Hannes Haas: Die Wiener humoristisch-satirischen Blätter Zur Produktionsgeschichte eines Zeitschriftentyps (1778 – 1933)

Einleitung: Die humoristisch-satirischen Zeitschriften sind publizistische Produkte des 19. Jahrhunderts. Auch wenn sie regional unterschiedlichen Vorläufern folgten und qualitativ wie inhaltlich durchaus gegensätzliche Entwicklungen nahmen, lassen sich doch in ihren Anfängen internationale Parallelen aufzeigen.

Zeitgleich entstanden um 1830 in den europäischen Metropolen vergleichbare Blätter. Die prominentesten Beispiele stammten aus Paris und setzten in der Folge auch die qualitativen Standards. Charles Philipon gründete zunächst 1830 La Caricature, “die erste politischsatirische Zeitschrift im modernen Sinne”, und zwei Jahre später den täglich erschienenen Le Charivari. Ähnliche Blätter mit einer redaktionellen Mischung aus satirischer Lyrik und mehr oder weniger polemischen Karikaturen entstanden auch in Rom, London, Madrid, Budapest, Prag und Wien.

Sie waren sich im äußeren Erscheinungsbild zum Verwechseln ähnlich, weil ganz Europa versuchte, die berühmten Vorbilder zu imitieren. Die qualitativen Unterschiede lassen sich durch ungleiche künstlerische Anspruchsniveaus, vor allem aber durch die jeweiligen nationalen politischen Rahmenbedingungen sowie liberal oder restriktiv gehandhabte Zensurpraktiken in den einzelnen Ländern erklären. Der Pariser Revolution von 1830 stand beispielsweise der österreichische Vormärz gegenüber; der polemisch-aggressiven Satire ein behördlich genehmigter Humor. Diese unterschiedlichen Startbedingungen dürfen bei der kritischen Bewertung der österreichischen Entwicklung nicht unberücksichtigt bleiben. …

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