Susanne Dermutz: Gender statt Feminismus? Über Begriffe und Wirkungszusammenhänge. Ein Versuch

Einleitung: Im öffentlichen (wirtschaftlichen, akademischen, medialen) wie im alltäglich persönlichen Sprachgebrauch hat sich die Verwendung des Begriffs “gender” durchgesetzt. Bezeichnungen wie Geschlecht, Geschlechter, geschlechts-spezifisch, geschlechterbewusst, geschlechtstypisch, vergeschlechtlicht, sexualisiert, Frauen und Männer, Frauen- und Geschlechterforschung und -Studien, Feminismus, feministische Wissenschaft usw. werden zunehmend und vereinfachend durch “gender” ersetzt, wie z.B. gender studies, gender Forschung, gender mainstreaming, gender budgeting, gender sensitivity, gender-Beauftragte, “gegendert” usw. Der rasche sprachliche Wandel ist durchaus fragwürdig. Man könnte meinen, dass sich diese sprachlichen Änderungen wie in anderen Fällen auch auf die vermehrte Übernahme von Anglizismen zurückführen lassen. Diese Erklärung reicht aber dann nicht aus, wenn nach der Bedeutung des Begrif- fes gefragt wird. Und nach den Wirkungen, die der neue Sprachgebrauch auslösen kann oder soll. Bei der Antwort auf die Frage, warum eine Sprecherin/ein Sprecher das Wort “gender” gebraucht, fällt zumeist auf, dass der Bedeutungsgehalt des Begriffes und der theoretische Zusammenhang kaum bekannt sind und reflektiert werden, übrigens auch nicht ausreichend in akademischen Milieus. Nahezu bewusstlos wird in vielen Fällen über Anpassungsleistungen die Sprache verändert. Zum Beispiel wird mit der Bezeichnung “gender mainstreaming” häufig Frauenförderung verwechselt oder gar ersetzt. An die Stelle der Bezeichnung “Feministische Wissenschaft” solle “gender Forschung” treten, so unlängst eine junge Universitäts-Professorin, Feminismus und Feministische Wissenschaft seien doch veralterte Erscheinungen aus den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, so ihre Begründung. …

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