Anton Austermann: Kommunikationsgeschichte und gesellschaftliche Lernprozesse Pädagogische Reflexionen zu einem publizistischen Forschungsfeld

Einleitung
Wenn Menschen kommunizieren, können sie voneinander, auch miteinander lernen. Es kommt darauf an, daß sich ihr Wissen, ihr Bewußtsein, ihr Verhalten geändert hat: dann spricht man von Lernprozessen. Ob Menschen Gutes und Schönes oder Dummes und Schlimmes gelernt haben, ist wichtig unter normativen Gesichtspunkten, darf jedoch nicht die Frage verdecken, ob und wie überhaupt etwas gelernt wurde – und wenn’s „das Falsche“ war. Wissenschaft hat Wirklichkeit aufzuklären, nicht zu benoten. Die pädagogische Frage, ob sich Kommunikationsgeschichte auch als Vernetzung individueller und gesellschaftlicher Lernprozesse begreifen läßt, zielt nicht auf normative Erkenntnisurteile, sondern auf neue Struktureinsichten zur menschlichen Kommunikation.

Menschliche Austauschphänomene werden unter den Aspekten von Änderung und Nichtänderung gesehen – das ist die schlichteste Formel für die pädagogische Frage nach dem Zusammenhang von Kommunikation und Lernen. Im jeweiligen historischen Kontext ist dieser Zusammenhang ohnehin hochkomplex, bedarf also zu seiner kategorialen wie materialen Aufschließung gerade der schlichten Fragestellung.

Kommunikationsgeschichte läßt sich als fortwährendes Zusammenspiel individueller und gesellschaftlicher Lernprozesse, ja, Lerngeschichten begreifen – so lautet meine These. Vom möglichen Nutzen dieser pädagogischen Sichtweise auf das publizistische Phänomen Kommunikationsgeschichte handelt der folgende Text. …

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