Christiane Pernold: Remigration und Wiedereingliederung ab 1933/34 bzw. 1938 emigrierter und nach 1945 nach Österreich zurückgekehrter jüdischer Journalistinnen und Journalisten Ein Werkstattbericht

Einleitung: Allgemeine Erläuterung der Situation
Es ist davon auszugehen, dass sich viele jüdische Journalistinnen und Journalisten im Exil eine neue Existenz aufbauten, bzw. aufbauen mussten, um überleben zu können. Der Entschluss zur Rückkehr brachte Probleme mit sich; „Die Rückkehr über die Grenze aktivierte erneut das traumatische Erlebnis, die erlittene Spaltung. Psychisch erwies sich die Rückkehr oft als ein ebenso schwieriger Prozess wie die Emigration.“ (Krauss, 2001, S. 28)

Jene jüdischen Journalistinnen und Journalisten, die sowohl vor 1938 als auch im Jahr 1938 und folgend ins Exil gingen, kehrten nach 1945 in ein inzwischen fremdes Land zurück. Gewiss war die Entscheidung zur Rückkehr von vielerlei Faktoren abhängig, die schwierigste Entscheidung allerdings lag bestimmt darin, ob die vor vielen Jahren im Exilland neu geschaffene Existenz zu Gunsten des Heimatlandes nun wieder aufgegeben werden sollte. Eine weitere Rolle spielte der Umstand, dass die Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft mit der Überwindung von bürokratischen Hindernissen verbunden war.

Zu einem zentralen Problem der Remigration wurde, dass sich viele Exilierte trotz der Rückkehr weiterhin als Außenstehende, nicht Zugehörige fühlten. Sehr häufig waren vor allem links orientierte Journalistinnen und Journalisten von damals auch aktive Parteimitglieder und schrieben für Parteiblätter; auch waren sie meist nicht nur für eine Zeitschrift tätig, sondern für mehrere (wie z.B. Karl Sailer für die Arbeiter-Zeitung und für das Kleine Blatt; Klara Mautner für die Arbeiter-Zeitung und die Neue Freie Presse usw.). Im Folgenden sollen sowohl wesentliche Grundgedanken dieses Diplomarbeitsprojektes skizziert, als auch bereits auf einige Teilergebnisse hingewiesen werden. …

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