Eine Antwort von Michael Schmolke

Einleitung
Der Fragesteller Hannes Haas hat seiner Einladung zum Mittun ein Zuckerl beigegeben: er wolle „die verschüttete historische Methode der Rundfrage … wieder aufleben lassen“. Und so greife ich denn auch zu etwas „Verschüttetem“, jedenfalls Altmodischem, zu einem weißen Blatt Papier, einem, soweit möglich, unschuldigen. Ich kann natürlich nicht aus dem Kopf streichen, was ich irgendwann (und im letzten Dezennium wieder häufiger und besser motiviert) zum Thema gelesen habe, aber ich arbeite mich nicht ein und verzichte auf die mehr oder weniger gelungene Placierung gut gefundener Zitate.

„Kommunikationsgeschichte“ soll mehr sein als Mediengeschichte, und Mediengeschichte ist, wenn der Begriff taugen soll, umfassender als Pressegeschichte oder Filmgeschichte oder…
Für mein Verständnis ist Kommunikationsgeschichte zunächst einmal Kampfplatz der begrifflichen Redlichkeit. Denn wenn wir davon ausgehen, daß kommunikationsgeschichtliche Forschung eben nicht (korrekt: nicht nur) die Geschichte der Zeitung X oder der Presse des Landes Y oder des Senders Z erhellen soll, sondern die „öffentliche gesellschaftliche Kommunikation“, den „Dialog der Gesellschaft“, die „communicatio socialis“, in deren Prozeßverläufen dieses und jenes Medium eine Rolle gespielt hat, müssen wir vorher dingfest machen, was wir meinen mit „gesellschaftlicher Kommunikation“. Allgemeinbegriffe dieses Abstraktionsniveaus sind zwar notwendig, um das Feld mit kurzem Wort benennen zu können, aber auf dem Platz, wo „kommunikationsgeschichtlich“ gearbeitet wird, sind die konkreten Gegenstände herzunehmen und zuzuordnen, – vielleicht am Anfang nur Mosaiksteinchen, wobei freilich schon auf Farben und Oberflächenbeschaffenheit zu achten sein wird, später Bilder, am Ende, wenn’s gelingt, Strukturen, möglichst in der Gestalt „anschaulicher Abstraktionen“.

Ich habe Respekt vor dem Versuch, jeden Schritt kommunikationsgeschichtlicher Methodik so ehrgeizig durchzureflektieren, daß gewissermaßen abstrakte Plattformen entstehen, wie diese eine der ersten Anregungen zur neuen Welle der Kommunikationsgeschichte vorgeschlagen hat (Lerg 1976). Aber ich selber gehe, offen gestanden, gern schneller an das Material heran, und so lange die unbeachteten Felder so groß sind, wie sie sich zur Zeit darbieten, ist es, so meine ich, erlaubt, die Entwicklung abstrakter Zugänge auf verschiedenen Ebenen des Erkenntnisinteresses „nebenbei“ zu bedenken, ihnen jedenfalls nicht den Rangplatz 1 zuzuweisen. …

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