Gerd Hallenberger: Zu mir, zu dir oder ins Fernsehen? Beziehungsarbeit als Gegenstand nonfiktionaler Fernsehunterhaltung

Abstract
Liebeskommunikation war immer schon ein zentrales Element fiktionaler Unterhaltungsangebote aller Medien, aber für nonfiktionales Fernsehen nicht so einfach zu verwenden. Dieser Beitrag behandelt den Umgang mit dem Thema in nonfiktionalen Fernsehsendungen in Deutschland, Geschichte und Entwicklung des Programmsegments, Einflüsse und Kontexte. Welche Rolle spielten sozialer, kultureller und medialer Wandel, welche Genres wurden wann verwendet? In den Anfangsjahren waren es Spielshows, in denen mehr oder weniger humorvoll „getestet“ wurde, wie gut ein Paar zusammenpasste. Kennenlernshows, in den USA seit den 1940er-Jahren ein beliebtes Subgenre, kamen relativ spät nach Deutschland – erst 1987 gab es eine deutsche Version des amerikanischen The Dating Game. In den folgenden Jahren wurden die Konsequenzen der Einführung kommerzieller Fernsehsender deutlich sichtbar – die Zahl der Sender wuchs beständig, aus ZuschauerInnen wurden „KundInnen“ und der ZuschauerInnenalltag zum zentralen Programmgegenstand. Liebeskommunikation wurde zu einem in unterschiedlichsten Genres und Formaten aufgegriffenen Sujet – was auch darauf hinweist, wie prekär das Konzept der romantischen Liebe heute geworden ist.

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