Horst Pöttker: Geheim, verdrängt, unbekannt Lücken von Öffentlichkeit: Worüber Medien gern schweigen – und warum sie das tun

Abstract: Das Geheimnis wird bereits von Georg Simmel 1908 als ethisch und funktional ambivalent gedeutet: Einerseits unentbehrlich für soziale Beziehungen und kulturelle Entwicklung, steht es andererseits individueller Selbstbestimmung und demokratischer Selbstregulierung von Gesellschaften entgegen. Diese zweite, problematische Seite des verborgen Bleibenden wird aus der Perspektive des Journalistenberufs und der ihn unterstützenden Journalistik analysiert. Zentrale Gesichtspunkte sind die Aufgabe, zutreffend und umfassend Öffentlichkeit herzustellen, und die journalistische Grundpflicht zum Publizieren. Aus dieser Perspektive werden sieben Gründe für Lücken von Öffentlichkeit analysiert: Druck von außen (z. B. Zensur), kulturelle Tabus, professionelle Routinen (z. B. Nachrichtenfaktoren), erzieherisches Selbstverständnis, Verstopfung von Kommunikationskanälen mit „junk news“ und die Selbstgenese des (Ver-)Schweigens. Am Ende werden Rechercheförderung und Initiativen, die auf medial vernachlässigte Themen hinweisen, als Möglichkeiten erwogen, um Lücken von Öffentlichkeit zu schließen.

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