Lisa Bolz: Nachrichtenpräsentation im 19. Jahrhundert

Der Wandel von Nachrichtenproduktion und Berichterstattung durch
technische Innovationen

Nachrichten unterliegen technischen Transmissions- und Produktionsbedingungen, die jeweils ihre Epochen prägen. Im 19. Jahrhundert war neben der Eisenbahn und neuen Drucktechniken der Telegraph von besonderer Bedeutung für das Pressewesen. Ab dem Zeitpunkt der Öffnung des Telegraphen für den privaten Gebrauch wurde dieser auch für journalistische Zwecke verwendet, vor allem die Nachrichtenagenturen nutzten die Telegraphie für den eigenen Profit. Die allgemeine Bevölkerung hatte nur selten direkten Zugang zur neuen Technik und konnte sich nur durch die regelmäßige Erwähnung der Telegraphie in der Literatur oder in der Zeitung ein Bild von ihr machen. Neben der medialen Repräsentation der Telegraphie wurde ihr Aufkommen auch als Übertragungstechnik in den Zeitungsredaktionen begrüßt, wobei die neue Technik neue Routinen erforderte, wie die Berücksichtigung einer neuen Temporalität und häufig sehr spät eintreffender Nachrichten. Schließlich hatte die journalistische Nutzung des Telegraphen zur Folge, dass dieser auch die Art und Weise des Formulierens, des Schreibens, des Redigierens von Nachrichten prägte. Ein telegraphischer Stil, ein Nachrichtenstakkato, fand Einzug in die Zeitungsseiten und beeinflusste maßgeblich u. a. die Auslandsberichterstattung der Nachrichtenagenturen und damit auch das Bild des Auslands, das über diesen Kanal kommuniziert wurde.

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