Eine Antwort von Kurt Koszyk

Einleitung
Der Begriff Kommunikationsgeschichte bedeutet, daß die Perspektive weg von den Medien hin auf die Rezipienten gerichtet werden soll. Das liegt im Trend der Epoche der Einschaltquoten und der Leserschaftsforschung.

Leider ist dies leichter gefordert als erfüllt. Die Quellenlage steht einer Rezipienten-Historiographie und damit der Kommunikationsgeschichte sehr hinderlich im Wege. Von einem Produkt aber auf seine Abnehmer zu schließen, erscheint fragwürdig. Wir kennen z.B. die mit viel Verve, aber wenig Dokumenten betriebenen „Hochrechnungen“ zur Verbreitung früher Presseprodukte. Dennoch sollte unermüdlich versucht werden, da weiterzukommen.

In den letzten zehn Jahren sind – wenn auch nicht sehr systematisch – erfreuliche Entdeckungen gemacht worden. Noch erscheint es jedoch als zu früh, Einzelbefunde zu verallgemeinern. Das widerspräche jeder Empirie.

Mit der neuen Perspektive, wie sie durch das Kommunikationsmodell die Medienhistoriographie gekommen ist, ergaben sich neue Fragestellungen. Die Rezeptionsästhetik sowie sozialgeschichtliche Ansätze in der Literaturgeschichte haben dazu beigetragen, neue Fakten zu erarbeiten und alte Ergebnisse neu zu bewerten. Durch Modifikation von Fragestellungen lassen sich nicht selten neue Erkenntnisse erzielen.

Impulse erwarte ich mir nicht zuletzt von regional orientierten Forschungen, die ernst mit der Tatsache machen, daß den Wirklichkeiten im Gebiet der deutschsprachigen Publizistik nur mit differenzierten Erhebungen beizukommen ist.

Unser Blick sollte sich dabei über die Grenzen unserer Disziplin auf benachbarte Fachgebiete richten, von denen ich mir sowohl theoretische wie methodische Anregungen erhoffe. …

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