Winfried B. Lerg: Film Quelle, Zeugnis, Dokument

Einleitung
Filmgeschichte ist ein Moment der Kinogeschichte und diese wird heute vielfach als eine Mediengeschichte bezeichnet. Wer mit Materialobjekten von Wissenschaft seine epistemologischen Schwierigkeiten hat und sich lieber theoretischer Steuerung anvertrauen möchte, der wird bei der Kommunikationsgeschichte am besten aufgehoben sein. Kommunikationsgeschichte wiederum ist ein Moment der Sozialgeschichte. Dem Strukturpostulat der Sozialgeschichtsschreibung vermag die Kommunikations-geschichtsschreibung mit einem Elementarkonzept zu entsprechen, mit der publizistischen Struktur Kommunikator, Kommunikat, Rezipient. Anders als auf vielen Gebieten der allgemeinen Politikgeschichte, wo man sich erst kürzlich entschieden hat, auch einmal auf strukturelle als immer nur auf „eventuelle“ oder ereignisbezogene Darstellung und Deutung hinzuarbeiten, ist der publizistischen Historiographie das Strukturdenken schon seit langem geläufig, – bisweilen schon allzu geläufig geworden. Denn immer wieder kommt es zur Fixierung auf einzelne Strukturelemente, beispielsweise auf bestimmte Kommunikatorpersonen („Publizisten“) oder Kommunikatorinstitutionen („Medien“), auf bestimmte Kommunikate (Presse-, Film-, Rundfunkformen und -inhalte), auf bestimmte Rezipientenschaften (Publica von Einzelmedien oder Einzelkommunikaten). Bei solchen Fixierungen, die auch und gerade in der allgemeinen Geschichte sowie in der Literatur- und Kunstgeschichte auftreten, wenn sie denn kommunikationshistorisch fragen, gerät notwendigerweise die erkenntnislogische Begründung jener publizistischen Struktur aus dem Blick: das Prozeß-Schema. Gleichwohl ist der Strukturzusammenhang nur auf dem theoretischen Hintergrund des Kommunikationsprozesses zu begreifen. …

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