Thomas Wiedemann: Die Praxis als indirekter Taktgeber der Publizistikwissenschaft

Der Zusammenhang von Akteurs-Eigenschaften, Fachstrukturen und Strategien der Legitimationsgewinnung

Abstract
Der Beitrag fragt nach dem Stellenwert der Medien- und Berufspraxis für die Entwicklung der Kommunikationswissenschaft. In den Mittelpunkt gerückt wird dafür die Ausgestaltung der Publizistikwissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg an der Universität Münster in Person von Walter Hagemann, die exemplarisch für den Zusammenhang von Akteurs-Eigenschaften, Fachstrukturen und Strategien der Legitimationsgewinnung steht. Es wird angenommen, dass die Praxis über weite Strecken des 20. Jahrhunderts ein indirekter Taktgeber für die Entwicklung des Fachs war, weil zu seinen führenden Figuren lange Zeit SeiteneinsteigerInnen aus Journalismus, Verlagswesen und Politik zählten, die dem Legitimationsdefizit des Fachs auf Basis ihrer eigenen Berufsvergangenheit vor allem mit einer praxis- bzw. anwendungsbezogenen Wissenschaft begegneten. Mit dieser Strategie ließ sich zwar die Fortexistenz des Fachs sichern, aber kaum akademische Legitimation erreichen. Das Streben nach genuin wissenschaftlicher Reputation und korrespondierend eine zunehmende Distanz zur Medien- und Berufspraxis sowie zu gesellschaftlichen Fragen waren somit bereits in dieser Phase der Fachentwicklung vorgezeichnet.

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