Karin Moser: Propaganda- und Gegenpropaganda Das "kalte" Wechselspiel während der alliierten Besatzung in Österreich

Einleitung: Krisen- und im speziellen Kriegszeiten führen stets zu einer Intensivierung der Propagandatätigkeit und Medienkontrolle. Dabei liegt das Prinzip vor, den politischen Gegner anzugreifen und zu demotivieren, während die eigene Klientel bzw. Bevölkerung für die partei- und/oder staatsinternen Ziele motiviert werden soll.

Im Zweiten Weltkrieg war das Vorgehen der kriegsführenden Mächte dementsprechend. Auf beiden Seiten wurden großangelegte Propagandaaktionen durchgeführt, auf beiden Seiten unterlag der gesamte Medienapparat einer strikten Kontrolle.

Unter den alliierten Mächten hatte die Sowjetunion das bereits am weitesten konzipierte Propagandasystem. Im postrevolutionären Russland wurde bereits 1918 mit dem Aufbau eines straffen Kontrollapparats begonnen, der Produktion, Zensur und Veröffentlichung von Medienprodukten der staatlichen Führung unterstellte und das bolschewistische Propagandamonopol sicherte. Die Sowjetunion hatte damit einen gewaltigen Vorsprung vor den anderen alliierten Mächten, die oft erst im Verlauf des Zweiten Weltkrieges ihr mediales Kontrollsystem voll ausbauen konnten.

Eine weitere grundsätzliche Unterscheidung ergab sich durch die Wertung des Begriffs „Propaganda“ seitens der Sowjetunion und der anderen alliierten Mächte. Die ursprüngliche, aus dem Lateinischen stammende Bedeutung des Terminus „Propaganda“ – ausbreiten, verbreiten, erweitern – wurde in der politischen Praxis erweitert. Die noch relativ neutrale Wertung, wonach man unter Propaganda die Übertragung von Ideen oder Werten von einer Person oder einer Gruppe von Personen zu anderen versteht, erfuhr in Verbindung mit dem Begriff „Manipulation“ eine pejorative Bedeutungsverschiebung. Manipulation verweist hierbei auf die missbräuchliche Nutzung der meinungsbildenden Wirkung der Massenmedien zur einseitigen Beeinflussung der Konsumenten.

Allerdings liegt die Deutung dieser Termini stets im Auge des Betrachters und ist politisch und gesellschaftlich motiviert. Im bolschewistischen Russland waren die Begriffe „Propaganda“ und Agitation“ durchaus positiv besetzt. Die Bolschewiken sahen sich als Propagandisten der einzig gültigen Wahrheit, die es zu verbreiten galt, um den sozialen und gesellschaftlichen Wandel im Sinne des Marxismus voranzutreiben. Die politische Manipulation fand hier ihre breite Anwendung, wurde von den Agitatoren als solche aber nicht verstanden. In den USA hingegen stand man dem Begriff „Propaganda“ bereits seit Ende des Ersten Weltkrieges sehr kritisch gegenüber. Die Amerikaner assoziierten mit dem Terminus stets den Kriegszustand. Propaganda galt als ein Phänomen des Krieges und war daher selbst negativ besetzt.

Die politische und militärische Propagandaarbeit im und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte demnach viele Erscheinungsformen und Namen. Die gegnerische Tätigkeit wurde dabei durchwegs als „Propaganda“ bezeichnet, wohingegen die eigenen Aktivitäten in den Bereich Informations-, Nachrichtendienst oder Öffentlichkeitsarbeit fielen. Speziell für die angloamerikanischen Mächte galt es, diese Begriffe zu unterscheiden. Während „Propaganda“ mit negativen Inhalten operierte, sollten „Information“ oder „publicity“ die positiven Aspekte der eigenen Politik hervorheben. Die Bezeichnung „Information“ war dabei gut gewählt, da sie von der Definition her das positive Gegenstück zur Propaganda darstellte: „Information offers people opportunities, while Propaganda teils them how to use those opportunities.“…

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