Franz Hartl: Der Mordfall Katharina Fellner im Jahr 1928 Kriminalberichterstattung der Zwischenkriegszeit am Beispiel der Wiener Boulevardzeitung "Der Tag". Ein Arbeitsbericht

Einleitung: Jeder Zeitungsleser kennt es – ein Phänomen von zeitloser Aktualität, in aller Regelmäßigkeit und stets gern aufs neue von den Zeitungen beschrieben: den Mord. Als radikalste Form menschlicher Auseinandersetzung hat er einen fixen Platz in der Gesellschaft. Zwar wird er in dieser allgemein besonders verabscheut und zudem als schlimmstes aller Verbrechen auch dementsprechend verfolgt und bestraft, darüber gelesen – und somit auch geschrieben – wird aber immer wieder gerne.

In vielen Fällen klären sich die Sachverhalte schnell, und der Mörder wird bald gefaßt. Dieser für Leser wie Journalisten gleichermaßen befriedigende Ablauf von Schuld und gerechter nachfolgender Strafe, bietet meist nur kurzfristig Anlaß, in den Gazetten gedruckt zu werden. Zwei bis drei Art ikel über das Opfer, den Täter, die Polizei und die Gerechtigkeit – mit und ohne Darstellung sozialer Hintergründe – entstehen dabei und hinterlassen beim Schreiber den Eindruck von aufrichtig geleisteter Arbeit und beim Leser Befriedigung über den Ablauf der Dinge.

Hier soll nun ein Mordfall in den Mittelpunkt gerückt werden, der gänzlich anders liegt. Einer, der über längere Zeit hinweg vielen Kriminalisten, Juristen und natürlich den Journalisten Kopfzerbrechen bereitete – und der auch nie endgültig geklärt wurde.

Es war der Mord an Katharina Fellner. Die mediale Aufmerksamkeit, die man diesem Mordfall im Zeitraum von Juli 1928 bis März 1931 zu Recht entgegenbrachte, war außergewöhnlich groß.

Wie die Berichterstattung zu dieser Causa nun konkret aussah, soll anhand der auf den “Fall Fellner” bezogenen Artikel des Wiener Blattes Der Tag aufgezeigt werden. Die Beschreibung der Zusammenhänge und Ereignisse rund um den Mordläll orientiert sich dabei ausschließlich an den Darstellungen dieser Zeitung. Darauf muß insofern hingewiesen werden, als in verschiedenen Büchern, deren Autoren ebenfalls zum Thema recherchierten, deutlich abweichende Fakten aufscheinen. Zudem wird auch kurz die Rolle des Tag in der Wiener Medienlandschaft der 20er und 30er Jahre sowie sein Themen verhalten deskriptiv herausgearbeitet. …

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