Ina Markova: Der Weg zu Waldheim (1963-1988)

Die Entdeckung des „Anschlusses“ und der österreichische Gedenktagsjournalismus

Abstract
„Gedenkjahre“ sind mittlerweile ein Fixpunkt im österreichischen Journalismus-Betrieb. Daran war unmittelbar nach 1945 noch nicht zu denken. Vorliegender Artikel untersucht in der Folge, wie es überhaupt zur Ausbildung eines Gedenktagsjournalismus kommen konnte, wie es dazu kam, dass bestimmte Fotografien der NS-Vergangenheit zu Schlüsselbildern mutierten und welche geschichtspolitischen Zäsuren zur Formierung des heute noch wirkmächtigen Bilderkanons der Zweiten Republik beigetragen haben. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf dem Zeitraum zwischen den 1960er-Jahren bis Ende der 1980er-Jahre, vor allem auf der Berichterstattung rund um die Ausstrahlung der TV-Serie Holocaust sowie dem immer noch zentralen „Gedenkjahr“ 1988, das in vielerlei Hinsicht Standards bezüglich der Grenzen des Zeigbaren und Sagbaren setzte. Denn vor dem Hintergrund der „Affäre Waldheim“ setzten sich 1988 österreichische Medien intensiv mit dem 50. Jahrestag des „Anschlusses“ auseinander. In der Analyse von österreichischen Leitmedien (die Zeitungen Die Presse, Kurier, Kronen Zeitung sowie die Zeitschrift profil) sowie Schnittarchiven werden Prozesse, Visualisierungsmodi und einige zentrale AkteurInnen herausgearbeitet.

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