Heinz P. Wassermann: „Hitler – eine Karriere“, „Schindlers Liste“ und die Tücken der Sozialwissenschaften

Einleitung: Ach ja, wäre es doch nur so einfach! Man setze Schulklassen in ein Kino, serviere ihnen dort einen sowohl pädagogisch wertvollen als auch politisch korrekten Film, und im Handumdrehen hätte man – na sagen wir einmal – die bravsten Antifaschisten herange- und erzogen. Daß dem nicht so ist, braucht nicht des Langen und Breiten diskutiert werden. Trotzdem bleibt die Frage unbeantwortet, inwiefern „die Medien“ Konstituenten von Geschichtsbildern sind, beziehungsweise inwiefern sie – ein wie auch immer ausgeprägtes und verortetes – Geschichtsbewußtsein (mit)prägen.

Im Folgenden sollen zwei Untersuchungen anhand ihrer Methodik und ihrer Ergebnisse, die sich mit dem Medium Film auseinandersetzen, genauer, die einmalige filmische Reize und deren Auswirkungen zu analysieren trachten, vorgestellt werden. Somit stellt sich die Frage, was können Filme – ganz allgemein – bewirken, und was im Besonderen haben Hitler – Eine Karriere und Schindlers Liste bewirkt. Letzterer Thematik gingen die beiden Sozialwissenschafterinnen vom Institut für Konfliktforschung (Wien), Helga Ambes- berger und Brigitte Halbmayr (Amesberger, Helga und Halbmayr, Brigitte: „Schindlers Liste “ macht Schule. Spielfilme als Instrument politischer Bildung an österreichischen Schulen. Wien: Braumüller 1995 (= Studienreihe Konfliktforschung. Bd. 9). 144 S., ÖS 280,-), nach. Sie konzentrieren sich auf Schüler/-innen aus den Bundesländern Wien und Oberösterreich und das durchaus zu Recht, stellten diese – unter dem Aspekt der quantitativen Repräsentativität – doch rund zwei Drittel aller Schüler/-innen, die 1994 kostenlos Schindlers Liste sahen.

Die beiden Forscherinnen orientieren sich an drei Leitfragen, nämlich:
Kann ein Spielfilm dieser Art zu Sensibilisierung bzw. zu Immunisierung gegen antidemokratische Tendenzen in der Gegenwart führen?
Und vor allem, was bewirkt der Film bei den Schülern und Schülerinnen? Bewirkt der Film mehr als eine kurzfristige Betroffenheit?
Können mit einem Spielfilm Einstellungen gegenüber Menschen mit anderer Religion, anderer Weltanschauung, anderer Herkunft und anderen Lebensweisen geändert werden? (ebd., S. 18.)…

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