Stefan Jarolimek: Kommunikationswissenschaftliche Transformationsforschung, quo vadis? Eine theoretische und empirische Skizze

Einleitung: Nach mehr als fünfzehn Jahren der Transformation und der Transformationsforschung bieten die Staaten des ehemaligen Ostblocks ein sehr unterschiedliches Bild. Die Vorzeigestaaten Polen und Tschechien haben es fast geschafft und sind seit Mai Teil der Europäischen Union. Das ehemalige Machtzentrum, die Russische Föderation, kämpft noch immer mit seiner Größe, seinen Oligarchen und verfolgt weiterhin eine nach westlichem Geschmack wenig demokratische Politik der harten Hand. Andere Staaten, die in ihren Transformationsbestrebungen nur schleppend vorankommen, darunter vor allem die mittelasiatischen Staaten, gelten als „consolidating authoritarian rules“ oder „failed states“ (Price, Rozumilowicz & Verhulst, 2002, S. 6) . Die vor allem von Politologen geführten Untersuchungen dieser Prozesse bestanden zunächst aus einer Sammlung empirischer Daten, die in einer Art dichten Beschreibung zusammengefasst und verglichen wurden.

Auf dieser ersten empirischen Basis versuchte man dann auch theoretische Annahmen zu formulieren. Dass sich so eine Vielzahl von Wissenschaftlern dies zur Aufgabe machte, lag wohl auch wesentlich daran, dass die deutsche Wiedervereinigung Teil der Transformationen jener Zeit war. Eins jedoch kann direkt zu Beginn festgestellt werden: Die Transformationstheorie gibt es nicht. Es wird daher im Folgenden darum gehen, die Defizite und Perspektiven der Transformationsforschung im Allgemeinen und für die Kommunikations- und Medienwissenschaft im Speziellen herauszuarbeiten. Auf Basis der erkannten Defizite sollen perspektivisch in einer Art theoretischer und empirischer Skizze Möglichkeiten zur umfassenden Untersuchung der Transformationsprozesse aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht erarbeitet, vor- und zur Diskussion gestellt werden. …

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