Richard Hölzl: Imperiale Kommunikationsarbeit Zur medialen Rahmung von Mission im 19. und 20. Jahrhundert

Abstract
Bis aus den komplexen sozialen Realitäten kultureller Kontaktzonen anschlussfähige und massenhaft verbreitete Erzählungen wurden, mussten viele AkteurInnen reichlich institutionell eingebundene und nach bestimmten Regeln organisierte Arbeit verrichten. Diese Arbeit war ein Beitrag zum umfassenden Werk kultureller Begegnung. Als heuristischen Begriff, um diese Vorgänge zu beschreiben, schlägt dieser Artikel „imperiale Kommunikationsarbeit“ vor. Der Begriff stellt eine notwendige Ergänzung zu prozesshaften Konzepten wie Übersetzung, Transfer, Verflechtung oder Zirkulation dar. Mit dem Arbeitsbegriff wird ein praxeologischer Schwerpunkt gesetzt, der die Machtasymmetrien kultureller Beziehungen ausleuchtet. Am Beispiel eines autobiografischen Textes des tansanischen Missionslehrers Pauli Holola, der 1935 in einer Missionszeitschrift publiziert wurde, werden die Techniken und Arbeitsweisen „imperialer Kommunikation“ analysiert. Hololas Lebensbericht wird in den Kontext der Entwicklung katholischer Missionspropaganda seit dem 19. Jahrhundert gestellt. Am Ende steht die Frage nach der Selbst-Präsentation Hololas und ihrer (Un)sichtbarkeit für die europäischen RezipientInnen.