Form der internationalen Solidarität ist mit dem Versuch verbunden, eine humanistische, liberal-demokratische Avantgarde zu bilden, deren sogenannte Schönheit darin besteht, eine außerordentliche Moralität in altruistischen Handlungen in die Praxis umzusetzen. Dafür wird Kunst in diversen medialen Kanälen publiziert, um eine als blasiert und desinteressiert gedachte Öffentlichkeit zu politisieren, eine partizipative Praxis zu provozieren und der realpolitischen Brutalität zu opponieren.
Die zentralen ästhetischen Verfahren sind dabei die Collage, das Zitat/Sampling, die später erläuterte Transfer-Emotion und der Fake. Darüber hinaus ist die Kollektivierung der politischen Forderungen durch die Bildung temporärer Allianzen zwischen KünstlerInnen, Medien und Publikum, die durch partizipative Formen und ein offenes Werk ermöglicht werden, das Alleinstellungsmerkmal des ZPS.

Stefan Sulzenbacher: Binge-Watching 3.0? (Post-)Televisuelle Remediatisierungen von Männlichkeit

Abstract
Der Beitrag nimmt gegenwärtige Transformationen von Fernsehen und Männlichkeit(en) am Beispiel des House of Cards-Binge-Events in den Blick, das vom selbstbezeichneten „Männer-Sender“ ProSieben MAXX Anfang September 2014 veranstaltet wurde. Auf performativitätstheoretischer Grundlage wird das Event als vergeschlechtlichtes Medienereignis perspektiviert und hinsichtlich seiner prozesshaften Verschränkung von Fernsehen und Männlichkeit befragt. Zu diesem Zweck werden mit einem Plakat und einem Werbespot zwei das Event mitkonstituierende marketingstrategische Paratexte mittels einer visuellen Diskursanalyse erschlossen und auf diese Weise (Dis-)Kontinuitäten vergeschlechtlichter medialer Macht-Wissens-Relationen herausgearbeitet. Das Event kann somit in seiner diachronen Dimension medienhistorisch als Akt der Remediatisierung gefasst werden. Angesichts der Ambivalenz mit der die Paratexte televisuelle und posttelevisuelle Konventionen zitieren, werden schließlich Fragen nach prozessualen Verschränkungen und gegenseitigen De- und Restabilisierungen von Fernsehen und Männlichkeit in postfeministischen Medienkulturen diskutiert.

Erik Koenen: Erich Everth – Wissenstransformationen zwischen journalistischer Praxis und Zeitungskunde Biographische und fachhistorische Untersuchungen

Abstract
Gegenstand und Thema der in dem Beitrag präsentierten Dissertation sind biographische und fachhistorische Untersuchungen zu dem Journalisten und Zeitungskundler Erich Everth (1878-1934). Als erste umfassende wissenschaftliche Biographie zu Everth schließt die Promotionsschrift eine markante Forschungslücke in der disziplinären Frühgeschichte der Kommunikationswissenschaft. Denn trotz der exponierten Position, die Everth von 1926 bis 1933 in Leipzig als deutschlandweit erster und einziger ordentlicher Professor für Zeitungskunde einnahm, sind sowohl seine Lebensgeschichte wie seine wissenschaftlichen Leistungen nur marginal erforscht und dem Fachgedächtnis der Kommunikationswissenschaft weitgehend entschwunden. Nach wie vor hochaktuell und modern ist Everth durch seine originäre Idee, die Zeitungskunde als interdisziplinäre Integrationswissenschaft mit dem expliziten Erkenntnisfokus auf „Öffentliche Kommunikation“ zu entwerfen, womit er im Kern den fachpolitischen Diskussionen im Zusammenhang mit der sogenannten sozialwissenschaftlichen Wende der Kommunikationswissenschaft in den 1960er- und -70er Jahren vorgriff.

Erik Koenen wurde für seine Dissertation 2016 mit dem zum dritten Mal vergebenen Nachwuchsförderpreis der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ausgezeichnet. Dieser Beitrag stellt die Dissertation in ihrer Konzeption sowie zentrale Resultate vor.

Rezensionen 3/2016

Martina Thiele: Medien und Stereotype. Konturen eines Forschungsfeldes. Bielefeld: transcript Verlag, 2015, 501 Seiten.
– rezensiert von Barbara Metzler, Wien

Ernst Jünger & André Müller: Gespräche über Schmerz, Tod und Verzweiflung. Herausgegeben von Christophe Fricker. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag 2015, 234 Seiten
– rezensiert von Thomas Ballhausen, Wien

Andreas Hepp, Monika Elsler, Swantje Lingenberg, Anne Mollen, Johanna Möller & Anke Offerhaus: The Communicative Construction of Europe. Cultures of Political Discourse, Public Sphere and the Euro Crisis. Houndmills, Basingstoke: Palgrave, McMillan, 2016, 299 Seiten
– rezensiert von Christian Schwarzenegger, Augsburg