Andreas Ulrich: Rundfunkforschung in Österreich Eine Bestandsaufnahme von Versäumnissen und Erfolgen

Einleitung:

„Ich wandte mich in der Folge an den Leiter des ORF-Archivs in Wien, Dr. Peter Dusek, der mir von meinem Thema abriet, da über die Rundfunkgesehichte Salzburgs nur wenig vorhanden sei. Im Salzburger Landcsstudio verwies man mich wiederum an den ORF in Wien (…) Außer einigen Tondokumenten, vor allem über Rot- Weiß-Rot, den Nachkriegsrundfunk in Salzburg, existiere sehr wenig Material, so die Mitarbeiter des Landesstudios.“
Christine Schweinöstcr über die Mühsal der Recherche im Vorwort ihrer Diplomarbeit (Schweinöster, 1989)

Nahezu 70 Jahre sind nun vergangen, seit mit der Gründung der RAVAG im Jahre 1924 das institutionalisierte Rundfunkzeitalter (der Terminus „Rundfunk“ wird im folgenden synonym für Hörfunk verwendet) hierzulande begann. Trotz dieser relativ langen Zeitspanne kann man, ohne zu übertreiben, von einer Nichtbeachtung der historischen Kommunikationsforschung in Österreich, den Hörfunk betreffend, sprechen. Was Wunder, wenn neuere Forschungsarbeiten meist auf Sekundärliteratur von Nachbardisziplinen respektive auf zeitgeschichtliche Untersuchungen zurückgreifen müssen. Hätte beispielsweise Oliver Rathkolb in seiner Dissertation die amerikanische Sendergruppe „Rot-Weiß-Rot“ nicht mitthematisiert (Rathkolb, 1981), so wäre sie für mich vermutlich heute noch ein weißer Fleck auf der Rundfunklandkarte Österreichs, und meine Diplomarbeit wäre nicht geschrieben worden (Ulrich, 1993).

Worin gründet nun abgesehen von der eingangs zitierten, so treffend geschilderten archivarischen Irrsuche nach Quellenmaterial (worüber weiter unter noch zu sprechen sein wird) die kommunikationshistorische Abstinenz an Fragen den Rundfunk betreffend? Antworten darauf, die zugleich eine Bestandsaufnahme bisheriger Forschung und mögliche Wegmarkierungen für künftige Vorhaben sein sollen, versucht dieser Aufsatz zu geben. …

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