Eine Antwort von Bodo Rollka Plädoyer für eine vergleichende historische Kommunikationsforschung: Bausteine und Fragen

Einleitung
Die „Wiederbelebung“ der – wie Sie schreiben „verschütteten“ – historischen Methode der Rundfrage begrüße ich. Könnte sie doch einen Dialog, oder, bescheidener, zumindest einen Erfahrungsaustausch einleiten.
Sie fragen nach der Zukunft der Kommunikationsgeschichte, ihren Aufgaben, ihrem Wandel, ihren Perspektiven und ihren Chancen. Sie beziehen sich dabei auf die „persönliche wissenschaftliche Arbeit“, das Institut und das Gesamtfach.

Darf ich den Fragenkatalog meinen Prioritäten entsprechend stärker auf das über die engeren Fachgrenzen hinausgreifende übergreifende Erkenntnisinteresse und die damit untrennbar verbundene Frage nach der Funktion historischer Kommunikationsforschung in unserem Lehr- und Forschungsprogramm konzentrieren?

Sicher ist hier nicht der Ort, um über Vorbildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsmodelle zu räsonieren. Ich meine aber, daß historische Kommunikationsforschung sich in der Publizistikwissenschaft (als einem integrierenden Fach, das naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Ansätze und Methoden zu verbinden sucht) nicht nur aus historischen Gründen als ein unerläßlicher Stützpfeiler erweist.

Wie ich in meinem Beitrag zu Presse und Geschichte II (1987) ausführte, begreife ich historische Kommunikationsforschung als einen zentralen Bestandteil aller Ausbildungsformen im Bereich Journalistik/Publizistik. Sie ist dabei notwendig auf die parallele Erfassung der Geschichte der öffentlichen Kommunikation und der Wissenschaftsgeschichte unseres Faches und seiner Vorläufer (die auch in den Nachbarwissenschaften zu suchen sind) angewiesen. Deuteten verstärkte wissenschaftsgeschichtliche Ansätze in den letzten Jahren hier auf Forschungsdefizite hin, so haben sie doch gleichzeitig auch die Fragwürdigkeit nur eindimensionaler Ansätze unterstrichen.

Bei der Analyse der Kommunikation vergangener Epochen kann es nicht nur um die Rekonstruktion (und die damit verbundene Einladung zur Neubesichtigung) überholter Kommunikationsstrukturen gehen. Es geht auch nicht nur um mögliche Korrekturen, die Zerstörung von Legenden oder die beliebten relativierenden Feststellungen, es sei eben alles schon einmal dagewesen und deshalb erscheine noch immer Ruhe als die erste Bürgerpflicht gegenüber unangemessener Aufgeregtheit, wenn Innovationen in der Angebotsgestaltung oder neue Formen der Mediennutzung zu erneuter Überprüfung der Kommunikationslandschaft und ihrer Voraussetzungen auffordern. …

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