Gerhard Kubik: Ein Groer-Witz Gedanken in Anlehnung an Sigmund Freud's "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten"

Einleitung: Der Witz ist ein literarisches, genauer oralliterarisches Genre, das bei den Partnern, die ihn austauschen, zu einem spontanen Lusterlebnis führt. Nach dem Aussterben der Sitte des Märchen-Erzählens in den meisten Feilen Europas mit der Durchdringung des individuellen Lebens durch die Medien und durch virtuelle „body snatchers“, ist das Witze-Erzählen eine der wenigen Formen von Oralliteratur, die übriggeblieben sind. Als eine wichtige Form der Kommunikation bewußter und unbewußter Inhalte hat es bis heute überlebt.

Der Witz ist eine narrative Form, aber eine der kürzesten, die es gibt. Er ist komprimiert im Sinne einer Verdichtung der Inhalte. Das Lusterlebnis kommt dadurch zustande, daß mittels besonderer literarischer Konstruktionstechniken, der Analogie, Anspielung, Verschiebung und Verdichtung“ ein verbales Produkt zustande kommt, durch das in den Rezipienten Verdrängtes3 angesprochen wird. Die innerpsychische Abwehr dieses Verdrängten in den Rezipienten (der Witz- Audienz) wird von dem versteckten Inhalt regelrecht überrumpelt. Im Augenblick, wo das Ich diesen Inhalt erkennt, wenn auch nur ganz kurz, ist dem Verdrängten ein Durchbruch ins Bewußtsein gelungen, und es kommt zu einer explosionsartigen Entladung. Dieser kurzzeitige sogenannte ES-Durchbruch (Freud 1905/1998: S. 48-49).) bewirkt jenen physiologischen Effekt, den wir das Lachen nennen. ..

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