Wolfgang Duchkowitsch: Herwig Wallitsch Ein Nachruf

Am 1. Februar 2003 verschied Mag. Dr. Herwig Walitsch, Mitarbeiter im Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung, im Alter von 37 Jahren nach schwerer Krankheit in Graz. Sein sehnlichster Wunsch, als Medien Wissenschaftler an einer Universität angestellt zu werden, blieb unerfüllt. Es war ihm nicht mehr möglich, eine Berufung in Deutschland anzunehmen, um in dieser Funktion seinen vielseitigen Erkenntnisinteressen nachzugehen und eine Brücke von der Medienwissenschaft zur Kommunikationwissenschaft zu schlagen.

Herwig Walitsch wurde am 23. Juni 1966 in Kapfenberg geboren. Sein Vater war Postoffizial, seine Mutter Hausfrau. Nach der Matura studierte er Germanistik sowie Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft an der Karl-Franzens-Universität Graz. Sein 6-jähriges werkstudentisches Leben verbrachte er in einer Marketing- und Kommunikationsagentur. In den Sommerferien jobbte er als Schlafwagenschaffner. 1987 und 1988 war er Foreign Language Assistant am Tresham College in Kettering, Northamptonshire, England. Die Diplomarbeit über Thomas Bernhard und das Komische schrieb er bei Hans FL Hiebei. Sie wurde 1992 im Verlag Palm und Enke, Erlangen, publiziert. Nach Abschluss des Diplomstudiums arbeitete er bei Hiebei intensiv am Aufbau des Forschungsprojekts „Literatur und Medien – Poetische Fiktion und technische Medien in der Neuzeit“. Damals lernte ich ihn als kompetenten und am Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien (mit dem Schwerpunkt Medien- und Kommunikationsgeschichte) interessierten Kollegen kennen und schätzen. Aus dieser Begegnung entstanden viele Stunden gemeinsamer Gespräche sowie sein erster Beitrag für Medien & Zeit, der 1993 sogar ein ganzes Heft füllte.

1994 erhielt Walitsch am Institut für Germanistik in Graz seinen ersten Lehrauftrag. „Literatur und Medien“ war das Thema. Fan Jahr danach folgten Lehraufträge am Institut für Anglistik in Graz. Eine „Einführung in die Medienkunde“ und „Stilistik“ führten ihn in weitere Nähe zur Kommunikationswissenschaft. Von 1994 bis 2001 war er Forschungsassistent bei Hiebei. In dieser Funktion arbeitete er an dem aus Mitteln des FWF (= Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) gespeisten Projekt „Literatur und Medien“ mit. Mehrere Publikationen (s. Anhang) zeugen von dieser mehrjährigen Projektarbeit. 2000 schloss er bei Hiebei mit der Dissertation Literatur und Medien – Vorschläge zu einer hermeneutischen medienorientierten Literaturwissenschafi sein Doktoratsstudium ab. Diese Arbeit wird posthum bei Fink in München erscheinen. Im Frühjahr 2001 erhielt er einen Vertrag als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Technischen Museum Wien und betreute bis September 2002 für die ständige Ausstellung „medienweiten“ den Bereich Informations- und Kommunikationstechnik. Während dieser Monate stellte er die Übersetzung des Werkes The History of Television von Albert Abramson fertig. Sie erschien im Herbst 2002 im Verlag Fink. Eine Ein- ladung zur Präsentation des Buchs bei der Frankfurter Buchmesse und ein daran angeschlossenes Treffen mit dem Autor in den USA bildeten einen letzten Erfolgs- beweis. Die Übersetzung und Herausgabe des Buchs Understanding New Media von Kim Veltman, für die sich ebenfalls der Verlag Fink interessiert hatte, konnte Walitsch nicht mehr fertig stellen.

Der Arbeitskreis, dessen Vorstandsmitglied Herwig Walitsch seit 1998 war, verlor einen ergreifenden Menschen, der kraft seiner Belesenheit, seines vielseitig fundierten Wissens, epikureischen Charmes und szientifi- schen Witzes stets um die Lebendigkeit von Diskursen besorgt war. Liebe zur Wissenschaft hatte ihm bewundernswerte, nahezu störrische Kraft verliehen. Liebedienerei war ihm allzeit fremd. Herwig, ich vermisse dich.

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