Norbert P. Feldinger: „Wort und Wahrheit“ Portrait einer katholischen Zeitschrift

Einleitung: Im April 1946 erschien in Wien das erste Heft der Monatsschrift für Religion und Kultur Wort und Wahrheit. Ihre Gründer waren die Theologen Otto Mauer und Karl Strobl.

Strobl widmete sich als Studentenpfarrer dem Aufbau der neuen Hochschulgemeinden. Dieser Studentenarbeit gab er auch den Vorzug und legte daher schon nach dem ersten Jahrgang Redaktionsarbeit und Herausgeberschaft der neugegründeten Zeitschrift zurück.

Otto Mauer, geboren 1906 in Brunn am Gebirge, betätigte sich ebenso wie Strobl schon früh in der Jugendbewegung „Neuland“, er war Mitarbeiter im Kreis von Karl Rudolf und ein Freund Michael Pflieglers. Bekannt wurde er schon in der Ersten Republik als Prediger, die Publikationen Auferstandene und Das verborgene Antlitz sind daraus entstanden. Während der gesamten 28 Jahrgänge war Mauer die stärkste Säule und treibende Kraft dieser Zeitschrift. Der Vorschlag der beiden Landsmannschaftsbrüder Mauer und Strobl, eine katholische Zeitschrift zu gründen, wurde von Albert Beuchert, dem Leiter des Wiener Herder-Verlages, gerne aufgegriffen. Es galt, die Rückständigkeit gegenüber der Welt, von der man für viele Jahre abgeschlossen gewesen war, aufzuholen. „Dissidenten des herrschenden Zeitgeistes“, wie der Jesuit und spätere Konzilstheologe Karl Rahner oder der Schweizer Philosoph Hans Urs von Balthasar waren dabei Geburtshelferder Idee zu dieser Zeitschriftengründung.

Wort und Wahrheit war in den ersten Jahren der Zweiten Republik, nach einer langen Periode der gelenkten und gefilterten Desinformation, eines von vielen neu- gegriindeten Periodika. Allesamt stellten sie inmitten der Zerstörung und wirtschaftlichen Not einen Vorstoß in ein kulturelles Vakuum ckur. So groß die Fülle an Neu- und auch Wiedererscheinungen in den Jahren 1945 und 1946 auch war, die meisten Publikationen wurden nach wenigen Jahren – oft schon nach wenigen Ausgaben – bereits wieder eingestellt. Die Gründe lagen zumeist in der Papiernot und den fehlenden finanziellen Mitteln. Wort und Wahrheit stellte eine Ausnahme dar. Diese Zeitschrift konnte bestehen, da die katholische Kirche und der Herder-Verlag dieses Projekt finanziell getragen haben.
Die Redaktionsräume befanden sich in den ersten beiden Jahren im Haus des Herder-Verlages in der Wollzeile, damals Teil der sowjetischen Besatzungszone, ehe die Redaktion in die Holburg übersiedelte.

Das erste Heft wird mit einem Gedicht von Georg Trakl eingeleitet:

Menschheit

Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,
Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,
Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt;
Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:
Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.
Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.
Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen.
Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.
Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;
Sankt ‚Iliomas taucht die Hand ins Wundenmal.

Trakls Gedicht „Menschheit“, gleichsam als Modo am Beginn des ersten Heftes, und Verse aus dem „Mysterium der Hoffnung“ von Charles Péguy stehen für die erste literarische Linie. In den folgenden Heften des ersten Jahrgangs wurden österreichische wie auch ausländische Autoren vorgestellt: Max Mell, Paula von Preradovics, Rudolf Henz, Gertrud von LeFort, Elisabeth Langgässer, Eduard Schaper, Graham Green, Paul Claudel, Julien Green und Georges Bernanos seien als Beispiele genannt.

Die Auswahl der Autoren und die Aufbereitung der einzelnen Beiträge zeigten deutlich, daß Wort und Wahrheit in ihrer Anlängsphase von Ludwig von Fickers Innsbrucker Revue der Zwischenkriegszeit Der Brenner inspiriert wurde.

Im zweiten Heft des ersten Jahrgangs wurde die Rede Ignaz Zangerles, einem der Hauptmitarbeiter des Brenner, anläßlich der Eröffnung des katholischen Bildungswerkes Innsbruck abgedruckt. Im selben Heft findet sich ein Artikel des Jesuiten Erich Pryzwara überden englischen Kardinal John Henry Newman, in dem Unterschiede wie Gemeinsamkeiten zwischen Newman und Sören Kierkegaard herausgearbeitet wurden…

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