Peter Musyl: Katholischer Journalismus: Wird der Freiraum enger? Österreichs kirchliche Publizistik kämpft um ihre kritische Offenheit – bisher mit Erfolg

Einleitung: „Mahnen Sie, wo Sie glauben, mahnen zu müssen!“ Als Kardinal Franz König diese Aufforderung vor Beginn des II. Vatikanischen Konzils an Österreichs katholische Journalisten richtete, war die Kirche im Aufbruch. Heute, bald 30 Jahre danach, sind Worte wie diese wohl kaum mehr von einem österreichischen Bischof zu hören. Das Klima in der katholischen Kirche hat sich – in Österreich und weltweit – seit den Tagen des Konzils spürbar gewandelt. Der Aufbruch der Konzilsära wurde abgebremst oder kam mancherorts überhaupt zum Stillstand, ja die Stimmen in der Kirche mehren sich, die einer „Restauration“ das Wort reden.

Vor diesem Hintergrund kommt man bei einer Analyse der katholischen Publizistik in Österreich zu einer erstaunlichen Feststellung: Obwohl auch sie unter starken Druck restaurativer und integralislischcr Kräfte geriet, die in der katholischen Kirche in den letzten Jahren wachsenden Einfluß gewannen, hat Österreichs katholische Publizistik diesem Druck im wesentlichen widerstanden! Die meisten Kirchenzeitungen, die katholischen bzw. kirchlichen Wochenzeitungen Die Furche und präsent, die theologischen Zeitschriften Diakonia und Linzer Theologisch-Praktische Quartalschrift, eine Vielzahl von Pfarrblättcrn und religiösen Zeitschriften mit spezieller Thematik (Mission etc.) und die Katholische Presseagentur Kathpress haben sich ihre kritische Offenheit ebenso bewahrt wie die von katholischen Journalisten gestalteten religiösen ORF-Sendungcn (die im übrigen schon nach den Bestimmungen des Rundfunk-Gesetzes amtskirchlichen Weisungen entzogen sind)…

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