Wolfgang Duchkowitsch: Von Karl Oswin Kurth zu Kurt Paupié Eine Geschichte ideologischer Konformität?

Einleitung: Kurth, geboren 1910 in der sächsischen Kleinstadt Döbeln, war zehn Jahre älter als der in Linz auf die Welt gekommene Paupie. 1968 kreuzten sich ihre Lebenswege. Beide bewarben sich um die – laut Dienstpostenplan der Universität Wien neu geschaffene – Lehrkanzel für Zeitungswissenschaft an der Universität Wien. Die Berufungskommission reihte sie „primo et aequo loco“, Heinz Otto Sieburg „secundo loco“. Der Mitbewerberin Marianne Lunzer-Lindhausen, seit 1943 Assistentin am Institut und kraft ihrer unbelasteten Vergangenheit nach dem Ende des „Dritten Reichs“ als Assistentin weiterhin aktiv, attestierte die Kommission, eine „ausgezeichnete Lehrkraft“ und „vorzügliche Mitarbeiterin“ zu sein. Für eine Reihung an vorderer Stelle komme sie aber nicht in Frage. Seit ihrer Habilitationsschrift habe sie nämlich „kaum nennenswerte“ Publikationen hervorgebracht, woran „verschiedene familiäre Schicksalsschläge“ schuld seien.

Nachdem die Berufungskommission beschlossen hatte, Lunzer diese Begründung in geeigneter Form zukommen zu lassen, entschloss sie sich im nächsten Verfahrensschritt, Paupie den Vorzug vor Kurth zu erteilen. Für ihn spreche insbesondere der Band 2 seines „Handbuchs der österreichischen Pressegeschichte 1848-1959“. Der Band habe im In- und Ausland große Anerkennung gefunden, dokumentiert v.a. durch eine Rezension von Wilmont Haacke. Diese Beurteilung ergänzte ein extra eingeholtes Gutachten, verfasst von Rene Marcic. Er war während des 2. Weltkriegs (mit einer kurzen Unterbrechung) von 1943 bis Mai 1945 Kultur- und Pressereferent beim kroatischen Generalkonsulat in Wien, er stand also im Dienste der faschistischen Ustascha-Regierung. Ab 1946 war er Gerichtssaalreporter bei den Salzburger Nachrichten, ab 1954 Chefredakteur-Stellvertreter und von 1959-1964 Chefredakteur. 1959 habilitierte er sich für Allgemeine Staatslehre. 1963 erhielt er eine Professur für Rechts- und Staatsphilosophie in Salzburg und war Spiritus rector für die Gründung des dortigen Instituts für Zeitungswissenschaft.

Marcic beglaubigte Paupie, der im Wintersemester 1966/67 und im folgenden Semester eine Vorlesung zur „Geschichte der politischen Presse in Österreich“ am Institut für Zeitungswissenschaft der Universität Salzburg abgehalten hatte, „als einziger in profunder Weise die wissenschaftliche Theorie des Fachs“ vertreten zu haben, „neben“ [!] Hans Wagner, damals Assistent am Institut für Zeitungswissenschaft in München. Paupie würde gerne in Salzburg gesehen werden. Eine Berufung an das Salzburger Institut würde das Wiener Institut jedoch als „unfreundlichen Akt“ betrachten. So hoch gewürdigt, konnte Paupie die Lehrkanzel besetzen. …

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