Monika Bernold: Nach dem Fernsehen. Fernsehgeschichte(n) im 21. Jahrhundert Vergleichend, transmedial, kritisch/ situiert, global

Autorin: Nichts ist weniger sicher, als dass es eines Tages eine Geschichte des Fernsehens geben wird“ (Daney, 2000, S. 192), schrieb der französische Filmwissenschafter Serge Daney 1987 und verwies damit auf die grundsätzliche Schwierigkeit, die mit dem Fernsehen als schwer eingrenzbarem Forschungsgegenstand verbunden ist. Judith Keilbach spricht in diesem Zusammenhang von dem Fehlen einer „autorisierten Gegenstandsdefinition“, die das „Fehlen einer autorisierten Geschichtsdefinition“ des Fernsehens begründe (Keilbach, 2005, S. 33). Anders als das Kino hat das Fernsehen keine „Werke“ und „Autoren bzw. Autorinnen“ hervorgebracht, sondern Programme und Formate, einen Fluss von Bildern, der wesentlich schwieriger in traditionelle Formen der Historisierung integrierbar ist. Fernsehen funktioniere, so Serge Daney, als „Sklave reiner Gegenwart“ und es sei daher nicht verwunderlich, dass es weder seine Geschichte noch seine Historiker hervorgebracht habe (Daney, 2000, S. 194).

Diesem Befund zum Trotz wurden in den letzten Jahrzehnten in vielen Ländern umfangreiche Historiographien des Fernsehens finanziert und daher auch verfasst. In der Bundesrepublik Deutschland etwa hat der sogenannte Sonderforschungsbereich Bildschirmmedien vor mehr als 20 Jahren einen breiten Impuls zur Erforschung verschiedenster Aspekte des Fernsehens gesetzt. In Österreich gab es in diesem Ausmaß kein vergleichbares Forschungs- bzw. Förderszenario, mit einigen Ausnahmen, beispielsweise der vom ORF selbst initiierten Reihen und Publikationen zur Fernsehgeschichte 1979 / 1980 und 1974-1985. Es fehlen hierzulande insbesondere seit den 1980er-Jahren im breiten Rahmen angelegte Forschungsförderprogramme und Studien. Eine großflächig und systematisch analysierte Programmgeschichte bzw. Institutionengeschichte des Österreichischen Fernsehens existiert daher bis heute nicht. …

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