Eckart Früh: Sonka, Serke, Wehle und ich

Einleitung: Hugo Sonnenschein, der sich Sonka nannte, wurde am 25. Mai 1889 in Kyjov, einem mährischen Städtchen unweit Brünn, geboren. Nach dem Besuch der Schulen war er schreibend, arm und obdachlos in Wien. Er führte ein unstetes Wander- und Vagabundenleben, das ihn durch halb Europa trieb. Darum geht es in seinen frühen Gedichten. Die Erfahrung der Landstraße drängte ihn zu extremer Stellungnahme. Dem Lumpenproletariat fühlte er sich zugetan; ihm machte er nicht ohne Emphase zum Gebot:

Wer dir von Pflicht
der Arbeit spricht,
dem speie ins Gesicht!
Stiehl! Du! Bettel nicht.

Bei Ausbruch des ersten Weltkriegs, der in ihm einen entschiedenen Gegner fand, wurde Hugo Sonnenschein assentiert, diente als Soldat auf dem Balkan, desertierte im Herbst 1918 und schloß sich der Roten Garde an. Das Erlebnis des Krieges hatte den anarchistischen Literaten und Bohemien zum radikalen Fürsprecher des Sozialismus gemacht — auch in lyrischer Form:

Dein Schlachtruf, Proletariat:
Mit Wladimir Iljitsch auf zur Tat!

Bei der Gründung der Kommunistischen Partei Österreichs, bei der Gründung der tschechischen Schwesterpartei war er dabei. Er wurde Mitglied, 1927 jedoch wegen trotzkistischer Abweichung wieder ausgeschlossen. Er war literarisch tätig und kulturpolitisch. Als im Mai 1933 der 11. Internationale PEN-Kongreß stattfand, trat er, unaufgefordert und ohne Mitglied der österreichischen Delegation zu sein, für die verfolgten deutschen Schriftsteller ein. So verging die Zeit, die der Republik gegeben war. Nach der Zerschlagung der österreichischen Sozialdemokratie im Februar 1934 ging man amtswegig gegen ihn vor. Hugo Sonnenschein wurde „für beständig aus Österreich abgeschafft“. Er ging in die Tschechoslowakei…

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