Bettina Müller: RAWA – und die Medien

Einleitung:

“Afghanische Frauen. Sie sind – noch immer – die Opfer der institutionalisierten, alltäglichen Gewalt. Sie machen (sich) ein Bild. Ohne Weichzeichner, sondern mit geschärften Kanten. Abgehackte Hände, verbrannte Gesichter und Hinrichtungen werden gezeigt – und gekauft. Von den Großen, wie z.B. der BBC. Und angesehen – von Medienkonsu- mentInnen auf der ganzen Welt.

Die Aufnahmen werden mit dem Risiko, die Gesundheit, das Leben – oft auch das Angehöriger – zu verlieren, gemacht. Was erwarten sich die Akti- vistinnen der Revolutionary Women’s Organization of Afghanistan (RAWA) mit der Veröffentlichung von solchem Bildmaterial?

Eine Anfrage.”

 

Afghanistan – ein heterogenes Land

In Afghanistan leben 57 verschiedene Volksgruppen mit sehr unterschiedlichen sozialen Systemen und Sprachen. Seit 1747 versuchten Könige, Eroberer und Warlords aus größeren Volksgruppen, meist Pashtunen, einen Zentralstaat aufzubauen – meist mit Gewalt, nie mit durchgreifendem Erfolg. Den ersten Reformversuch zu einem Rechtssystem nach westlichem Muster machte Amir Amanullah Khan (1919 – 1928), der mit seinen Reformen (u.a. Modernisierung des Islam, Entschleierung der Frauen, allgemeine Schulpflicht und Gleichberechtigung aller Volksgruppen) direkt in die sozio-kulturellen Bezüge der afghanischen Gesellschaft eingriff und sich damit Gegner schuf. Der Widerstand organisierte sich und führte zum Sturz des Königs – er gilt als Wurzel des islamistischen Widerstandes gegen spätere Reformbestrebungen. …

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