Oliver Rathkolb: Ein Projekt mit Ambitionen, das langen Atem und Frustrationstoleranz fördert Antworten zur Rundfrage

Während meines Studiums in Salzburg lernte ich im Rahmen eines Forschungsprojektes von Hans Heinz Fabris Fritz Hausjell kennen. Dieser war es auch, der mich schließlich in den Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung einlud. Die im Zuge meiner Dissertation (Politische Propaganda der amerikanischen Besatzungsmacht in Österreich 1945-1950. Ein Beitrag zur Geschichte des kalten Krieges in der Presse-, Kultur- und Rundfunkpolitik, Diss Wien 1981) entstandenen Kontakte zu Theodor Venus und Wolfgang Duchkowitsch gaben zusätzlichen Ausschlag.

(Ich bin in den Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung gekommen, da ich in Salzburg bereits Fritz Hausjell im Rahmen eines Forschungsprojekt von Hans Heinz Fabris kennengelernt habe und auch aufgrund meiner Dissertation Politische Propaganda der amerikanischen Besatzungsmacht in Österreich 1945-1950. Ein Beitrag zur Geschichte des kalten Krieges in der Presse-, Kultur- und Rundfunkpolitik. (Bd 1. 2. – Wien 1981. 624 BI. 8° Wien, Univ., phil. Diss 1981), Kontakt mit Theodor Venus und auch später mit Wolfgang Duchkowitsch hatte.)

Auf der Basis dieser Arbeitskontakte fiel der Entschluss, medien & zeit, als interdisziplinäres Fachorgan zwischen historischer Kommunikationsforschung und Zeitgeschichte, zu gründen. Auch wollten wir Tabuthemen im biographischen Bereich von Journalisten und Journalistinnen anhand neuer Forschungen aufbrechen bzw. zu Recht rücken, was dann auch entsprechend heftige Reaktionen nach sich zog. Gerd Bacher hat wohl manchen in der Szene der MedienmacherIn-nen vor rund 30 Jahren aus dem Herzen gesprochen, wenn er uns als „Jakobiner“ bezeichnete.

Die Arbeit in der Anfangsphase als Mitherausgeber und Redaktionsmitglied habe ich als sehr spannend empfunden – nur ehrlich gesagt waren mir die Sitzungen in diversen Lokalen zu lang. Gut in Erinnerung ist mir die frühe Produktion in der Nationalbibliothek geblieben und die Ausflüge mit Wolfgang Duchkowitsch in die historischen Tiefspeicher der ÖNB.

Ein Frusterlebnis war, als Bruno Kreisky oder sein Verleger Wolf Jobst Siedler Kreiskys ersten Memoirenband in Wien 1986 präsentierten – im Oberen Belvedere und zu meinem großen Frust gerade den Presse-Herausgeber Otto Schulmeister als Laudator ausgewählt hatte, über den wir gerade in medien & zeit 1/1986 seine verdeckte NS-Geschichte publiziert hatten. Da ich als historisches Gewissen an diesem Band mitgearbeitet hatte, gab ich auch diese Nummer über Schulmeister dem Altbundeskanzler zum Lesen. Er war sehr interessiert daran, an dem Laudator änderte dies aber nichts.

Die Zukunft der historischen Kommunikationsforschung liegt einerseits in der vergleichenden Analyse und der kritischen Transferanalyse. Gerade vor dem Hintergrund der globalen Umwälzungen im Medienbereich, stellt sich die Frage, welche tiefgreifenden Entwicklungen hat es seit dem 19. Jahrhundert schon gegeben, und wie haben JournalistInnen, MedienmacherInnen und die Öffentlichkeit, die RezipientInnen reagier.

Gerade im Bereich der angewandten Technologiefolgenforschung seit dem 19. Jahrhundert sehe ich großes Potential, um die digitale Revolution und deren medienhistorischen Implikationen besser einordnen zu können und auch entsprechend selbstbewusst darauf reagieren zu können.

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