Claudia Hefner: Die Wiederentdeckung der Sozialreportage in den siebziger Jahren

Einleitung: Mille der 70er Jahre taucht eine „neue journalistische Darstellungsform auf und bereichert in der Folge den österreichischen Fernseh- und Magazin journal ismus: Die Sozial reportage, eine während der grau-braunen Jahrzehnte gänzlich unerwünschte und daher bald in Vergessenheit geratene Form der Wirklichkeitsvermittlung erlebt zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert eine Blütezeit. Tatsächlich werden in diesem Jahrzehnt Sozialreportagen in gewisser Hinsicht „modern”, Sozialreportagen zu verlassen, ist nun regelrecht „in”. Nicht nur die kritischen, eher „links orientierten Magazine, die im Laufe der 70er Jahre neugegründet wurden, sondern auch bereits etablierte, bürgerliche Medien tragen den gesellschaftlichen und journalistischen Trends Rechnung: Sozialkritische Journalisten, die gewissermaßen eine Alibifunktion erfüllen, werden in den Redaktionen geduldet, Sozialreportagen hin und wieder auch an publikumsträchtiger Stelle plaziert.

Der neuerliche Aufschwung der Sozialreportage geht einher mit einer Stimmung des Aufbruchs und Neubeginns, welche in Österreich Einzug gehalten hat. So gelten die 70er Jahre als besonders fortschrittlich und aufgeschlossen gegenüber sozialen Erneuerungen, als Jahrzehnt allgemeinen Wohlstands in Österreich, als die sogenannten „Goldenen 70er Jahre” (Pohoryles, 1990). Der klassische Wohlfahrtsstaat wird in dieser Epoche installiert, die Bezeichnung Österreichs als „Insel der Seligen” geprägt. Der Wille, Österreich nachhaltig zu verändern, ist wesentliches Merkmal der Gesellschaftspolitik dieses Jahrzehnts, der Nachholprozeß Österreichs ist eingeleitet. Längst fällige gesamtgesellschaftliche Reformen finden in den 70er Jahren unter den Schlagworten „Demokratisierung und „Pluralisierung eine gesetzliche Verankerung. …

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