Andrea Reisner: Im Zeichen der Rotationsmaschine Zum Bild des Journalismus in Heimito von Doderers Roman "Die Dämonen"

Abstract

In diesem Beitrag werden für die historische Kommunikationsforschung relevante Teile meiner Dissertation über Schreibszenen in Heimito von Doderers Dämonen präsentiert. Welches Bild zeichnet Doderer, der sich vor allem in der Zeit der Ersten Republik selbst als Journalist versuchte, in diesem 1956 erschienenen Roman von der Zeitungsbranche? Dieser Frage wird anhand einer genauen textlichen Analyse des Romankapitels „Die Allianz“ nachgegangen. Das redaktionelle Personal ist in ein Geflecht teils verborgener Beziehungen und Abhängigkeiten verstrickt und streng hierarchisch unterteilt, von einer grauen Eminenz an der Spitze des Konzerns bis hin zu den ganz unten stehenden anonymen freien Mitarbeitern („Larven“). Aufschlussreich ist es auch, einen genaueren Blick auf das fiktive Verlagsgebäude zu werfen, das als Labyrinth aus Gängen und Treppen erscheint. Journalistisches Schreiben wird in den Dämonen nicht als intellektuelle Tätigkeit, sondern – in Abgrenzung etwa zum schriftstellerischen oder wissenschaftlichen Schreiben – als körperlich anstrengende Schufterei, als Drecksarbeit geschildert. Ein Vergleich von Doderers Darstellung des Journalismus mit einer NS-Propagandaschrift fördert zuletzt etliche Parallelen in der Verwendung antisemitischer Klischees zutage

 

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinFacebooktwittergoogle_plusredditlinkedin