Wolfgang Duchkowitsch & Verena Wahl: Versunkene Radiowelt Kulinarische und andere Empfehlungen für eine neue Rundfunkgeschichte

Einleitung: „Hallo, hallo, hier Radio Hekaphon auf Welle 600.“ So hatte sich der erste Radiosender Österreichs am 1. April 1923 gemeldet, betrieben von der Telephon & Telegraphenfabrik „Czeija, Nissl & Co.“ 18 Monate danach stellte „Radio Hekaphon“ sein Programm ein und die RAVAG nahm ihre ersten Sendungen während der Herbstmesse 1924 auf, zwei Jahre nach Gründung der BBC in England und ein Jahr nach Einführung des Rundfunks in Deutschland. Der offizielle Start der RAVAG (Radio-Verkehrs AG) erfolgte am 1. Oktober mit der Ausstrahlung einer Festveranstaltung, eingeleitet von einem Richard Wagner- Konzert. Rudolf Henz, später selbst beim Rundfunk in Österreich tätig, erinnerte sich stolz an jene Tage: „Plötzlich begann die Luft zu erklingen! Mit einfachsten, ja lächerlichen selbstgebauten Apparaten konnte man Töne und Stimmen einfangen. Diese Übertragung von elektromagnetischen Wellen, die im Kopfhörer zum Tönen gebracht werden konnten, war ein Wunder.“ (Ergert, 1974, S. 74). Und ein anderer Zeitzeuge berichtete: „Jeder, der nur halbwegs mit dem Schraubenzieher umzugehen verstand, versuchte sich einen Detektorapparat selbst zu bauen, um so schnell als möglich am Radioempfang teilnehmen zu können. Es war ja auch nicht schwer. Etwas Pappe, einige Meter Draht und ein Kristall genügten, um zu Hause die entferntesten Klänge hervorzuzaubern.“ (w.o)

Die Ausbreitung des Rundfunks in Österreich vollzog sich über mehrere Etappen. So dauerte es in Klagenfurt und in Innsbruck rund zwei Jahre, bis die Zwischensender in Betrieb genommen werden konnten, und der Zwischensender Salzburg war erst nach fünfeinhalb Jahren einsatzbereit. Und dennoch standen bereits 1930 in 400.000 Haushalten Radioapparate, 1938 waren es 582.000 (Das kleine Kino- und Radio-Blatt, 1938, Nr. 1, S. 2.). …

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