Heinz P. Wassermann: Generation Prekär? Empirische Annäherungen zur Prekarisierung im Journalismus

Einleitung:

Medienunternehmen ist daran gelegen, die Personalkosten möglichst gering zu halten, weshalb Journalisten jahrelang in prekären Beschäftigungsverhältnissen werken, ohne arbeitsrechtliche und soziale Absicherung. Wer aber jederzeit für verzichtbar erklärt werden kann, wird sich bohrende Fragen ersparen. Wer seine Karriere vor Augen hat, während er auf Zeilenhonorare angewiesen ist, wird auf aufwändige, zeitraubende Recherchen und Hintergrundinformationen verzichten.“
(Rohrer, 2007, S. 98f)

Im Sommersemester 2007 führten Studierende des Studiengangs „Journalismus und Unternehmenskommunikation“ der FH JOANNEUM (Graz) im Rahmen der Lehrveranstaltung „cultural studies II“ ein Forschungsprojekt zum Thema „Prekarisierung im Journalismus“ (Hepp, 2009) unter der Leitung des Verfassers durch.

Methodisch setzte diese Pilotstudie auf zwei Ebenen an. Eine Studierendengruppe führte leitfadengebundene Interviews mit steirischen Journalisten. Die in Frage kommenden Journalisten wurden in vier Gruppen unterteilt: Ehemalige Journalisten, etablierte Journalisten, Einsteiger und Journalisten in unsicheren bzw. finanziell prekären Verhältnissen. Von besonderem Interesse waren selbstverständlich die letzten zwei Gruppen, da unter ihnen – so die implizite Hypothese – prekäre Arbeits- und Einkommensverhältnisse am wahrscheinlichsten sind. Um nun aber nicht in Gefahr zu geraten, Journalisten erst klar machen zu müssen, dass sie ja eigentlich in prekären Verhältnissen leben, wurde der Interessenfokus bei den Interviews (und bei der Onlineumfrage) mit „Arbeits- und Lebensverhältnisse im heimischen Journalismus“ neutraler formuliert. Insgesamt wurden 17 Interviews geführt.

Die Onlinegruppe (wie auch die Interviewgruppe) entwickelte im Rahmen der Lehrveranstaltung einen Fragebogen, der zum einen an alle österreichischen Chefredaktionen mit der Bitte um Weiterleitung an die Mitarbeiter und zum anderen über persönliche Kontakte direkt an alle Mitarbeiter von Medienhäusern versendet wurde. Er blieb zwei Wochen online und wurde insgesamt 265 Mal vollständig beantwortet sowie zur Auswertung freigegeben.

Die im Folgenden ausgewerteten Datensätze stellen lediglich einen Teilbereich der Onlineumfrage dar, die präsentierten Ergebnisse erheben auf Grund der Datenlage weder den Anspruch auf Repräsentativität noch auf Letztgültigkeit. …

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