Jürgen Wilke: Nachrichtenwerte im Wandel? Über den alliierten Einfluß auf den Nachkriegsjournalismus

Einleitung: Als der Zweite Weltkrieg 1945 nach unermeßlichen Zerstörungen und unsäglichem Leid zu Ende ging, Mitte April in Wien, knapp vier Wochen später in Berlin, bedeutete dies den Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft in dem totalitär regierten „Großdeutschen Reich“. Was damit stattfand, war eine Befreiung, wenn auch zugleich erst einmal durch Unterwerfung unter ein Besatzungsregime der Kriegsgegner. Dadurch eröffnete sich jedoch der Weg zu einem Neuanfang – politisch, wirtschaftlich, kulturell und auch journalistisch. Gewiß war er in jedem dieser Bereiche mit vielen Schwierigkeiten behaftet und benötigte Jahre, bis sich die Verhältnisse einigermaßen konsolidiert hatten. Hier soll nur von dem journalistischen Neubeginn die Rede sein, der jedoch – dessen muß man sich bewußt sein – schwerlich isoliert werden kann. So spielten wirtschaftliche Hemmnisse (vor allem Papiermangel) für ihn ebenso eine Rolle wie der Aufbau einer politischen Ordnung, die schrittweise einen demokratischen Charakter annehmen sollte. …

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